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Aufstand in Ägypten - Die Zentrale der Regierungspartei brennt | Drucken |  E-Mail
Ägypten
Freitag, den 28. Januar 2011 um 19:38 Uhr

Al-Jazeera berichtet live aus ÄgyptenDie ägyptischen Behörden haben heute nachmittag eine Ausgangssperre über Kairo, Alexandria und Suez verhängt, um die Massenproteste zu stoppen, die heute einen neuen Höhepunkt erreicht haben. Zu den grössten Demonstrationen in der Geschichte Ägyptens kamen heute in den wichtigsten Städten des nordafrikanischen Landes Hunderttausende zusammen, um soziale Veränderungen und einen Rücktritt des seit über 30 Jahren herrschenden Staatschefs Hosni Mubarak zu fordern. Die Polizei ging mit brutaler Gewalt gegen die Demonstranten vor, die das traditionelle Freitagsgebet als Ausgangspunkt ihrer Proteste genutzt hatten. Einem Bericht des Nachrichtensenders TeleSur zufolge wurden allein im Zentrum Kairos drei Menschen erschossen. Das Gebäude der Regierungspartei NDP steht in Flammen. Die Nachrichtenagentur AP meldet ausserdem, Demonstranten hätten das Gebäude des Aussenministeriums in Kairo gestürmt.

Aus Alexandria werden 150.000 Menschen gemeldet, die dort unter der Losung »Das Volk will den Sturz des Regimes« auf die Strasse gegangen sind. Das Regime versucht, die Kommunikation unter den Protestierenden durch eine Sperrung des Internets sowie der Mobil- und Festnetztelefone zu unterbinden. Ausserdem versuchen die Behörden, den Empfang ausländischer Sender wie Al-Jazeera oder TeleSur zu verhindern. Mehrere Journalisten wurden verletzt, andere werden vermisst.

Der heute 82 Jahre alte Mubarak kam 1981 nach der Ermordung seines Amtsvorgängers Anwar al-Sadat an die Macht. Er verhängte den Ausnahmezustand und hob ihn bis heute nicht wieder auf. Zu den Protesten hat er sich bislang nicht geäussert.

Gegenüber TeleSur sagte der Nahostexperte George Zade, der Aufstand sei »ein schwerer Schlag für die USA und Israel. Mubarak war der bedingungslose Verbündete der Vereinigten Staaten und Israels, der die Türe für alles geöffnet hat, was diese Staaten brauchten«. Zade erklärte, die Folgen der heutigen Ausschreitungen seien noch nicht absehbar. Mubarak werde aber zumindest um eine Regierungsumbildung nicht herumkommen: »Das ägyptische Volk ist geduldig, aber das kann nicht ewig dauern. Es kommt der Moment, an dem sie Schluß Jetzt sagen«, so der Experte. Vor allem die Jugendlichen spielten derzeit die entscheidende Rolle bei den Protesten, so Zade. »Wir hoffen, dass das ägyptische Volk bewusst ist und die Fallen erkennt, die ihm die Berufspolitiker stellen können.«

Al-Jazeera live: http://english.aljazeera.net/watch_now/