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Sozialistische Deutsche Arbeiterjugend

»Militär hat in der Schule nichts zu suchen« | Drucken |  E-Mail
Friedensbewegung
Mittwoch, den 25. April 2012 um 15:05 Uhr

Schulfrei für die BundeswehrIm Zusammenhang mit einem morgen im Schweriner Landtag behandelten Antrag der Grünen zur »Beendigung der Bevorzugung der Bundeswehr in Schulen« betont der Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft-Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK,) Monty Schädel: »Militär hat in der Schule nichts zu suchen.« Nach Schädels Ansicht widerspricht es dem Ziel eines demokratischen Bildungssystems, dass einem System aus Befehl, Gehorsam und  Unterordnung Raum eingeräumt wird. »Während Kindern in allen Bereiches der Erziehung und Bildung demokratisches Miteinander und gewaltfreie Konfliktlösung vermittelt werden soll, wird mit dem Auftritt der Bundeswehr in Schulen dieses Prinzip ad absurdum geführt.«

Der Friedensaktivist betont: »Die Bundeswehr ist ein Militärstruktur, die weltweit in verschiedenen Kriegseinsätzen für den hundertfachen Tod und vielfache Zerstörung Verantwortung trägt. Werbung für Frieden und Demokratie durch Militär ist in Schulen genauso verkehrt wie sie in Afghanistan nicht Zielführend ist.«

Bei der Diskussion um die Bundeswehreinsätze an der Schule geht es der DFG-VK im Gegensatz zu den Grünen allerdings nicht darum, gleichberechtigte Ebenen mit der Bundeswehr in Schulen herzustellen, sondern das Militär der Schule zu verweisen. »Wehrkundeunterricht als die Vermittlung einer Sicht auf die Welt an Kinder durch die Augen des Militärs sollte vergangenen Zeiten angehören.«

Schädel fragt: »Wem nützt eine Landesverfassung in der eine 'Friedensverpflichtung' und 'Gewaltfreiheit' festgelegt sind, wenn in den Schulen Militärs im Kriegseinsatz ihre Ansichten von der Welt verbreiten. Militärs, die zu erst nicht zur gewaltfreien Konfliktlösung ausgebildet sind sondern um Menschen zu töten und in ihren Einsätzen Waffen gebrauchen die nicht Brunnen bohren oder Schulen bauen sondern Häuser und Lebensgrundlagen zerstören.« Die Schule habe der »Friedensverpflichtung« entsprechend den Auftrag, Möglichkeiten zur gewaltfreien Konfliktlösung zu lehren und zu entwickeln. »Mit der 'Macht der Waffe' ist das nicht in Übereinklang zu bringen!«

Der DFG-VK-Bundessprecher fragt nach dem Demokratieverständnis von Bildungsminister Brodkorb, wenn dieser die »Debatte über die Neutralität (…) nicht nachvollziehen (kann)«, da die Bundeswehr »eine staatliche Institution« sei. »Haben denn in dem Verständnis des Bildungsminister staatliche Institutionen immer Recht und sind diese in ihren Aussagen immer neutral?«

Monty Schädel wies die in der Diskussion von Befürwortern des Militärunterrichts  immer wiederkehrende Verleugnung von Rekrutierungsabsichten für die Bundeswehr durch die eingesetzten Jugendoffiziere zurück. »Es gibt mittlerweile Unmengen an Belegen und einschlägige Erfahrungsberichte aus allen Teilen der Bundesrepublik dafür, dass die Jugendoffiziere nicht nur allgemeine Berichte abgeben sondern für den Dienst bei der Bundeswehr werben.« Es sei naiv, wenn Regierungsvertreter in diesem Zusammenhang immer wieder darauf verwiesen, was in der Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr vereinbart worden wäre. Das Handbuch der Bundeswehr für die Jugendoffiziere mit der Anleitung für deren Handeln im öffentlichen Einsatz schreibt ganz klar fest, welche inhaltlichen Aussagen durch die Soldaten zu treffen sind: »Für die Arbeit müssen sie sich immer an politisch Grundsatzaussagen, Analysen und Hintergrundinformationen aus den Bereichen der Sicherheits- und Verteidigungspolitik des BMVg, des SKA [Streitkräfteamt], ihres LdI [Leiter der Informationsarbeit] oder ihres StOffz ÖA [Stabsoffizier Öffentlichkeitsarbeit] halten.«

Das »Deutsche Bündnis Kindersoldaten« aus terre des hommes, Unicef, Kindernothilfe und Missio sagt dazu: »Auch die Bundeswehr ist kein Arbeitgeber wie jeder andere. Dies gilt umso mehr als sich Aufgaben- und Einsatzgebiete der Bundeswehr in den letzten Jahren deutlich gewandelt haben. Wer Zeit- oder Berufssoldat wird, der verpflichtet sich möglicherweise zu Auslandseinsätzen und muss dahin, wo die Vorgesetzten ihn hinschicken – auch nach Afghanistan. Das sind keine kalkulierbaren Abenteuer, sondern Einsätze, die Menschen verändern – oder auch töten. Für diese Transparenz und Offenheit muss der Staat sorgen, wenn er für Minderjährige wirbt und diese als 17-Jährige einstellt.« (Schattenbericht Kindersoldaten 2011)

Die DFG-VK fordert die Abgeordneten des Landtages Mecklenburg-Vorpommern auf dem Treiben des Militärs in den Schulen des Landes ein Ende zusetzen und die Schulen so auszustatten, dass sie auf die angeblich kostenlosen Angebote der Bundeswehr nicht angewiesen sind. Von den Pädagogen erwartet die Friedensorganisation ihre Verantwortung wahrzunehmen und Kinder nicht dem undemokratischen Militärsystem auszusetzen, selbst wenn es im schwierigen Schulablauf manchmal einfacher erscheinen mag durch Soldaten den Unterricht gestalten zu lassen.

Im Weiteren verweist die DFG-VK auf die Informationsseite www.schulfrei-fuer-die-bundeswehr.de auf der die erwähnten Dokumenten wie auch Erfahrungsberichte und weitere Einschätzungen finden kann.

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