Donnerstag, 3. September 2015

Ich gestehe, dass ich oft über die dramatische Lebensgeschichte von John F. Kennedy nachgedacht habe. Ich habe die Zeit erlebt, in der er der größte und gefährlichste Gegner der Revolution war. Es war etwas, was er nicht vorausberechnet hatte.  Er sah sich selbst als den Vertreter einer neuen Generation von US-Amerikanern, die sich mit der alten und schmutzigen Politik von Männern der Art Nixons konfrontiert sahen, und er hatte ihn mit übergroßem politischen Talent besiegt.

Für ihn bürgte sein Werdegang als Kämpfer im Pazifik und sein guter Schreibstil.



Er war von seinen Vorgängern in das Abenteuer der Schweinebucht hineingezogen worden, weil er zu vertrauensselig war, und nicht an ihrer beruflichen Erfahrung und Fähigkeit zweifelte. Sein Scheitern war bitter und unerwartet, kaum drei Monate nach seinem Amtsantritt. Obwohl er nahe daran war, die Insel direkt mit den mächtigen und hoch entwickelten Waffen seines Landes anzugreifen, tat er in jenem Augenblick nicht das, was Nixon getan hätte: die Jagdbomber einsetzen und die Marineinfanteristen landen. Es wären Ströme von Blut in unserem Vaterland geflossen, wo etliche hunderttausend Kämpfer zu sterben bereit waren. Er beherrschte sich und sagte in einer nicht leicht zu vergessenen kurzen und kanppen Weise: „Der Sieg hat viele Väter, die Niederlage ist ein Waisenkind.“

Sein Leben war weiterhin dramatisch, wie ein Schatten, der ihn die ganze Zeit begleitete. Der verletzte Stolz war stärker und er sah sich erneut von der Idee mitgerissen, uns zu überfallen. Das führte zur Raketenkrise und zu der weltweit bislang schwersten Gefahr des Ausbruchs eines Atomkrieges. Er ging dank der Fehler seines Hauptgegners aus jener Prüfung als eine Autorität hervor. Er wollte ernsthaft mit Kuba Gespräche führen und beschloss es so. Er schickte Jean Daniel mit dem Auftrag, sich mit mir zu unterhalten und dann nach Washington zurückzukehren. Dieser erfüllte seine Mission in jenem Augenblick, als die Nachricht über die Ermordung von Präsident Kennedy eintraf. Sein Tod und die seltsame Art und Weise, wie er programmiert und durchgeführt wurde, waren wirklich traurig.  

Später lernte ich nahe Verwandte von ihm kennen, die Kuba besuchten. Ich habe weder die unangenehm zugespitzten Seiten seiner Politik gegen unser Land erwähnt, noch irgendeine Anspielung auf die Versuche zu meiner Ermordung gemacht. Ich lernte seinen eigenen Sohn schon als Erwachsenen kennen, der noch sehr klein war, als sein Vater als Präsident der Vereinigten Staaten amtierte. Wir haben einen Meinungsaustausch wie Freunde geführt. Er starb ebenfalls bei einem traurigen und tragischen Unfall. Kennedys Bruder Robert wurde ebenfalls ermordet, was die Dramatik vervielfachte, die jene Familie begleitete.

Nach so vielen Jahren erreichte uns die Information über eine Geste, die beeindruckt.

In diesen Tagen, in denen in den hohen Kreisen der Länder dieses Kontinents so viel über die lange und ungerechte Blockade gegen Kuba gesprochen wurde, lese ich in La Jornada aus Mexiko eine Nachricht: „Ende 1963 versuchte der damals als Generalstaatsanwalt fungierende Robert F. Kennedy, das Reiseverbot nach Kuba außer Kraft zu setzen, und heute hat seine Tochter Kathleen Kennedy Townsend gesagt, dass Präsident Obama das berücksichtigen und Gesetzesinitiativen unterstützen sollte, um allen US-Amerikanern den freien Zugang zur Insel zu erlauben.

In offiziellen Dokumenten, die vom Forschungszentrum National Security Archive veröffentlicht wurden, ist festgehalten, dass am 12. Dezember 1963, kaum einen Monat nach der Ermordung John F. Kennedys, Generalstaatsanwalt  Robert F. Kennedy Staatssekretär Dean Rusk ein Kommuniqué zuschickte, in dem er dazu drängte, die Regelungen, welche die Reisen von US-Amerikanern nach Kuba verboten, zurückzunehmen...

Robert Kennedy argumentierte, dass das Verbot die Freiheiten der US-Amerikaner verletzte. Gemäß dem Dokument hat er ausgesagt, dass die jetzigen Einschränkungen mit den traditionellen Freiheiten der US-Amerikaner nicht zu vereinbaren sind.  

…Diese Haltung setzte sich in der Regierung von Lyndon B. Johnson nicht durch, und das State Department war der Meinung, dass die Aufhebung der Beschränkungen als eine Lockerung der Politik gegenüber Kuba empfunden werden könnte, dass aber diese Teil gemeinsamer Anstrengungen der Vereinigten Staaten und anderer amerikanischer Republiken zur Isolierung von Kuba seien.

In einem Kommentar von Kathleen Kennedy, der heute in der Washington Post veröffentlicht wird, bringt die Tochter von Robert ihren Wunsch zum Ausdruck, dass die Haltung ihres Vaters von der Regierung Barack Obamas übernommen wird, und dass dies auch die Position von Generalstaatsanwalt Eric H. Holder, Jr. ist, während die Obama-Regierung  ihren nächsten Schritt hinsichtlich Kubas überlegt, der darüber hinausgehen sollte, nur den kubanisch-amerikanischen Bürgern freies Reisen auf die Insel zu genehmigen, sondern die Rechte aller US-Amerikaner wahren sollte, von denen die Mehrheit nicht die Freiheit besitzt, dorthin zu reisen.

Kathleen Kennedy schreibt, dass Obama beim Gipfel am vergangenen Wochenende erfahren habe, dass die führenden lateinamerikanischen Persönlichkeiten eine koordinierte Position zu Kuba eingenommen haben: Dies ist der richtige Augenblick, die Beziehungen zu Havanna zu normalisieren... Durch die weiter fortgesetzten Versuche zur Isolierung Kubas hat Washington im Grunde genommen nur erreicht, so sagte man Obama, sich selbst zu isolieren.

So schließt sich die Nichte jenes Präsidenten, der versuchte, unser Land zu überfallen, die revolutionäre kubanische Regierung zu stürzen und die Blockade aufzuzwingen, jetzt dem immer umfangreicheren Chor derjenigen an, der dafür ist, diese vor einem halben Jahrhundert aufgestellte Politik aufzuheben.“

Ein würdiger Artikel von Kathleen Kennedy!


Fidel Castro Ruz

24. April 2009
13:17 Uhr

Quelle: cuba.cu / RedGlobe

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