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Berlin wird am Wochenende wieder zum Zentrum der Linken. Zehntausende Menschen werden am Sonntag wie jedes Jahr zu den Gräbern von Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und weiteren führenden Repräsentanten der deutschen Arbeiterbewegung ziehen. Bereits am Vortag finden zahlreiche Veranstaltungen statt, so die von der Tageszeitung »junge Welt« organisierte Rosa-Luxemburg-Konferenz in der Urania und am Abend die traditionelle LLL-Veranstaltung der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) am selben Ort.
Die Organisatoren der von einem breiten linken Bündnis organisierten Liebknecht-Luxemburg-Demonstration, die am Sonntag um 10 Uhr vom Frankfurter Tor in Berlin losziehen wird, haben sich in einem offenen Brief an die Teilnehmer und Unterstützer der Aktion gewandt. Darin betonen sie: »Diese Ehrung ist die größte linke Manifestation in der BRD. In Anbetracht der weltweiten Finanz-, Wirtschafts- und Umweltkrise des Kapitalismus, in Anbetracht des weltweit wachsenden Elends, in Anbetracht imperialistischer Kriege die stattfinden oder - siehe die Hysterie Jemen betreffend - vorbereitet werden, in Anbetracht all der täglichen Repressionen, Verbrechen und faschistoiden Entwicklungen, die das Profitsystem kennzeichnen, geht es um eine optimale Mobilisierung für die Luxemburg-Liebknecht-Ehrung. Gleichermaßen geht es um die solide organisatorische Durchführung der Demonstration.«
Mit Blick auf Vorkommnisse in den Vorjahren, wo es durch Provokationen der Polizei zu Störungen kam, fordert die Demoleitung eine straffe Koordination der gesamten Demonstration: »Eventuelle, den Ablauf der Demonstration berührende Vorkommnisse dürfen nicht durch Informationslücken zu unnötiger Unruhe bei den Demo-Teilnehmern führen. Eine solche Unruhe ist zugleich eine ideale Basis für Gerüchte, die schnell zu falschen Reaktionen bzw. zur Desorganisation führen können.«
Am Sonnbend lädt die Tageszeitung »junge Welt« unter dem Titel »Wer nicht alles ändert, ändert gar nichts« gemeinsam mit 25 weiteren Organisationen, Gewerkschaften und Medien zur XV. Rosa-Luxemburg-Konferenz in allen Räumen der Urania in Berlin ein. Beiträge sind unter anderem von Silvia Ayala, Mitglied des Parlamentes in Honduras, und Michel Chossudovsky, Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Toronto angekündigt. Aus der Todeszelle wird im Originalton der Beitrag des Journalisten Mumia Abu-Jamal übertragen, sein Anwalt Robert R. Bryan reist aus den USA zur Konferenz. Weitere Referenten kommen aus Paris, Havanna und Berlin. In der anschließenden Podiumsdiskussion geht es um die Kampfbedingungen der Gewerkschaften im 21. Jahrhundert. Es diskutieren Sabine Leidig, ehemalige Geschäftsführerin von ATTAC, mit Achim Bigus, Betriebsrat von Karmann, Pierre Lévy, Kommunikationswissenschaftler aus Paris, Christina Kaindl, Vertreterin des Aktionsbündnisses »Wir zahlen nicht für eure Krise«, und Renate Licht, Landesvorsitzende des DGB Thüringen. Für kulturelle Beiträge sorgen unter anderen die Berliner Brassband IG Blech, der irische Liedermacher Pól Mac Adaim, der Hans-Beimler-Chor und die Folkpunkband The Pokes. Die Veranstalter erwarten bis zu 2.000 Teilnehmende.
Die Rosa-Luxemburg-Konferenz hat in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt, unter anderem durch ein Grußwort des früheren RAF-Mitglieds Christian Klar. Nach der Einschätzung des ehemaligen BDI-Präsidenten Hans-Olaf Henkel gilt die Konferenz »als wichtigstes Symposium der Neomarxisten«. Auf dem »Neujahrsempfang der deutschen Linken«, wie die Konferenz in Medien oft beschrieben wird, sprachen in den vergangenen Jahren unter anderen Angela Davis, Oskar Lafontaine, Jutta Dithfurt, Domenico Losurdo, Sarah Wagenknecht, Harpal Brar, Elmar Altvater, Tariq Ali, Alfred Hrdlicka und Arnaldo Otegi.
Um 19.30 Uhr beginnt im Stiftssaal der Urania (An der Urania 6) die traditionelle LLL-Veranstaltung der DKP. Neben einer Rede des Parteivorsitzenden Heinz Stehr werden Vertreterinnen und Vertreter aus den Jugendaktionen für bessere Bildung von Schule und Hochschule sprechen. Erwartet wird auch der Generalsekretär der Kommunistischen Partei Spaniens (PCE), José Luis Centella. Umramt wird die Veranstaltung von einem Kulturprogramm mit der Gruppe »Böse Mädchen« aus Berlin sowie Bernd Köhler (Schlauch) und ewo 2 aus Mannheim. Unter dem Motto »Noch Fragen? Entnazifizierung jetzt! Unser Beitrag zum Klimaschutz!« lädt die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes- Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) ebenfalls am Sonnabend zu ihrem 15. Antifaschistischen Jugendtreffen ein. Die von Jugendverbänden wie der SDAJ unterstützte Veranstaltung beginnt um 14 Uhr im Statthaus Böcklerpark, Prinzenstraße 1, in Berlin-Kreuzberg.
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