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Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) hat sich in einem offenen Brief an den »Stuttgart-Schlichter« Heiner Geißler erneut gegen das Bahn-Projekt »Stuttgart 21« ausgesprochen. In dem Brief betont der BBU, dass die vorhandene Situation besonders für behinderte und ältere Personen bessere Bedingungen bietet, als der neu geplante Bahnkomplex. Wörtlich heißt es in dem Schreiben des BBU, es sei »überhaupt nicht hinzunehmen, dass in Stuttgart künftig ältere Menschen, Behinderte, usw. auf eine beschwerliche und zeitaufwändige Reise in den Untergrund geschickt werden sollen, während sie bei Erhalt des Kopfbahnhofs ebenerdig und barrierefrei ihre Anschlüsse erreichen können. Dies gilt für Stuttgart 21 ebenso wie für Ihren Kompromissvorschlag.
Deshalb möchte ich Sie eindringlich bitten, das Wohl Ihrer und meiner Altersgenossen, das Wohl der Behinderten und Gebrechlichen, sowie das Allgemeinwohl zu beachten und allen Vorschlägen zur Demontage eines funktions- und zukunftsfähigen, überaus exzellenten Kopfbahnhofs in Stuttgart, auch Ihrem eigenen Kompromissvorschlag eine endgültige Absage zu erteilen.«
Das Besondere an dem Brief: Verfasst hat ihn Prof. Dr. Jürgen Rochlitz in seiner Funktion als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des BBU. Gleichzeitig ist Rochlitz auch ehemaliger Bundestagsabgeordneter und hat in dieser Funktion Heiner Geißler angeschrieben: Geißler ist ebenfalls ehemaliger Bundestagsabgeordneter. Und so schreibt Rochlitz -im Namen des BBU- einleitend:
»Sehr geehrter Herr Kollege,
zunächst möchte ich Ihnen danken für Ihren Einsatz um eine gerechte Behandlung des hochkomplexen Projektes Stuttgart 21. Allerdings möchte ich Ihnen einen bisher bei Ihrer Schlichtung zu S 21 überhaupt nicht behandelten Aspekt unterbreiten, der Sie veranlassen sollte, das Projekt S 21 nicht nur zu ca. 50% - wie neuerdings durch Ihren Kompromissvorschlag geschehen – sondern zu 100% als ungeeignet zu betrachten. Vielleicht fahren Sie ja, da auch nicht mehr im Bundestag und weniger im politischen Geschäft, etwas weniger mit der DB AG und ihren Tochterunternehmen. Sonst wäre Ihnen sicher aufgefallen, wie beinahe flächendeckend, besonders stark ausgeprägt im Osten Deutschlands, in den Bahnhöfen Rolltreppen in beiden Richtungen und/oder Fahrstühle fehlen. Selbst Bahnhöfe mit IC- und ICE-Anschluss wie Dresden, Magdeburg, Stendal, Bitterfeld, Wolfsburg und Marburg (um nur die mir selbst bekannten Fälle zu erwähnen) gehören zu den Defizitfällen. Vielleicht sollten Sie sich von der DB AG eine vollständige Liste dieser unterversorgten Bahnhöfe übermitteln lassen.«
Abschließend betonen BBU und Prof. Dr. Rochlitz: Die »vorzeitige Aufgabe eines Projekts bedeutet zwar zusätzliche Kosten. Man muss sich aber nur klar machen, dass die Weiterführung noch mehr Kosten mit sich bringt, wahrscheinlich mit erheblichen Kostensteigerungen wegen der Missachtung der neu gewonnenen Erkenntnisse. So war es immerhin auch bei Kalkar und bei der in Wackersdorf geplanten Wiederaufbereitungsanlage. Ich wünsche Ihnen noch mehr Mut zur radikalen Kehrtwende.«
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Kommentare
Der ach so bequeme barrierefreie Umweg entspricht etwa der Strecke von der Großen Schalterhalle bis zum Schlossplatz.
6 Rolltreppen führen zur S-Bahn 4 befinden sich in der Großen Schalterhalle und 2 im Mittelausgang.
Ein Rollifahrer oder Gehbehinderter muss von der Großen Schalterhalle aus einen Umweg von gut 350 m auf sich nehmen, um barrierefrei zu Gleis 16 zu gelangen. Was sollte daran bequem sein?
Jeder Rollifahrer, Eltern mit Kindern u.a. würden sich da über einen Aufzug freuen.
Auch bei S21 kann man einfach die Treppe nehmen, wie man das ja jetzt auch schon muss, wenn man z.B. von der Schalterhalle zu den Gleisen will.
Die Rolltreppen die Sie meinen sind hinunter zur S-Bahn und nicht im Bahnhof. Sollte S21 kommen, geht eben nichts mehr ohne Aufzug und Rolltreppen. Jetzt können Sie noch bequem ohne Stufen zu jedem Gleis. Bitte erst nachdenken bevor sie schreiben lieber Hans König
Wie verträgt sich das denn überhaupt mit dem Denkmalsschutz?
Mir sind keine Bahnhöfe bekannt, in denen keine Treppen überwunden werden müssen. Selbst in kleineren Städten mit 2-gleisigem Bahnhof muss immer eine Unterführung durchquert werden - und viel tiefer wird S21 mW. auch nicht sein.
However - S21-Gegner: steht es endlich ein, so ein Kopfbahnhof ist - mitten auf einer zukünftigen Europa-Magistrale - einfach nur Blödsinn. Ich sehe da nur 2 Alternativen:
* normalen Bahnhof bauen - der alte muss trotzdem weg, da 90°-Drehung erforderlich und dann alles planieren, was dem Gleisbau im Wege steht (Häuser, Straßen, Parks). Dazu wären bei uns noch ein paar Gesetzesänderun gen erforderlich, da sicherlich nicht jeder freiwillig umzieht - die Chinesen wissen wie's geht ;-)
* Stuttgart einfach links liegen lassen - wer mal etwas schnelleres als den RE erleben möchte, muss halt vorher noch einen Abstecher nach Ulm unternehmen (per Regionalexpress ) - dauert halt ein bisschen…
Denken Sie bitte auch an "normale" Reisende mit Gepäck, reisende Fahrradfahrer und Eltern mit Kinderwägen,
Die Planung S21 sieht vor, dass an der mittleren Rolltreppe (Quersteg B) ein Abstand zur Bahnsteigkante von 2,04 m vorhanden ist. Abzüglich des Sicherheitsbere ichs von 0.8 m ab, bleibt eine Verkehrsweg von 1,24 m.
Mehr zu dem geplanten Engpass http://engpass21.de