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"Wir sind Augsburg - wer seid ihr?" | Drucken |  E-Mail
Antifa
Montag, den 25. Februar 2008 um 23:55 Uhr
Mehr als 1000 Menschen haben heute in Augsburg lautstark gegen eine Zusammenrottung von rund 50 Nazis protestiert. Nachdem am Wochenende durch zahlreiche Aktionen von Initiativen, Gewerkschaften und Parteien eine ursprünglich für diesen Tag geplanter Aufmarsch verhindert werden konnte, waren die Faschisten auf den Montag ausgewichen. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte am frühen Abend die Klage der Stadt abgelehnt und die Demo der Nazis genehmigt. Die Richter hatten keine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch die Nazis erkennen können, obwohl im Rathaus heute eine Gedenkveranstaltung zum 64. Jahrestag alliierter Bombenangriffe auf Augsburg, die die Stadt zu 90 Prozent in Schutt und Asche legten, stattfand.

Bürgermeister Klaus Kirchner (SPD) hatte sich nach der Gerichtsentscheidung "sehr enttäuscht" gezeigt. Nun werde die "braune, rechte Szene" auf dieselbe Stufe gehoben wie die friedlichen Bürger. "Das ist eine Provokation", betonte Kirchner. Gewerkschaften, Parteien, Initiativen, die VVN-BdA, Antifa-Gruppen und vielen andere mobilisierten gegen die Nazis mit dem Ziel, ihnen den Weg durch die Stadt zu versperren. Nur dank massiven Polizeischutzes konnten es die Nazis dann mit mehrstündiger Verspätung wagen, sich in die Stadt zu trauen. Zu hören waren sie hingegen nicht: Lautstarkes Pfeifentrillern und Rufe wie "Wir sind Augsburg - wer seid ihr?" und "Hoch die internationale Solidarität" dürften auch der letzten Nase die Stimmung verdorben haben.

Der Augsburger Oberbürgermeister Dr. Paul Wengert (SPD) dankte den Augsburgerinnen und Augsburgern dafür, sowohl am Wochenende als auch heute den Faschisten die Show verdorben zu haben und erinnerte: "Vor 64 Jahren brachte der Krieg Tod und Verderben in bis dahin nicht gekanntem Ausmaß nach Augsburg. In wenigen Stunden versank die stolze Reichsstadt in Schutt und Asche, über 700 Menschen verloren ihr Leben, Zigtausende mussten aus der verbrannten Stadt flüchten, Kulturgüter von unschätzbarem Wert gingen für immer verloren. Die Überlebenden standen vor dem Nichts. Wer nach dem Krieg geboren wurde, kann sich das alles gar nicht vorstellen. Umso dankbarer müssen wir denjenigen sein, die Augsburg zum Teil mit bloßen Händen wieder aufgebaut haben.
Wes Geistes Kinder müssen Menschen sein, die angesichts dieser Tatsachen braune Parolen brüllend mit Springerstiefeln durch die Stadt ziehen und als geistige Erben derer, die Tod und Verderben über Deutschland gebracht haben, die Opfer des schrecklichsten Krieges aller Zeiten verhöhnen. Die dumm-dreiste Geschichtsverfälschung ist zugleich eine Verspottung unserer Demokratie. Solche Typen haben in Augsburg nichts verloren."
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