Donnerstag, 5. März 2015
junge Welt
84-S-07.jpg Venezuela: Tausende Gewerkschafter demonstrieren in Caracas ihre Unterstützung für Nicolás Maduro. Sozialistischer Kurs soll fortgesetzt werden.
Aus allen Teilen Venezuelas kamen am Dienstag Arbeiter in die Hauptstadt Caracas, um ihre Unterstützung für den sozialistischen Kandidaten Nicolás Maduro zu demonstrieren. Sie nahmen oftmals mehrere hundert Kilometer Anreise auf sich, um dabeizusein.
»Nicolás Maduro steht für eine Fortsetzung der Wirtschaftspolitik der bisherigen Regierung«, begründete etwa Luís Falcón im Gespräch mit junge Welt seine Reise nach Caracas. Der Arbeiter bei der Corporación Venezolana de Guayana (CVG), die mit der Ausbeutung der Bodenschätze in der Region beschäftigt ist, hob vor allem die Absage an Privatisierungen durch Hugo Chávez seit 1999 hervor. »Das war der Ausgangspunkt für den Wiederaufbau unserer Industrie in Guayana, und seither haben wir wichtige Erfolge erzielt. So konnten wir zugrunde gerichtete Unternehmen wie das Stahlwerk Sidor retten.«
Deshalb würde ein Wahlsieg des Oppositionskandidaten Henrique Capriles Radonski – den Falcón allerdings für »sehr hypothetisch« hält – ein »gewaltiger Rückschritt für ganz Venezuela, nicht nur für Guayana« sein. Reden Capriles’ über soziale Gerechtigkeit oder gar einen »echten Sozialismus« seien reine Demagogie, ebenso wie dessen Entscheidung, seinen Wahlkampfstab »Comando Simón Bolívar« zu nennen: »Bolívar war der Ideengeber unserer Revolution!«
Auch Ginger Martínez, die in einem Telekommunikationsunternehmen in Miranda arbeitet, hat kein gutes Wort für Capriles übrig, der Gouverneur dieses an Caracas grenzenden Bundesstaates ist: »Miranda ist eine der Regionen Venezuelas mit der höchsten Verbrechensrate.« Sie berichtete, wie sie mit Kolleginnen bei einer Werbeaktion auf einem öffentlichen Platz überfallen, verschleppt und mehrere Stunden festgehalten wurde: »Die Polizei von Miranda hat zugesehen und nichts gemacht.« Das habe sich auch andernorts wiederholt. »Für mich ist deshalb offensichtlich, daß Capriles seiner Polizei gesagt hat, daß sie sich nicht um die Sicherheit der einfachen Menschen kümmern soll. Es geht ihm darum, die Arbeit der Zentralregierung zu sabotieren.«
Auch José Rondón vom Vorstand der »Bolivarischen Sozialistischen Arbeiterzentrale für das Sicherheits- und Wachdienstgewerbe« sieht keine Alternative zu Maduro. Die Fortsetzung des revolutionären Prozesses sei für die Bekämpfung der Kriminalität in Venezuela notwendig, so der Gewerkschafter. Ohne soziale Sicherheit könne es auch keine Sicherheit in anderen Lebensbereichen geben. »Deshalb richten wir einen Aufruf an alle Arbeiter, uns zu organisieren und den Kampf um die Sicherheit zu führen – und vom Genossen Maduro fordern wir nur, daß er uns dabei unterstützt.«
Das will dieser offensichtlich tun. Bei seiner Ansprache auf der großen Bühne, die direkt vor dem Präsidentenpalast Miraflores aufgebaut worden war, kündigte Maduro eine Reihe neuer Sozialprogramme an, etwa eine Ausweitung der staatlichen Lebensmittelhandelskette Mercal auf die Fabriken. Die Arbeiter dort sollten sich selbst organisieren, damit in den Werkhallen Verkaufsstellen eingerichtet werden, in denen sie dann subventionierte Grundnahrungsmittel erwerben können. Auch das Gesundheitsprogramm Barrio Adentro soll um eine weitere Säule erweitert und direkt in die Unternehmen gebracht werden. So sollen die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten besser unter gesundheitlichen Aspekten kontrolliert werden. Auch dazu sei eine Organisierung der Belegschaften notwendig, rief der frühere Gewerkschaftsvorsitzende und Busfahrer Maduro den Versammelten zu.
Jubel erntete er, als er für 2013 drei Lohnerhöhungen ankündigte. Zunächst soll es, wie es unter Hugo Chávez zur Tradition geworden ist, am 1. Mai eine Gehaltssteigerung von 20 Prozent geben. Eine weitere Steigerung von zehn Prozent ist für September vorgesehen, und im November soll es schließlich noch einen Inflationsausgleich in Höhe von fünf bis zehn Prozent geben.
Auch deshalb will José Rivero, ein Arbeiter der Erdölindustrie im Orinoco-Gürtel, dem »Camarada Maduro« einen großen Sieg am kommenden Sonntag garantieren. Die Tatsache, daß dann erstmals in der Geschichte Venezuelas ein Arbeiter an der Spitze des Staates stehen würde, »demonstriert unsere partizipative Demokratie«, sagte er jW. »In Venezuela sind wir alle gleich. Doch wenn der Kandidat der Bourgeoisie gewinnen würde, hätten hier nur noch diejenigen das Sagen, die das Geld haben. Die Arbeiter müssen an die Macht!«

Quelle: http://www.jungewelt.de/blogs/entscheidung-in-venezuela/index.php?id=1051

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