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Das EU-Parlament hat sich am Donnerstag mit großer Mehrheit für die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen ausgesprochen. Wie die Tageszeitung junge Welt berichtet, stimmten für die entsprechende Resolution auch elf Abgeordnete der 34 Köpfe zählenden Linksfraktion GUE/NGL, darunter der Fraktionsvorsitzende Lothar Bisky als einziger deutscher Vertreter der Gruppe. 14 linke Abgeordnete stimmten dagegen. Bisky hatte den Resolutionsantrag, der von allen anderen Fraktionen getragen wurde, zusammen mit zwei weiteren GUE/NGL-Mitgliedern als Einzelperson in das Plenum mit eingebracht. Das Papier enthält auch die Forderung, »Beziehungen zum vorläufigen Nationalen Übergangsrat« in Libyen aufzunehmen.
Über den Artikel zehn der Resolution, in dem die Einrichtung einer Flugverbotszone über Libyen unterstützt wird, hatte es zunächst eine Sonderabstimmung gegeben. Sechs GUE/NGL-Abgeordnete stimmten für diese Passage, 17 dagegen – darunter alle anwesenden deutschen Parlamentarier einschließlich Bisky, vier enthielten sich der Stimme. Obwohl eine klare Mehrheit des EU-Parlaments jedoch die Flugverbotszone unterstützte, stimmte Bisky anschliessend für die Gesamtresolution, die dadurch jedoch genau diesen Passus enthielt.
Die Europaabgeordnete Sabine Lösing (Die Linke) erklärte dazu: »Ich bedauere die Annahme dieser Resolution zutiefst und habe mich vehement gegen diese ausgesprochen. Besonders gravierend ist, daß in der Resolution die Einrichtung einer Flugverbotszone gegen Libyen vorgeschlagen wird. Das heißt nichts anderes, als einen Krieg führen zu wollen. Man sollte außerdem nicht vergessen, daß die bisher von der UN mandatierten Flugverbotszonen in eine westliche Militärintervention mitsamt anschließender Besatzung mündeten. Es ist skandalös, daß eine Mehrheit der Europaabgeordneten einen Krieg gutheißt, während man jahrelang nichts an der Lieferung von Rüstungsgütern nach Libyen durch die EU auszusetzen hatte.« Auch ihre Fraktionskollegin Sabine Wils erklärte: »Ich habe die Resolution abgelehnt. Selbst wenn es zu begrüßen ist, daß ein blutiger Diktator in Libyen, der Menschenrechte mit Füßen getreten hat (und dafür von denselben, die jetzt die Intervention fordern mit Handelsverträgen und Waffenexporten unterstützt wurde), gestürzt wird, rechtfertigt das nicht die Vorbereitung eines Krieges.«
Offene Kritik am Verhalten Biskys, der bis Ende vergangenen Jahres auch Chef der Europäischen Linkspartei gewesen war, übten unter anderem auch die Kommunistische Plattform der Partei Die Linke sowie der Hamburger Landesverband der Linksjugend ['solid]. In deren Pressemitteilung heisst es:
»Die Linksjugend [´solid] Hamburg verurteilt das Abstimmungsverhalten der Parlamentarierinnen und Parlamentarier Kohliček, Liotard, Matias, Maštalka, Melenchon, Portas, Remek, Sondergaard, Tavares, Vergiat der Fraktion European United Left/Nordic Green Left (GUE/NGL) und ihres Fraktionschefs Lothar Bisky im Europaparlament. Sie haben mit ihrer Zustimmung für eine Flugverbotszone über dem Staatsgebiet Libyens dazu beigetragen, die imperialistische Politik der NATO-Staaten zu fördern, den Konflikt militärisch inklusive eines möglichen Krieges zu eskalieren und die politische Unabhängigkeit der fortschrittlichen libyschen Kräfte inklusive der staatlichen Souveränität Libyens langfristig zu beschädigen. Lothar Biskys Handeln steht im offenen Widerspruch zu den außen- und friedenspolitischen Positionen der LINKEN sowie der von ihm selbst herausgegebenen Pressemitteilung vom 10.3.2011, in der militärische Interventionen in Libyen abgelehnt werden.
Die Einrichtung der Flugverbotszone dient weder den fortschrittlichen Kräften in Libyen, die keineswegs mehrheitlich die Intervention in die inneren Angelegenheiten Libyens befürworten, noch einer friedlichen Lösung des innerlibyschen Konflikts. Sie ist der erste Schritt zur offenen militärischen Einflussnahme der NATO-Mächte. Wie sehr sich die NATO um das Völkerrecht schert, belegt die Einrichtung der Flugverbotszone am 10.3.2011, ohne dies vom Sicherheitsrat der Vereinten Nationen überhaupt abstimmen zu lassen.
