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Hunderttausende Tote befürchtet | Drucken |  E-Mail
Haiti
Mittwoch, den 13. Januar 2010 um 21:13 Uhr

Katastrophe in HaitiNach dem verheerenden Erdbeben in Haiti befürchtet Premierminister Jean Max Bellerive mehrere hunderttausend Tote. »Die Zahl der durch das Erdbeben, das gestern das Land erschüttert hat, Getöteten geht in die Hunderttausende«, sagte der Politiker gegenüber dem lateinamerikanischen Fernsehsender TeleSur. Kurz zuvor hatte auch Präsident René Préval von »tausenden« Toten gesprochen. »Das Parlament ist eingestürzt, die Ministerien sind eingestürzt, die Schulen sind eingestürzt und auch die Krankenhäuser sind eingestürzt«, zeigte sich Préval erschüttert. Sophie Perez, die Leiterin des CARE-Büros in Haiti, beschreibt die Situation nach dem schwersten Beben seit mehr als 200 Jahren als fürchterlich. Besorgt ist sie vor allem, weil viele Schulen eingestürzt sind: »Die Kinder waren zu der Zeit noch in der Schule, viele dürften noch unter den Trümmern liegen.« Weiterhin schildert sie das Beben: »Es war schrecklich. Es dauerte mehr als eine Minute. Die Menschen schrien, weinten. Viele haben die Nacht draußen verbracht, weil sie Angst hatten, in ihre Häuser zurückzukehren. Und viele Gebäude waren ohnehin zerstört. Außerdem gab es acht Nachbeben.«
Nur wenige Stunden nach dem Beben landete eine Maschine aus Venezuela mit Hilfsgütern und Rettungsmannschaften in Haiti. Die rund 50 Ärzte, Ingenieure und Feuerwehrleute gehören der 2005 von Venezuelas Präsident Hugo Chávez gebildeten Humanitären Einsatzgruppe Simón Bolívar an und sind speziell ausgebildet, um Menschen aus schwierigen Situationen zu retten. Nicaraguas Präsident Daniel Ortega entsandte Techniker, die die nach dem Beben zusammengebrochene Stromversorgung wiederherstellen sollen. Auch Frankreich, Mexiko, Brasilien und weitere Länder kündigten Hilfssendungen an. Die deutsche Bundesregierung stellte 1,5 Millionen Euro als Soforthilfe bereit. Die USA boten »sowohl zivile als auch militärische« Hilfe an, warteten jedoch Heidi Lenzini vom South Command der US-Streitkräfte in Miami zufolge noch auf ein »offizielles Ersuchen der Regierung Haitis«.

In Kuba wurden nach dem Beben, das auch im Südosten der Insel zu spüren war, die Zivilschutzbehörden alarmiert und der Tsunamiwarndienst ausgelöst. 30.000 Menschen wurden vorsichtshalber in Sicherheit gebracht. Zwar wurde kein Anstieg des Wasserspiegels festgestellt, die Behörden blieben aber wegen möglicher Nachbeben in Bereitschaft. In Haiti selbst sind bereits seit über zehn Jahren mehrere hundert kubanische Ärzte im Einsatz, um der notleidenden Bevölkerung zu helfen. In dieser Zeit betreuten die Ärzte von der benachbarten Insel einem Bericht von Radio Habana Cuba zufolge mehr als sechs Millionen Menschen und halfen bei über 110000 Geburten. Nach dem Erdbeben halfen die kubanischen Ärzte fast 700 Menschen, wie das Außenministerium in Havanna informierte. Zwei Feldkrankenhäuser der kubanischen Gesundheitsmission sind in der Hauptstadt Port-au-Prince im Einsatz. Weitere Hilfe werde in Kürze nach Haiti geschickt, so die Diplomaten.

Auch die christliche Hilfsorganisation »World Vision« bereitet sich auf einen größeren  Katastropheneinsatz in Haiti vor. Nach dem Erdbeben berichten die World Vision-Mitarbeiter aus der Hauptstadt Port-au-Prince von heftigen Zerstörungen. »Öffentliche Gebäude und Privathäuser sind zusammengefallen, Dächer und Hauswände sind auf die Straßen gestürzt«, beschreibt Frank Williams, der Landesdirektor von World Vision Haiti. Viele Menschen in Port-au-Prince seien schreiend auf die Straße gelaufen. Auch das World Vision-Gebäude sei zerstört worden. »Es fühlte sich an, als ob ein großer Lastwagen durch die Hauswand gekracht wäre. Dann hat es etwa 35 Sekunden lang gewackelt.«

Das Epizentrum lag nahe der Hauptstadt Port-au-Prince. Das Zentrum der Stadt sowie die umliegenden dicht besiedelten Gebiete wurden offenbar stark getroffen. Aus Angst vor Nachbeben haben viele Menschen die Nacht im Freien verbracht. Die Kommunikationsnetze sind weitgehend zusammengebrochen. Trümmer blockieren Straßen und Transportwege. Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist noch nicht abzuschätzen. »Ein Erdbeben dieses Ausmaßes ist überall in der Welt katastrophal, aber in Haiti trifft es die Menschen besonders hart«, erklärt Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland. Haiti ist eines der ärmsten Länder der Welt. Viele Familien hier leben ohnehin am oder unter dem Existenzminimum.

»Unsere Hauptstadt hat durch die Bodenerrosion keinen stabilen Untergrund. Die auf den Hügeln gebauten Slums sind einfach in einer Schlammlawine komplett abgerutscht«, berichtet Eduard Aimé aus Haiti. Die stabilsten Gebäude wie der Präsidentenpalast, Ministerien oder die Kathedrale sind zerstört berichtet Aimé weiter.

Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, stellt Hilfsgüter für die medizinische Versorgung zur Verfügung und unterstützt die Wasserversorgung. Expertenteams bereiten die Einrichtung von Schutzzonen für Kinder vor. Aus dem Nachbarland Dominikanische Republik wird nährstoffhaltige Zusatznahrung für Kinder beschafft. UNICEF Deutschland stellte 100.000 Euro für die Soforthilfe bereit und ruft zu Spenden auf. Die Vereinten Nationen gehen bisher davon aus, dass über zwei Millionen Menschen stark von dem Beben betroffen sind. Nahezu die Hälfte der Betroffenen sind Kinder und Jugendliche. Die allermeisten davon leben in extremer Armut und sind weitgehend schutzlos den Folgen der Naturkatastrophe ausgeliefert. Viele betroffene Gebiete sind noch nicht zugänglich. Die Kommunikationsverbindungen sind teilweise unterbrochen. Auch das UNICEF-Büro wurde beschädigt. UNICEF ruft dringend zu Spenden für die Kinder in Haiti auf:
Konto: 300.000
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ 370 205 00
Stichwort: Haiti


 

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