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Vor 70 Jahren: Die erste Deportation | Drucken |  E-Mail
Deutsche Geschichte
Freitag, den 12. Februar 2010 um 01:00 Uhr

Gedenken an DeportationDer 13. Februar, der seit Jahren von Neonazis für ihre Aufmärsche missbraucht wird, ist nicht  nur der Jahrestag der Bombardierung Dresdens. Der 13. Februar ist zugleich auch der  Jahrestag der ersten Deportation von Jüdinnen und Juden aus Deutschland: Am 13. Februar 1940 wurden aus dem Regierungsbezirk Stettin, zu dem damals auch Vorpommern gehörte, mehr als 1.200 Juden abtransportiert, von denen kaum jemand die Shoa überlebt hat.

Vollzogen wurde die Deportation an Menschen aus dem  Regierungsbezirk Stettin. Unter den Betroffenen befanden sich vier namentlich bekannte Personen aus Greifswald: Else Burchard, Georg und Friederike Feldmann und Elise Rosenberg. Von einer fünften  Greifswalder Person ist nur das Geschlecht bekannt „Frl.“, ihr Name – am Ende der Deportiertenliste stehend – ist unwiederbringlich zerstört. Insgesamt wurden nachweislich 1.120 Menschen aus dem Stettiner Regierungsbezirk deportiert, darunter vier Schwangere, die ihre Kinder am Deportationsort zur Welt brachten.

Die meisten Betroffenen gehörten zur älteren und alten Generation.  Nach bisheriger Kenntnis überlebten nur 19 Personen dieser Deportierten den Zweiten Weltkrieg. Über 70 der Verschleppten starben schon während oder infolge des viertägigen Transportes in die Region um Lublin. Viele andere starben unter unmenschlichen Bedingungen in den polnischen Deportationsorten Piaski, Głusk und Bełzice. Mehr als die Hälfte wurden schließlich 1942/43 in den Vernichtungsstätten Bełzec, Sobibór und Majdanek umgebracht.

Das 1940 völlig neuartige Geschehen wurde international beobachtet. Es blieb auch den deutschen Nachbarn nicht verborgen. Trotzdem ist dieses schockierende Geschehen in der Region heute nahezu vergessen. 2008 wurden in Greifswald elf Stolpersteine zum Gedenken an die ausgegrenzten, gebrandmarkten, verschwundenen, beseitigten jüdischen Mitbürger dieser Stadt verlegt. Drei der Stolpersteine erinnern an Betroffene der Deportation vom 13. Februar 1940.

Anlässlich des 70. Jahrestages dieser Deportation am 13. Februar 2010 lädt der Arbeitkreis Kirche & Judentum zu einem Gedenken ein. Wir wollen zu den Wohnorten verfolgter und deportierter Juden, die teilweise mit Stolpersteinen markiert sind, eine Gedenkwanderung unternehmen. Wir beginnen um 10.30 Uhr am Stolperstein auf dem Universitätshof vor dem Eingang des Historischen Institutes.

 

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