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Aufstand in Ägypten weitet sich aus | Drucken |  E-Mail
Ägypten
Samstag, den 29. Januar 2011 um 13:07 Uhr

Grossdemos in Kairo und anderen Städten ÄgyptensIn Ägypten reissen die Proteste gegen das Regime von Staatschef Hosni Mubarak nicht ab. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Jazeera berichtet, versammeln sich derzeit wieder zahlreiche Menschen im Zentrum von Kairo, obwohl das Militär dazu aufgerufen hat, heute auf Versammlungen zu verzichten. Der Sender berichtet auch von Schüssen im Stadtzentrum. Die Bilanz der blutigen Repression am gestrigen Freitag soll 53 Todesopfer betragen, davon allein 23 in Alexandria so der von Qatar aus arbeitende Kanal.

Sepp Aigner kommentiert in seinem Blog: »In Ägypten scheint es drei Strömungen zu geben, die sich darin einig sind, dass das Mubarak-Regime weg muss: die liberale prowestliche Bourgeoisie - der Teil der Bourgeoisie, der nicht am Nepotismus des Mubarak-Clans beteiligt wurde - und der Intelligenz; die Arbeiterbewegung - Gewerkschaften und ihre illegalisierten Parteien - und armes ländliches und städtisches Kleinbürgertum, eine Kraft, die etwa in der iranischen Revolution auch eine wichtige Rolle als Massenbasis der nationalen "muslimischen" Bourgeoisie gespielt hat, die das Shah-Regime verjagte.«

Nach wie vor haben die ägyptischen Behörden die Zugänge zum Internet blockiert. Da aber Festnetzanschlüsse offenbar funktionieren, sendet Al-Jazeera derzeit Anleitungen, wie man sich über diese Leitungen bei ausländischen Providern einwählen kann und über diese auch Nachrichten über das Netzwerk Twitter verbreiten kann. Nutzer dieses Dienstes berichten, dass zum Beispiel in Alexandria »komplettes Chaos« herrsche. In Tahrir sollen »Tausende« demonstrieren, zugleich kursiert dort offenbar ein Aufruf, dass die grosse Demo um 15 Uhr beginnen soll. Ersten Berichten zufolge sollen ausserdem die ersten Mobiltelefon-Anbieter in Ägypten ihre Arbeit wieder aufgenommen haben.

Das staatliche Fernsehen Ägyptens berichtet, dass das Regierungskabinett seinen Rücktritt erklärt hat, und Staatschef Mubarak heute einen neuen Ministerpräsidenten ernennen will. Die Protestbewegung beruhigt dies jedoch offensichtlich nicht, sie fordert den Sturz des Diktators.

Israel hat unterdessen sein Personal aus der Botschaft in Kairo abberufen. Tel Aviv betont aber, dass der Botschafter selbst in der ägyptischen Hauptstadt bleiben werde. Seit dem Beginn der Proteste in ihrem einzigen arabischen Verbündeten hat es der israelischen Regierung weitgehend die Sprache verschlagen. Vor der britischen und US-amerikanischen Botschaft sind Panzer aufgefahren.

Die Arbeiter eines ägyptischen Stahlwerks sind offenbar in einen unbefristeten Streik getreten, der erst nach Mubaraks Rücktritt aufgegeben werden soll. Das meldet die »Egyptian Association for Change« aus den USA.

Al-Jazeera live: http://english.aljazeera.net/watch_now/