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Tränengas gegen Clowns | Drucken |  E-Mail
Gegen Krieg und Krise
Samstag, den 04. April 2009 um 12:20 Uhr
Seit den späten Nachmittagsstunden ist es gestern vor dem Anti-NATO-Camp in Strasbourg zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei . Zuvor hatte sich eine Gruppe von rund 800 Menschen aus dem Camp heraus bewegt, um gegen Repressionen zu protestieren. Etwa zweihundert Meter hinter dem Camp begann die Polizei, mit Tränengas gegen die Demonstranten vorzugehen. Diese antworteten mit Steinen und Böllern und errichteten Barrikaden.

Er habe versucht, mit den Sicherheitskräften zu verhandeln, berichtet Andreas Speck, der sich kurz nach Beginn der Ausschreitungen vor dem Camp befand. Doch dann wurde die erste Barrikade in Brand gesetzt, berichtet er weiter. »Die Polizei wirft Schock-und Gasgranaten«, beobachtete Speck. »Es gibt hier leider jede Menge Idioten«, so der junge Mann weiter. Gemeint sind damit einige Demonstranten. Es sei »vollkommen bescheuert«, vor dem Camp Gewalt zu provozieren. Er wolle nicht, daß das Camp durch solche Aktionen gefährdet wird.

Am Abend gab es erneut Zusammenstösse zwischen NATO-Gegnern und Polizeikräften nahe des Camps, Dutzende Demonstranten wurden verletzt. Am »Medical Point« wurden etwa dreißig Personen behandelt, die Verletzungen durch Plastiksplitter aufweisen. Sanitäter führen dies gegenüber der Tageszeitung »junge Welt« auf Teile der von der Polizei in die Menge geschossenen Gas- und Schockgranaten zurück. Zahlreiche weitere Demonstranten und Campbewohner wurden durch das Tränengas in Mitleidenschaft gezogen. Nach Mitteilung der Behörden trugen sich auch zwei Polizisten leichtere Blessuren zu.

Die Auseinandersetzungen begannen, als zwei Kleinbusse mit rund hundert als Clowns verkleideten Gipfelgegnern von der Polizei an der Zufahrt zu dem Camp gehindert wurden. Sie gehören der »Revolutionären Clowns-Armee« an, die gegen den Gipfel zum 60-jährigen Bestehen der NATO protestieren will.

Nach Angaben der Polizei versuchten anschließend einige Demonstranten, vom Protest-Camp aus in die »verbotene Stadt« - das von der kritischen Öffentlichkeit weitgehend abgeschirmte Zentrum von Strasbourg - zu gelangen. Die Staatsgewalt setzte neben Tränengas auch Wasserwerfer ein.

Auf der deutschen Rheinseite sorgten 5000 Polizisten für Friedhofsruhe und schirmten die Staats- und Regierungschefs der 28 NATO-Staaten ab, die am frühen Abend zu einem Essen im Kurhaus Baden-Baden eintrafen.

Für heute ist in Strasbourg die Großkundgebung »Stop NATO« geplant. Eine Demonstration von der badischen Grenzstadt Kehl aus will über die Rheinbrücke dazustoßen. Die Polizei drohte mit einem harten Vorgehen gegen »Störer« und Blockaden. Den Auflagen zufolge dürfen sich die Demonstranten nur auf einer rund sieben Kilometer langen Strecke im Gebiet des Strasbourger Rheinhafens bewegen - weit entfernt von der hermetisch abgeriegelten Innenstadt und dem Kongreßzentrum, wo die Beratungen der Gipfelteilnehmer geplant sind.

Quelle: No Nato Blog der Tageszeitung junge Welt / RedGlobe
 

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