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"Roter Priester" Fernando Lugo gewinnt Präsidentschaftswahl | Drucken |  E-Mail
Paraguay
Montag, den 21. April 2008 um 02:59 Uhr
Ersten offiziellen Ergebnissen der Präsidentschaftswahl in Paraguay zufolge, die das Oberste Wahlgericht (TSJE) veröffentlichte, hat der Kandidat der Patriotischen Allianz für den Wechsel (APC), Fernando Lugo, das Rennen gewonnen. Den vom lateinamerikanischen Nachrichtensender TeleSur verbreiteten Zahlen zufolge kam Lugo auf 38,2 Prozent der Stimmen, gefolgt von der Kandidatin der seit Jahrzehnten regierenden Colorado-Partei, Blanca Ovelar, die auf 33,5 Prozent der Stimmen kommt. Nachwahlbefragungen hatten Lugo zuvor sogar bei deutlich über 40 Prozent gesehen.
Noch vor dem Ende der Abstimmung waren in Paraguay Vorwürfe laut geworden, die Colorado-Partei wolle durch Wahlfälschung ihren Amtserhalt sichern. Wähler seien nicht im Wählerverzeichnis registriert gewesen, Wahlzettel schon mit einem Kreuz bei der Regierungspartei versehen worden, Personalausweise "gekauft" und Wähler von Colorado-Anhängern bis in die Wahlkabine begleitet worden, berichteten nationale Medien unter Berufung auf Wahlbeobachter.

Fernando Lugo, der als Priester in einer der ärmsten Regionen des Landes gewirkt hatte, kündigte im Dezember 2006 seine Kandidatur bei der Präsidentschaftswahl an, um die Vorherrschaft der Colorado-Partei zu brechen, die das Land seit mehr als 60 Jahren beherrscht, teils als Diktatur, teils als "Demokratie". Von Anfang an stellte die Kandidatur Lugos eine Herausforderung für die Staatspartei dar, denn der Priester war im Land bereits für seinen Einsatz auf der Seite der Armen und Ausgegrenzten bekannt. Auch die Weigerung des Vatikans, ihm den Schritt in die Politik zu erlauben, hielt Lugo nicht ab: er erklärte seinen Rücktritt vom Priesteramt und wurde somit frei für die Politik.

Lugo gewann die Unterstützung von Indígena-Organisationen wie Tekojoja (Gleichheit auf Guarani) und Paraguay Posible (Mögliches Paraguay), landlosen Bauern und anderen Basisbewegungen. Der Kandidat kritisierte die repräsentative Demokratie als eine lediglich formale Demokratie, die die Rolle der Bürger auf die reine Stimmabgabe reduziere. Das Volk müsse an der Regierung beteiligt werden, und zwar nicht nur durch die politischen Parteien, sondern auch durch Bewegungen, Vereinigungen, Nachbarschaftskommissionen und andere Formen gesellschaftlicher Organisierung.

Seine Gegner hatten Lugo auf Plakaten mit der kolumbianischen Guerrilla ebenso in Verbindung gebracht wie mit dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez oder dem kubanischen Comandante Fidel Castro.
 

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