|
Der Boden war mit roten Teppichen ausgelegt. Auf der Strasse ließ Michelle Bachelet bei ihrem letzten Gang als Präsidentin plötzlich die Arme hängen. Ihre Leibwächter rannten noch mehr als gewöhnlich, aber merkwürdig schwankend. Drinnen im Parlamentsgebäude warteten bereits die Präsidenten, die der Amtsübergabe Bachelets an den neuen rechten Staateschef Sebastián Piñera beiwohnen wollten. Angeregt unterhielten sich Araber mit Latinos, Rechte mit Linken. Plötzlich begannen die schweren Lampen aus der vorletzten Jahrhundertwende zu schwanken. Erschrecken.
Aus der Reporterkabine des chilenischen Fernsehens bemerkte die arbeitende Journalistin das Erdbeben, auch sie schaute schnell nach oben und bemühte sich, nicht schnell davonzulaufen. Es war das erste von drei schweren Nachbeben, doch die Kollegin blieb professionell.
Die Natur des Menschen zeigt sich, wenn die Gefühle auf die Probe gestellt werden. Das Protokoll spielte keine Rolle mehr. Einige schwiegen, andere lachten, andere liefen - Panik. Und die Apotheke, in der Mafaldas Vater sein Beruhigungsmittel kauft, war auch nicht zur Hand.
Schon nach den ersten Erdstößen wurde eine Tsunami-Warnung veröffentlicht, aber die Gäste wußten davon nichts. Besser so, denn sie waren nur fünf Häuser von der Küste entfernt, mitten im Evakuierungsgebiet. Das Beben erwischte sie inmitten des offiziellen Protokolls, in der ersten Reihe sitzend. Und jeder nahm das Ereignis auf seine Weise wahr. Perus Staatschef Alan García konnte sogar noch scherzen, es sei eine Ehre, in Chile ein Erdbeben mitzerleben.
Die Reporter des chilenischen Fernsehens hielten die Zuschauer auf dem Laufenden: Uribe rennt, der spanische Kronprinz ist kreidebleich, Cristina Fernández macht merkwürdige Zeichen, Correa weiss nicht, wo er seine Hände lassen soll... Die Bilder sprechen für sich...
Quelle: Aporrea.org / RedGlobe
Verwandte Artikel:
Neuere Artikel:
Ältere Artikel:
|