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Griechische Botschaft in Berlin besetzt | Drucken |  E-Mail
Berlin
Montag, den 08. Dezember 2008 um 14:15 Uhr
Zwischen 15 und 30 Personen halten gegenwärtig die Räume der Konsularabteilung der griechischen Botschaft am Berliner Wittenbergplatz besetzt. »Wenn die Bullen unsere Kinder töten, wird Widerstand zur Pflicht«, heisst es in einer Erklärung der Besetzerinnen und Besetzer, die in dem alternativen Informationsportal Indymedias veröffentlicht wurde. Sie protestieren gegen den Tod eines 16-jährigen Jugendlichen, der am Samstagabend in Athen von einem Polizisten erschossen wurde - gezielt, wie Augenzeugen ausgesagt haben. Nach Polizeiangaben wird die Gruppe bislang vom Botschaftspersonal geduldet. Aus dem Gebäude am Wittenbergplatz wurde den Angaben zufolge ein Transparent gehängt, auf dem dem griechischem Staat die Schuld am Tod des Jugendlichen gegeben wird. Die Polizei beobachtet das Geschehen, griff aber bislang nicht ein. Für 13 Uhr ist eine Kundgebung vor dem besetzten Gebäude angekündigt. Auch in anderen deutschen Städten kam es zu Protestaktionen. So wurde das griechische Konsulat in Köln in der vergangenen Nacht mit roten Farbeiern beworfen.

Unter der Überschrift »Der griechische Staat mordet kaltblütig« schreiben die Besetzerinnen und Besetzer der griechischen Botschaft, die sich Medienberichten zufolge im Eingangsbereich aufhalten: »Heute, am 8.12. 2008 besetzten wir das griechische Konsulat in Berlin aus Protest gegen den griechischen Staat, der für den kaltblütigen Mord an Alexadros Grigoropoulos verantwortlich ist. Am frühen Abend des 6.12.08 wurde der 16 jährige Schüler Alexandros kaltblütig von einem Polizisten im Zentrum von Athen erschossen. Zeugenaussagen zufolge wurde die Polizei von einer kleinen Gruppe Jugendlicher provoziert.

Zunächst verließen die Beamten den Schauplatz, zwei von ihnen kehrten jedoch nach wenigen Minuten zurück. In der aufgeheizten Atmosphäre zog einer der Polizisten seine Waffe und feuerte zwei Schüsse ab, wobei einer der Kugeln den Schüler aus geringer Entfernung in den Brustraum traf. Alexandros starb auf dem Weg ins Krankenhaus. Aufgebrachte BürgerInnen versperrten der Polizei den Zutritt ins Krankenhaus. Im Laufe der Nacht und am folgenden Tag entstanden in Athen sowie in mehreren griechischen Städten spontane Grossdemonstrationen, denen mit starkem Polizeisaufgebot begegnet wurde.

In ganz Griechenland herrscht derzeit durch alle Bevölkerungsschichten hindurch große Empörung. Das Land befindet sich in Aufruhr. Viele DemonstrantInnen wurden verhaftet. In Thessaloniki schoss die Polizei mit Plastikgeschossen in die Menge, wobei ein Demonstrant verletzt wurde. In diesem Augenblick werden Universitäten besetzt, die Situation gerät außer Kontrolle. Auch im Ausland wird Empörung laut.«

Die Aktivisten erinnern auch an frühere Vorkommnisse: »1985 der Mord an dem 15-jährigen Michailis Kaltezas während einer Gedächtnisveranstaltung gegen die Militärjunta. 2003 wurde H. Maragkakis auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle in den Kopf geschossen. 2008 in Lefkimi der Tod einer 42-jährigen schwangeren Passantin während einer Demonstration. Die verantwortlichen Polizisten werden in der Regel in solchen Fällen freigesprochen und bleiben unbehelligt. Unschuldige Opfer des Staatsterrors: Verprügeln von MigrantInnen, Vergewaltigungen auf Polizeistationen, gewaltsame Verhinderung von Demonstrationen, 'versehentliche' Querschüsse. Ein gut funktionierendes Unterdrückungssystem, dass sich gegen uns alle richtet und mit dem wir in jeder Strasse, jeder Stadt und jedem Land konfrontiert werden.«

Die BesetzerInnen sehen die Vorgänge in Griechenland nicht isoliert: »Das Gesicht der Staatsgewalt ist allen Ländern ähnlich: Wir erinnern uns an den Migranten Oury Jalloh, der am 7.Januar 2005 in der Dessauer Polizeigewahrsam verbrannte! Die Willkür und Macht der Polizei wächst wie eine Welle, wir stellen uns dagegen. Wenn die Bullen unsere Kinder toeten, wird Widerstand zur Pflicht.«

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