Die NATO ist kein neutraler Akteur. Wer hat denn Ghaddafi mit Waffen beliefert? Wer hat mit ihm Deals für eine menschenverachtende Asylpolitik gemacht? Die NATO-Staaten sind nicht an einer einvernehmlichen, friedlichen und fortschrittlichen Lösung des libyschen Konflikts interessiert. Stattdessen nehmen die USA und die EU durch sie ihre ökonomischen, geostrategischen und machtpolitischen Interessen wahr. Die voluminösen Ölvorkommen im Nachbarstaat der EU sollen ebenso unter westliche Kontrolle gestellt werden wie dessen Außengrenzen – und nebenbei soll noch eine prowestliche Regierung installiert werden.«
»Es gibt keine guten Gründe, die imperialistische Politik oder die imperialistischen Militäroperationen der westlichen Staaten zu unterstützen«, erklärt die Pressesprecherin der Linksjugend [`solid] Hamburg, Christin Bernhold, »nicht im Sudan und auch nicht in Libyen«. »Die Politiker der EU und der USA täuschen die Menschen wieder einmal mit humanitären Argumenten, die sie instrumentalisieren, über ihre wahren Beweggründe hinweg«, so Bernhold weiter. »Es ist ein Skandal, dass dies selbst in unserer Partei möglich ist. Ein solches Abstimmungsverhalten und die Flugverbotszone helfen den fortschrittlichen Kräften in Libyen nicht. Wir wissen aus der Geschichte Jugoslawiens und des Iraks, dass es nie bei einer Flugverbotszone bleibt.«
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Kommentare
Ob es ausländische Söldner gibt oder nicht, spielt ja wohl keine ROlle bei der Feststellung das da unten Menschen abgeschlachtet werden.
Was unabhänge Beweise angeht das Gadaffi grundlos Menschen tötet, sollte mal Gespräche mit Exillibyern führen, das www nach informationen durchforsten oder sich im Krisengebiet ein eigenes Bild davon machen.
Wer behauptet wird der Westen macht Propaganda um in Libyen einzumarschiere n, der sollte sich fragen warum die sich dann alle so schwer damit tun. Für Bush waren die vermeintlichen Massenvernichtu ngsmittel sehr viel schneller der Grund in den Irak einzumarschiere n.
Die im Artikel genannten Argumente sind purer Populismus. Das derzeitige Verhalten des Westens ist es welches Gadaffi zuspielt. Und wenn der auf "seinem "privaten" Grundstück aufgeräumt hat, wird man Trauer heucheln und übergehen zum Ölgeschäft.
Welche unabhängigen Beweise gibt es denn, dass Gaddafi grundlos Menschen töten lässt, zivile Ziele usw bombardieren lässt. z.b wurde davon gesprochen, dass Gaddafis Truppen ein Massaker in Zuwarah angerichtet haben(35 Tote wahrscheinlich alle bewaffnete Kämpfer ist wohl kaum ein Massaker und das die Stadt halb zerstört ist sind man auch nicht, nur einzelne zivile Zerstörungen und sie könnten auch von den Gegnern angerichtet worden sein) Dies ist eindeutig Propaganda.
Wenn die EU jetzt sagt, sie wolle intervenieren, um den Menschen dort zu helfen, ist das doch pure Heuchelei. Die imperialistisch en Staaten wollen sich ihren Einfluss dort sichern und nichts anderes. Viele Rebellen, die gegen Gaddafi kämpfen, lehnen eine Intervention ausländischer Kräfte auch ab.
Und das hat seinen guten Grund. Ich kann als Sozialist doch nicht ernsthaft wollen, dass Gaddafis Militärdiktatur durch eine Besatzung durch die imperialistisch en Länder ersetzt wird. Doch genau so wird es kommen, wie ja auch das Beispiel Kosovo zeigt.
G. Hat im Auftrag der EU tolle Wüstenlager eingerichtet, ohne sich an Menschenrechte halten zu müssen. Soweit zu seiner Person und seiner Politik. Es ist gut, wenn die Eu sich endlich gegen diesen Despoten stellt...
Ein Flugverbotszone muss nicht unbedingt durch die nato durchgesetzt werden, es gibt dazu auch noch andere Wege.
So kann diese Aufgabe auch durch die Ägyptische Armee ausgeführt werden. Diese kann auch schneller intervenieren als die Nato.
Es müssen nicht unbedingt die alten Kolonialmächte eingreifen. Ohne eine Unterstützung der Rebellen wird der Flächenbrand in der arabischen Welt erlöschen und die anderen, der Westlichen Welt wohlgesonnenen Despoten würden an der Macht bleiben...
Es gibt keinen unabhängigen beweis dafür, dass Ghadaffi mehrheitlich ausländische Söldner einsetzt. Dies ist genau so Propaganda wie mit den Massenvernichtu ngswaffen des Iraks und warum haben wohl so viele Ausländer auch Deutsche in Libyen gearbeitet, wohl kaum wenn Libyen unter Ghadaffi wie behauptet die Hölle auf Erden gewesen wäre.
Hauptsache dagegenreden ohne eine Lösung parat zu haben. Was ist denn bitte die "fortschrittlich e" Lösung???? Menschen abschlachten und foltern lassen ist voll in Ordnung oder? Ich bin auch kein großer Fan der Besatzungsmacht USA. In diesem Fall finde ich diesen Vergleich allerdings etwas sehr weit hergeholt. Wenn es darum allein gehen würde hätte Obama sich schon viel früher für einen Eingriff stark gemacht. Davon abgesehen sind die Proteste von den ägyptischen Protesten inspiriert und nicht durch "Westmächte gesteuert". Es ist richtig, dass ihm nie Waffen hätten geliefert werden sollen. Gleichzeitig muss die Linkspartei sich mal gehörig selbst an die Nase fassen. Dazu solltet ihr euch mal den Artikel "Das Gadaffi-Syndrom" auf Welt-Online durchlesen. Libyens "Revolutionsführ er" imponierte Linken wie Rechten. Das finde ich sehr bezeichnend...Der Westen muss sich daher fragen, was an seinem Wertefundament nicht mehr stimmt.