In Göttingen hat die erste Tagung des dritten Parteitages der Partei Die Linke begonnen. Dort geht es für die einst hoffnungsvoll gestartete Organisation ums politische Überleben. Per Personalentscheidung werden die Delegierten darüber votieren, ob Die Linke zu einem arschkriechenden Wurmfortsatz von SPD und Grünen wird, wofür dann einigen gutdotierte Pöstchen abfallen, oder ob sie sich auf das besinnt, wofür sie gegründet wurde und was sie in ihrem »Erfurter Programm« eigentlich festgeschrieben hat: eine oppositionelle Kraft, die über den Kapitalismus hinausweisende Positionen vertritt. Eine Partei, die bei denen steht, die auf der Strasse und im Betrieb für ihre Interessen eintreten. Es ist zwar nicht die Schuld der Linkspartei, aber doch irgendwie symbolträchtig, dass sich ihre Delegierten in wohlklimatisierten Räumen zum Diskutieren und Abstimmen zusammenfinden, während Tausende in Hamburg gegen Nazis auf der Strasse sind.
»Es gibt inzwischen 73 Kandidatinnen und Kandidaten, die sich für ein Amt im Vorstand bewerben, also als Vorsitzende, Stellvertreter, Geschäftsführer, Schatzmeister und weitere Vorstandsmitglieder«, fasst der scheidende Parteichef Klaus Ernst das Dilemma der Linken vor ihrer Tagung zusammen. Vier Frauen und sechs Männer bewerben sich um die zwei Chefposten, die bislang Ernst und seine - vor einigen Wochen aus privaten Gründen zurückgetretene - Kollegin Gesine Lötzsch inne hatten. Wer das Rennen machen wird, ist völlig offen. Vermutlich dürfte es bei den Männern auf ein Duell zwischen Mainstream-Liebling Dietmar Bartsch und Gewerkschafter Bernd Riexinger hinauslaufen. Oder es gibt eine reine Frauenspitze, wie es die NRW-Landesvorsitzende und Wahlverliererin Katharina Schwabedissen und ihre Ost-Kollegin Katja Kipping favorisieren. Neben ihnen kandidieren auch die Hamburger Linke-Chefin Dora Heyenn sowie Sabine Zimmermann aus Sachsen. Bei den Männern stehen auch noch Bernd Horn aus NRW, Jürgen Stange aus Rheinland-Pfalz, Ralph Böttcher aus Berlin und Werner Klein aus Schleswig-Holstein zur Wahl. Sahra Wagenknecht verzichtet hingegen offenbar auf ein Antreten.
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