Freitag, 30. Januar 2015

Bericht des kubanischen Fernsehens über ZunZuneoBericht des kubanischen Fernsehens über ZunZuneoZwischen 2009 und 2012 haben die USA insgeheim und illegal einen Internetdienst nach der Art von Twitter gegen Kuba eingesetzt. Darüber berichtete gestern die Nachrichtenagentur AP. Der Name dieses Geheimprojekts lautete ZunZuneo, was umgangssprachlich das Zwitschern kubanischer Kolibris meint. Dahinter steckte die aus Bundesmitteln finanzierte »Internationale US-Entwicklungsagentur« (USAID), doch deren Beteiligung sollte um jeden Preis verschleiert werden. In den entsprechenden Verträgen, etwa mit dem Dienstleister Mobile Accord, wurde ausdrücklich festgelegt, dass die Beteiligung der US-Administration nicht erwähnt werden durfte. Betrieben wurde der Dienst von Zentralamerika aus durch Informatiker, die von dem Unternehmen Creative Associates International, das durch US-Regierungsaufträge Hunderte Millionen Dollar verdient hat, beauftragt wurden.

 

Entscheidend für den Betrieb des Dienstes, durch den die Nutzer zunächst harmlose Kurzmitteilungen auf ihre Mobiltelefone geschickt bekamen – etwa Sportergebnisse und Wetterinformationen –, war die Verfügung über die Kundendaten von Cubacel, dem Handydienst der kubanischen Telekommunikationsgesellschaft ETECSA. Wie die Betreiber von ZunZuneo an diese Daten gekommen sind, ist nicht bekannt. Klar dürfte aber sein, dass sie sich die Telefonnummern auf illegalem Weg beschafft haben.

1,6 Millionen Dollar sollen die Schlapphüte für ihr Projekt aufgewendet haben. Der Plan war, den Dienst vor allem kubanischen Jugendlichen zunächst ganz »unpolitisch« mit dem Einstreuen von Meldungen über Musik, Sport und Wetternachrichten schmackhaft zu machen. Dann sollte zur zweiten Phase übergegangen und die User gegen die kubanische Regierung aufgehjetzt werden. Doch dazu kam es nicht mehr. Die USAID hatte nämlich den festgesetzten Etat für das Projekt aufgebraucht und vergessen, die Folgefinanzierung abzusichern. Projekt pleite und abgeschaltet.

Die kubanische Tageszeitung »Granma« wertete den Bericht von AP als »Bestätigung der Vorwürfe«, die Präsident Raúl Castro bereits am 1. Januar zum 55. Jahrestag der Kubanischen Revolution erhoben hatte. Er hatte Washington beschuldigt, sich an junge Kubaner heranmachen zu wollen, um unter diesen mit subtilen Methoden Propaganda für die Restauration des Kapitalismus zu verbreiten. Kubanische Medien weisen deshalb darauf hin, dass ZunZuneo nur einer von zahlreichen US-Versuchen zur Destabilisierung des Landes war. Längst gibt es Nachfolgeprogramme. So stellte am 13. Juni 2013 Carlos García Pérez, der Direktor der Behörde für Rundfunkpropaganda gegen Kuba, dem »U.S. Office of Cuban Broadcasting« (OCB), im Kongresss neue Strategien gegen die kubanische Führung vor. Teil dieser neuen Offensive ist eine Plattform mit dem Namen »Piramideo«. Auf seiner nicht in den USA, sondern in Spanien angemeldeten Homepage stellt sich der seit dem 14. Juni 2013 in Kuba verbreitete Dienst als »soziales Netzwerk« ähnlich wie Facebook oder Twitter vor. Einmal bei einer kostenlose Nummer in Spanien registriert, kann ein Teilnehmer über sein normales Mobiltelefon mit einer einzigen Verbindung eine nahezu unbegrenzte Anzahl von Empfängern erreichen. Über »Piramideo« lassen sich beliebig viele Gruppen einrichten, deren Mitglieder alle die gleiche Nachricht erhalten. Mit einer einzigen SMS können so Hunderte Menschen erreicht und mobilisiert werden. Für die US-Regierung ein wichtiger Schritt, um einem »arabischen Frühling« auf Kuba näher zu kommen.

In einer offiziellen Stellungnahme erklärte das kubanische Außenministerium zu den jüngsten Enthüllungen: »Es zeigt sich einmal mehr, dass die Regierung der Vereinigten Staaten ihre subversiven Pläne gegen Kuba nicht aufgegeben hat, deren Ziel es ist, eine Destabilisierung im Land zu erreichen, um Veränderungen unserer politischen Ordnung zu provozieren. Dafür werden weiter mehrere Millionen jährlich investiert. Die Regierung der Vereinigten Staaten muss das internationale Recht sowie die Inhalte und Prinzipien der Charta der Vereinten Nationen beachten und deshalb ihre illegalen und verdeckten Aktionen gegen Kuba einstellen, die vom kubanischen Volk und der internationalen öffentlichen Meinung abgelehnt werden.«

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