| Sozialistische Politiker fordern Ehrung für Rosa Luxemburg | | Drucken | |
| Berlin |
| Sonntag, den 31. Mai 2009 um 16:37 Uhr |
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Große Aufregung im Berliner, deutschen und internationalen Blätterwald. Der Chef der Berliner Rechtsmedizin, Michael Tsokos, vermutet, dass sich im Fundus der Rechtsmedizin an der Berliner Charité möglicherweise seit vielen Jahrzehnten der Leichnam der am 15. Januar 1919 ermordeten Revolutionärin und Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD), Rosa Luxemburg, befindet. Er vermutet, dass es sich bei einer »unbekannten Wasserleiche ohne Kopf, Hände und Füße« um die sterblichen Überreste der Kommunistin handele.
Sicherheit über die Identität der Leiche könne nur ein DNA-Vergleichstest bringen, sagte der Gerichtsmediziner Tsokos. Die DNA des Körpers in der Charité liege vor, es fehle nur an Material, das eindeutig Luxemburg zugeordnet werden könne. Tsokos bezweifelt weiter, dass die wahre Rosa Luxemburg jemals begraben wurde. Er untermauert diesen Verdacht mit zahlreichen Ungereimtheiten in dem historischen Protokoll der Obduktion Luxemburgs vom Juni 1919. Tsokos´ Vorgänger hatten damals einen Leichnam untersucht, der zwar am 13. Juni 1919 als Rosa Luxemburg auf dem Friedhof Berlin-Friedrichsfelde bestattet wurde, nach Ansicht von Tsokos aber in wesentlichen Punkten nicht mit den anatomischen Merkmalen der Sozialistin übereinstimmt. Rosa Luxemburg und ihr Kampfgefährte Karl Liebknecht waren am 15. Januar 1919 von Soldaten der Garde-Kavallerie-Schützen-Division ermordet worden. Die politische Verantwortung für das Verbrechen trugen der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert und sein Reichswehrminister Gustav Noske. So notierte Waldemar Pabst, der als Kommandeur den Doppelmord befohlen hatte, in seinen Memoiren: »Daß ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.« Die stellvertretende DKP-Vorsitzende Nina Hager betonte gegenüber RedGlobe, die neuen Entwicklungen änderten nichts an der historischen Bewertung des Verbrechens, sondern zeigten nur noch noch einmal, wie perfide der Mord an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht damals geplant und durchgeführt worden sei und durch eine Manipulation der gerichtsmedizinischen Untersuchungen vertuscht werden sollte. »Wenn es sich bestätigt, dass es sich bei dem Leichnam wirklich um den Rosa Luxemburgs handelt, dann sollte dies Anlaß für die gesamte Linke, die sich in der Tradition Rosa Luxemburgs sieht, sein, ihr in einer würdigen Manifestation zu gedenken«, so Hager. Insbesondere sei dies auch Grund genug, um im kommenden Januar mit einer noch machtvolleren Luxemburg-Liebknecht-Demonstration zur Gedenkstätte der Sozialisten zu ziehen. Die Spitzenpolitiker der Partei »Die Linke«, Lothar Bisky, Oskar Lafonatine und Gregors Gysi, haben in einer gemeinsamen Erklärung eine umfassende Aufklärung der mutmaßlichen Manipulationen während der gerichtsmedizinischen Untersuchung gefordert: »Wenn diese Informationen bestätigt werden, handelte es sich um ein zusätzliches verruchtes und verbrecherisches Vorgehen von Reichswehr, Gerichtsmedizin, Staatsanwaltschaft unter Verantwortung des sozialdemokratischen Reichswehrministers Noske. Wir verlangen eine vollständige Aufklärung unter Verantwortung des Bundespräsidenten und der Bundesregierung. Die gesamte Bevölkerung hat darauf Anspruch, da die 1919 mit Karl Liebknecht ermordete Rosa Luxemburg eine herausragende Persönlichkeit der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung war. Nach der Klärung des Sachverhalts wird ggf. die Frage ihrer würdigen Beerdigung in ihrer bisherigen Grabstelle zu klären und zu entscheiden sein.« Die Bundessprecherin der trotzkistischen »Sozialistischen Alternative« (SAV), Lucy Redler, nannte die Entdeckung eine »Ironie der Geschichte«. Dass Rosa Luxemburgs Leichnam »mitten in der tiefsten Krise des Kapitalismus seit 80 Jahren« entdeckt wurde, »scheint eine Bestätigung ihres berühmten Ausspruchs 'Ich war, ich bin, ich werde sein!' (zu sein) und sollte zur Anklage des immer noch herrschenden kapitalistischen Systems genutzt werden«. Auch Redler fordert eine ehrenhafte Beerdigung für Rosa Luxemburg. Diese dürfen jedoch nicht durch diejenigen in Bundesregierung und Berliner Senat durchgeführt werden, »die in der Tradition derjenigen politischen Kräfte stehen, die die politische Verantwortung für die Ermordung Rosas tragen. Sie muss unabhängig, aber auf Staatskosten, von den Gewerkschaften, der Partei Die Linke und anderen sozialistischen und linken Organisationen gestaltet werden.« Neuere Artikel:
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