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Rot-rote Bildungspolitik: Kein Geld für kleine Klassen – Schulen dicht | Drucken |  E-Mail
Berlin
Samstag, den 19. Januar 2008 um 12:08 Uhr
Fernab aller Sonntagsreden zeigen Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner und die Berliner Senatskoalition aus SPD und Die Linke wieder einmal das wahre Gesicht ihrer Bildungspolitik. Inmitten der aufgeregten Debatte um Jugendkriminalität und Gewalt wurde bekannt, dass der Senat zwei Schulen in Berlin-Mitte schließen will, die für ihre Integrationsarbeit mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurden. Begründung für die Schließungen: zu kleine Klassen.

Der Direktor der Willy-Brandt-Schule im Wedding, Wilfried Kauert, kann diese Entscheidung nicht nachvollziehen-: "Ob Pisa- oder sonstige Studien: Jeder weiß, dass kleine Klassen Lern-Erfolg bringen. Aber unsere Schüler sollen jetzt die große Reuter-Schule auffüllen," sagte er dem "Berliner Kurier". 91 Prozent seiner Schüler sind nichtdeutscher Herkunft, deshalb stehen Sprachförderung und Berufsorientierung an erster Stelle. Es gibt ein preisgekröntes Integrationsprojekt für Sinti- und Roma-Kinder. 13 Prozent der Kinder aus der Gesamtschule im Krisen-Kiez bekommen nach der vierten Klasse eine Gymnasialempfehlung.

Stadträtin Dagmar Hänisch (SPD) aber darf Schulen mit drei Klassen pro Jahrgang aus Kostengründen nicht mehr zulassen, deshalb soll für die Willy-Brandt-Schule und die Berolinaschule ab 2009 Schluss sein. Direktor Kauert: "Bildung kostet Geld. Wer es hier nicht ausgibt, muss es in Gefängnisse oder Hartz IV investieren."

Auf ihrer Homepage stellt sich die Willy-Brandt-Schule stolz mit ihrem Schwerpunkt, dem zweisprachigen Unterricht vor. So können Leistungsstarke in der 7. und 8. Klasse eine erhöhte Stundenzahl Englisch belegen und in der 9. und 10. als Wahlmöglichkeit zweisprachige Kurse in Erdkunde, Geschichte und Sozialkunde belegen. Für die zahlreichen Kinder aus Migrantenfamilie wird Deutsch als Zweitsprache angeboten.

Die Ganztagsschule verfügt über eine Mensa, in der Frühstück, Mittagessen und Snacks angeboten werden und einen nachmittags geöffneten Freizeitbereich mit Billard, Kicker, Tischtennis und Café sowie Hausaufgabenbetreuung. An den Nachmittagen treffen sich Arbeitsgemeinschaften zu Theater, Sport, Musik und anderen Themen. Berufsorientierende Projekte und Bewerbungstraining sollen die späteren Berufschancen der Schülerinnen und Schüler verbessen. Und schließlich wird in einem Internetcafé und mit 60 Computern für den Einsatz in allen Fachbereichen der Umgang mit den moderenen Medien gelehrt.

Ob in den ab 2009 leerstehenden Gebäuden passenderweise eine Jugendstrafanstalt eingerichtet werden soll, wurde vom Senat nicht mitgeteilt: Von der Bildungsbehörde gab es keine Pressemitteilung. Auch die mitregierende Linke kommentiert die bevorstehende Schließung der Gesamtschule nicht - statt dessen feiert sie die Änderung des Berliner Schulgesetzes, durch die das Wahlversprechen einer "Gemeinschaftsschule" als Pilotprojekt eingeführt werden soll.

Quellen: Berliner Kurier, Linksfraktion Berlin, Willy-Brandt-Schule / RedGlobe
 

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