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Seit 16.15 Uhr blockieren 20 AktivistInnen von Contratom und der KURVE Wustrow – Bildungs- und Begegnungsstätte für gewaltfreie Aktion alle sechs Zufahrtstore zum Endlagerbergwerk in Gorleben. Während heute in Berlin ein Spitzengespräch zum Endlagersuchgesetz stattfindet, verhindern die AktivistInnen dadurch zumindest symbolisch eine weitere Erkundung in Gorleben. Einer der angeketteten AktvistInnen berichtet: »Heute wird es keinen Schichtwechsel mehr geben. Wir blockieren die Erkundungsarbeiten, die hier tagtäglich im Drei-Schicht-Betrieb mit jeweils rund 90 MitarbeiterInnen gefahren werden. Wir haben das Bergwerk mit unseren Ketten und Körpern abgeschlossen.«
Eine andere Aktivistin fügt hinzu: »Ich will die Erkundung mit meinem Körper stoppen und riskiere dabei meine körperliche Unversehrtheit. Denn ich kann nicht verantworten, dass wir den nachfolgenden Generationen ein viel größeres Risiko aufbürden. Der Salzstock in Gorleben ist ungeeignet für die geplante Einlagerung von Atommüll.«
Die AktivistInnen sind mit einer Pyramide, Ketten und Vorhängeschlössern an den Toren angekettet. Sie fordern den sofortigen Atomausstieg und eine ergebnisoffene Endlagersuche ohne den ungeeigneten und politisch verbrannten Standort Gorleben. »Wir erwarten von den ParteienvertreterInnen in Berlin, dass sie heute weise handeln: Gorleben muss raus aus dem Topf. Die vorläufige Sicherheitsanalyse (VSG) muss gestoppt werden. Die Fehler der bisherigen Endlagersuche müssen aufgearbeitet werden – öffentlich und nicht in Berliner Hinterzimmern. Nur so ist ein Neuanfang bei der Suche nach einem Atommüllendlager möglich«, erklärt Jochen Neumann von der KURVE Wustrow. Die Aktion findet im Rahmen der Kampagne gorleben365 statt, die am 14. August 2011 gestartet wurde und zum Ziel hat, möglichst täglich Blockadeaktionen in Gorleben durchzuführen.
Auch vor dem Bundesumweltministerium in Berlin haben AtomkraftgegnerInnen heute das endgültige Aus für das Endlagerprojekt Gorleben gefordert. Mit einer Aktion stellten sie dar, dass eine ergebnisoffene Endlagersuche ohne den Ausschluss von Gorleben nicht möglich sei: Eine Person mit einer Maske von Bundesumweltminister Röttgen versuchte auf einer weißen Deutschlandkarte einen schwarz-gelben Ball zu versenken. Doch ganz gleich wo der »Atommüll-Ball« auf der Karte angesetzt wurde, er rollte immer wieder in das »Gorleben-Loch«. Ringsum forderten Menschen mit Sprechchören und Schildern, Gorleben aus der weiteren Endlagersuche auszuschließen, da der Standort geologisch völlig ungeeignet sei. Nötig sei außerdem ein echter gesellschaftlicher Dialog über die Endlagerfrage.
»Vor einem Gesetzentwurf muss eine Analyse der Fehler in der Vergangenheit stehen. Dass die Konzepte der 70er Jahre desaströs gescheitert sind, zeigen auf erschreckende Weise die Standorte Asse und Morsleben. Hält man am Standort Gorleben fest, hält man gleichzeitig auch an den unverantwortlichen Verfahren der Vergangenheit fest«, sagte Lennart Müller, Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. »Für einen echten Neuanfang ist die Aufgabe von Gorleben als Atommüllstandort und der Abbruch der vorläufigen Sicherheitsanalyse(VSG) zwingend. Auch müssen endlich die Stimmen der Umweltverbände und Initiativen gehört und an einer umfassenden, öffentlichen Atommülldebatte beteiligt werden.«
Auch Jochen Stay von .ausgestrahlt erklärte: »Schon seltsam: Da reden alle an den Atommüll-Verhandlungen beteiligten Politiker seit Monaten von Bürgerbeteiligung und Transparenz, haben es aber bisher nicht für nötig gehalten, die betroffenen Bürgerinnen und Bürger von den bereits bestehenden Endlager-Standorten in die Gespräche mit einzubeziehen. Dabei könnten die Anwohnerinnen und Anwohner der Asse, von Morsleben, Schacht Konrad und Gorleben genau erläutern, welche Fehler der Vergangenheit besser nicht wiederholt werden sollten.«
Das Mitglied im Bundesvorstand der NaturFreunde Uwe Hiksch erklärte: »Nach 30 Jahren Unwahrheiten, Lügen und Tricksereien muss jeder Versuch, Gorleben zu einem Atommüllager auszubauen beendet werden.Die Anti-Atom-Bewegung wird jeden Versuch, Atommülllager bei laufenden Betrieb von Atomkraftwerken auszuweisen, eine klare Absage erteilen.«
Für den kommenden Samstag, den 28. April, ruft ein breites Bündnis zu einer Kundgebung und »kulturellen Umzingelung« des Endlagerbergwerks Gorleben auf. Start in Gorleben ist um 13 Uhr.
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