Donnerstag, 27. August 2015

Port-au-Prince nach dem ErdbebenVor zwei Tagen, um fast 18 Uhr kubanischer Zeit, als in Haiti wegen seiner geographischen Lage schon Nacht herrschte, begannen die Fernsehsender Nachrichten zu verbreiten, ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 7,3 auf der Richter-Skala habe Port-au-Prince schwer getroffen. Das Beben sei in einer tektonischen Spalte im Meer, nur 15 Kilometer von der haitianischen Hauptstadt entfernt entstanden, einer Stadt, in der 80 Prozent der Bevölkerung in wackeligen Hütten aus Lehm und Ziegeln haust.

Die Nachrichten trafen stundenlang fast ohne Unterbrechung ein. Es gab keine Bilder, aber es wurde gesagt, daß viele öffentliche Gebäude, Krankenhäuser, Schulen und stabiler errichtete Gebäude zusammengebrochen seien. Ich habe gelesen, daß ein Erdbeben der Stärke 7,3 der Energie entspricht, die durch die Explosion von 400.000 Tonnen TNT freigesetzt wird.


Tragische Berichte wurden gesendet. Die Verletzten auf den Straßen schrien nach medizinischer Hilfe, umgeben von Ruinen, in denen Familien verschüttet waren. Aber niemand konnte über Stunden hinweg irgendwelche Bilder senden.

Die Nachricht überraschte uns alle. Wie viele haben wir häufig Informationen über Wirbelstürme und große Überschwemmungen in Haiti gehört, aber wir wußten nicht, daß im Nachbarland auch das Risiko eines großen Erdbebens bestand. Nun kam ans Licht, daß es vor 200 Jahren ein großes Erdbeben in dieser Stadt gegeben hat, die damals wenige tausend Einwohner gehabt haben dürfte.

Um 12 Uhr nachts nannte man noch keine geschätzte Opferzahlen. Hohe Funktionäre der Vereinten Nationen und verschiedene Regierungschefs sprachen von bewegenden Ereignissen und kündigten die Entsendung von Hilfsbrigaden an. Da dort UN-Truppen der MINUSTAH aus verschiedenen Ländern stationiert sind sprachen einige Verteidigungsminister von möglichen Verlusten unter ihrem Personal.

Tatsächlich war es am Mittwoch morgen, als traurige Nachrichten über riesige Verluste an Menschenleben unter der Bevölkerung gegeben hat, und sogar Institutionen wie die Vereinten Nationen erklärten, daß einige ihrer Gebäude in diesem Land zusammengebrochen seien, was für sich nichts aussagt oder alles bedeuten kann.

Über Stunden trafen ununterbrochen immer traumatischere Nachrichten über die Lage in diesem Bruderland ein. Opferzahlen wurden genannt, die, je nach Version, zwischen 30.000 und 100.000 schwankten. Die Bilder sind trostlos, es ist offensichtlich, daß das verheerende Ereignis weltweite Verbreitung gefunden hat, und viele ehrlich erschütterte Regierungen unternehmen Anstrengungen zur Zusammenarbeit entsprechend ihrer Möglichkeiten.

Die Tragödie erschüttert viele Menschen guten Glaubens, besonders jene natürlichen Charakters. Aber vielleicht sind es nur Wenige, die daran denken, warum Haiti ein so armes Land ist. Warum hängt seine Bevölkerung zu fast 50 Prozent von den Überweisungen ab, die sie von Familienangehörigen im Ausland erhalten?  Warum wird nicht auch die Realität analysiert, die zu der gegenwärtigen Lage Haitis und seinem großen Leiden geführt hat?

Das Interessanteste an dieser Geschichte ist, daß niemand ein Wort darüber verliert, daß Haiti das erste Land war, in dem sich 400.000 versklavte und von den Europäern verschleppte Afrikaner gegen 30.000 weiße Besitzer der Zuckerrohr- und Kaffeeplantagen erhoben und so die erste große soziale Revolution in unserer Hemisphäre durchführten. Dort wurden Seiten unübertreffbaren Ruhms geschrieben. Der berühmteste General Napoleons wurde geschlagen. Haiti ist ein reines Produkt des Kolonialismus und Imperialismus, von mehr als einem Jahrhundert Ausbeutung seiner Menschen durch härteste Arbeiten, von Militärinterventionen und der Entziehung seiner Reichtümer.

