Sonntag, 5. Juli 2015

Die Todesstrafe auch im eigenen Land bekämpfen!Weniger Hinrichtungen weltweit und mehr Staaten, die die Todesstrafe nicht vollstrecken – das ist die Bilanz der heute veröffentlichten Zahlen von Amnesty International zur Todesstrafe. Nach Amnesty-Informationen wurden 2010 mindestens 527 Menschen in 23 Ländern hingerichtet und mehr als 2.000 Menschen in 67 Ländern zum Tode verurteilt. 139 Länder haben die menschenverachtende Strafe im Gesetz abgeschafft oder in der Praxis ausgesetzt - zuletzt Gabun und die Mongolei. Die UNO trat erneut mit einer Resolution für einen weltweiten Hinrichtungsstopp ein. 58 Länder halten jedoch an der Todesstrafe fest. »Seit zehn Jahren zeigt sich ein eindeutiger Trend zu einer Welt ohne Todesstrafe. Immer weniger Staaten, die noch an der Todesstrafe festhalten, richten auch tatsächlich Menschen hin«, sagt Oliver Hendrich, Experte zum Thema Todesstrafe bei Amnesty International in Deutschland. »Wer im 21. Jahrhundert noch Menschen hinrichtet oder zum Tode verurteilt, ist international zunehmend isoliert.«



Dramatisch bleibt die Situation in China und im Iran. China hält Angaben zu Todesurteilen und Hinrichtungen weiter geheim, Amnesty schätzt, dass die Zahlen in die Tausende gehen. Neben China vollstreckten Iran (mind. 252), Nordkorea (mind. 60), Jemen (mind. 53), die USA (46) und Saudi-Arabien (mind. 27) die meisten Todesurteile. Weltweit sitzen mehr als 17.000 Menschen in Todeszellen.

Auch Rückschritte waren 2010 zu verzeichnen. Belarus sowie fünf weitere Staaten nahmen im vergangenen Jahr wieder nach einer Unterbrechung Hinrichtungen auf. Belarus ist das einzige Land in Europa, in dem derzeit drei Menschen die Hinrichtung droht. »Auffallend ist außerdem, dass einige Länder verstärkt Todesurteile für Drogenvergehen, Wirtschaftsdelikte, einvernehmliche sexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen oder Gotteslästerung verhängen«, sagte Amnesty-Experte Hendrich. Deutlich häufiger als in den Vorjahren seien Hinrichtungen wegen Drogendelikten beispielsweise in China, Ägypten und Thailand gewesen.

In den USA, dem einzigen Land auf dem amerikanischen Kontinent, das Gefangene hinrichtet, wurden mehr als 110 Todesurteile ausgesprochen. Das entspricht etwa einem Drittel der Todesstrafen, die noch Mitte der 1990er Jahre gefällt wurden. Im März 2011 gab Illinois als 16. US-Bundesstaat die Todesstrafe auf.

Für die Region Asien-Pazifik erhielt Amnesty International keine umfassenden Zahlen für die Anwendung der Todesstrafe in Staaten wie China, Singapur und Vietnam, obwohl bekannt wurde, dass dort Hinrichtungen stattgefunden haben. Verfügbare Informationen bestätigten, dass es mindestens 82 Hinrichtungen in acht Ländern der Region gab: Bangladesch (mind. 9), China (mind. 2), Japan (2), Malaysia (mind. 1), Nordkorea (mind. 60), Singapur (mind. 2), Taiwan (4) und Vietnam (mind. 2). Bei diesen Zahlen handelt es sich um unterste Schätzwerte, da nur wenige offizielle Zahlen über den Gebrauch der Todesstrafe von Regierungen veröffentlicht wurden. Amnesty schätzt, dass die Zahl der Menschen, die in China hingerichtet wurden, in die Tausende geht.

Nach dem ersten hinrichtungsfreien Jahr in Europa und Zentralasien 2009 exekutierte Belarus im März 2010 wieder zwei Gefangene und verurteilte drei weitere Menschen zum Tode.

In Nahost und Nordafrika wurden für das Jahr 2010 insgesamt weniger Todesurteile und Exekutionen verzeichnet. Wurde die Todesstrafe angewandt, so geschah dies jedoch oft nach unfairen Prozessen und für Delikte wie Drogenhandel. Die Behörden im Iran bestätigen die Hinrichtung von 252 Gefangenen, darunter fünf Frauen und ein zur Tatzeit Jugendlicher. Amnesty erfuhr jedoch aus glaubwürdigen Quellen von mindestens 300 weiteren Hinrichtungen, die mehrheitlich im Gefängnis von Vakilabad, Mashhad, heimlicht vollzogen wurden. Die meisten darunter wurden für angebliche Drogendelikte zum Tod verurteilt und hingerichtet. 14 Gefangene wurden öffentlich exekutiert.

Im Südlichen Afrika schaffte Gabun im Februar 2010 die Todesstrafe endgültig ab. Damit sind heute insgesamt 16 Länder der Afrikanischen Union ohne Todesstrafe. Nur vier Länder haben Todesurteile vollstreckt: Botsuana, Äquatorialguinea, Somalia und der Sudan.

Hintergründe, Karten und weitere Informationen zur Todesstrafe bietet die Menschenrechtsorganisation an unter www.amnesty-todesstrafe.de

 

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