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Der sozialdemokratische Bürgermeister Olaf Scholz lädt am heutigen Freitag zum traditionellen Matthiae-Mahl, einem Festessen, ins Hamburger Rathaus ein. Ein Hamburger Bündnis aus attac, Die Linke., Echte Demokratie Jetzt, Avanti – Projekt undogmatische Linke und empörten BürgerInnen, protestiert am gleichen Tag ab 17 Uhr auf dem Jungfernstieg, Höhe Reesendammbrücke, gegen diese Hofierung der »Eliten« aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft auf Kosten der Allgemeinheit und solidarisiert sich mit denjenigen, die sich momentan in Griechenland gegen die Troika-Politik wehren. »Wir wenden uns gegen die Ausrichtung eines Festmahls ausgerechnet zu Ehren der wohlhabenden Bürger dieser Stadt und insbesondere gegen die Einladung der Ehrengäste. Diese haben daran mitgewirkt, dass die Ursachen der Finanzkrise nicht beseitigt wurden. Im Gegenteil, sie haben die Eurokrise mit ausgelöst. Außerdem stehen sie für eine brutale Sparpolitik, die in Griechenland mit massiven Kürzungen der Einkommen durchgesetzt wird" so Marie Vernhes aus dem Vorbereitungs-Bündnis.«
Ehrengäste sind in diesem Jahr der Präsident der Europäischen Kommission, José Manuel Barroso, sowie Jürgen Fitschen, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bank AG.
»Mit den rund 88.000 Euro, die das Matthiae-Mahl für 400 Gäste kostet, könnten knapp 30.000 Kinder eine kostenlose warme Mahlzeit bekommen. Mehr als gar nichts in einer Stadt mit den meisten Millionären Europas, in der zugleich 23 Prozent der Kinder in Armut leben«, so Ljana Zár vom Bündnis.
Mit der Kundgebung gegen die Durchführung des Matthiae-Mahls solidarisiert sich das Bündnis mit den Menschen, die in Griechenland gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen kämpfen. Die Kundgebung ist zugleich der Hamburger Auftakt für die im Frühjahr geplante Großaktion in Frankfurt gegen die Politik der EU-Troika und gegen die kapitalistische Ausplünderung Europas und der ganzen Welt.
Die Hamburger Linkspartei rechnet vor, dass für die Schlemmerei pro Person 231 Euro ausgegeben werden. Zum 656. Matthiae-sind rund 380 Gäste eingeladen. Die Kosten im letzten Jahr beliefen sich auf 87.762,87 Euro. Die Linke kritisiert: »Obwohl das Matthiae-Mahl in Einklang mit der Tradition in schwierigen Zeiten ausgesetzt werden kann, sieht auch der SPD-Senat dafür keine Veranlassung. Genauso wenig möchte der Senat das Festmahl für die zahlungskräftigen Gäste durch Eintrittspreise finanzieren oder die Gästeliste um Arme und Obdachlose ergänzen.« Hartz IV-EmpfängerInnen müssen sich gegenwärtig mit 4,43 Euro den ganzen Tag verpflegen, Gefangene mit 3,10 Euro (Stand 2010), wovon 0,87 Euro für das Abendessen vorgesehen sind.
Cansu Özdemir, sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Hamburger Bürgerschaft, erklärt dazu: »Angesichts der wachsenden sozialen Spaltung, der hohen Obdachlosigkeit, der wachsenden Wohnungsnot und Armut in der Stadt ist es politisch nicht tragbar, dass der Senat öffentliche Gelder für ein Luxus-Festmahl verschwendet. Die teure Elitenspeisung sollte nicht von den Steuerzahlern, sondern von den zahlungskräftigen Gästen finanziert werden.«
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