Dieses historische Vergessen wäre nicht so schwerwiegend wie die reale Tatsache, daß Haiti eine Schande unserer Epoche darstellt, in einer Welt, in der die Ausbeutung und Ausplünderung der großen Mehrheit der Bewohner des Planeten vorherrscht.

Milliarden Menschen in Lateinamerika, Afrika und Asien leiden unter ähnlichem Mangel, wenn auch vielleicht nicht zu einem so hohen Anteil wie Haiti.

Situationen wie die in diesem Land sollten nirgendwo auf der Erde herrschen. Aber aufgrund einer der Welt aufgezwungenen ungerechten internationalen politischen und Wirtschaftsordnung  auf der es Zehntausende Städte und Siedlungen in gleicher und manchmal schlimmerer Lage gibt. Die Weltbevölkerung wird nicht nur durch Naturkatastrophen wie in Haiti bedroht, die nur ein schwacher Schatten dessen ist, was dem Planeten durch den Klimawandel geschehen könnte, der in Kopenhagen tatsächlich nur Gegenstand von Witzen, Hohn und Betrugsmanövern war.

Es ist angebracht, allen Länder und Institutionen, die Bürger oder Mitglieder durch die Naturkatastrophe in Haiti verloren haben, zu sagen: Wir haben keinen Zweifel, daß sie jetzt die größten Anstrengungen unternehmen, um Menschenleben zu retten und den Schmerz dieses leidenden Volkes zu lindern. Wir können sie nicht für das Naturphänomen verantwortlich machen, daß sich dort ereignet hat, obwohl wir mit der gegenüber Haiti verfolgten Politik nicht einverstanden sind. Aber ich kann nicht darauf verzichten, die Meinung zu äußern, daß es an der Zeit ist, wirkliche und wahrhaftige Lösungen für dieses Brudervolk zu suchen.

Auf dem Gebiet der Gesundheitsversorgung und in anderen Bereichen hat Kuba, obwohl es ein armes und blockiertes Land ist, seit Jahren mit dem haitianischen Volk zusammengearbeitet. Rund 400 Ärzte und Gesundheitsspezialisten bieten dem haitianischen Volk kostenlos ihre Dienste.  In 227 der 337 Kommunen des Landes arbeiten jeden Tag unsere Ärzte. Andererseits wurden nicht weniger als 400 junge Haitianer in unserem Heimatland als Ärzte ausgebildet. Sie werden jetzt mit der Verstärkung zusammenarbeiten, die gestern nach Haiti gereist ist, um in dieser kritischen Situation Leben zu retten. Ohne besondere Anstrengungen haben sich bis zu 1000 Ärzte und Gesundheitsspezialisten auf den Weg gemacht, die fast alle bereits dort und bereit sind, mit jedem anderen Staat zusammenzuarbeiten, der haitianische Leben retten und Verletzten helfen will.

Eine weitere große Zahl von jungen Haitianern besucht diese Medizinerausbildung in Kuba. Wir arbeiten mit dem haitianischen Volk auch in anderen Bereichen zusammen, die uns zur Verfügung stehen. Aber es wird keine andere würdevolle Kooperation, um es so auszudrücken, geben als den Kampf auf dem Feld der Ideen und der politischen Aktion, um der grenzenlosen Tragödie ein Ende zu setzen, die eine große Zahl von Nationen wie Haiti erleidet.

Die Chefin unserer medizinischen Brigade informierte: »Die Situation ist schwierig, aber wir haben bereits begonnen, Leben zu retten«. Sie tat dies über eine knappe Mitteilung wenige Stunden nachdem sie gemeinsam mit einer Verstärkung zusätzlicher Ärzte in Port-au-Prince angekommen war. Spät in der Nacht setzte sie sich mit den kubanischen Ärzten in den in der Lateinamerikanischen Medizinschule ELAM ausgebildeten und im Land verteilten Haitianern in Verbindung. Allein in Port-au-Prince hatten sie bereits über 1000 Patienten behandelt, ein nicht eingestürztes Krankenhaus in aller Eile in Betrieb genommen und dort, wo es nötig war, Zelte benutzt. Sie bereiteten sich darauf vor, so schnell wie möglich weitere Zentren zur Notfallbehandlung zu erreichten.

Wir fühlen einen sauberen Stolz auf diese Zusammenarbeit die die kubanischen Ärzte und die in Kuba ausgebildeten jungen haitianischen Ärzte in diesen tragischen Tagen ihren Geschwistern in Haiti bieten.

Fidel Castro Ruz
14.Januar 2010
20.25Uhr

 

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