Freitag, 29. Mai 2015

Francisco CuellarUnbekannte Täter haben am späten Montag abend (Ortszeit) den Gouverneur der im Süden Kolumbiens gelegenen Provinz Caquetá, Luis Francisco Cuéllar, aus seinem Haus entführt. Regierungssprecher vermuten die Guerrilla der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hinter der Aktion, bei der einer der Leibwächter Cuéllars getötet wurde. Die größte und älteste Guerrillaorganisation des südamerikanischen Landes hat sich bislang jedoch nicht zu der Aktion bekannt.
Die Regierung in Bogotá setzte nach Bekanntwerden der Entführung eine Belohnung von rund einer halben Million US-Dollar auf Hinweise zum Aufenthaltsort Cuéllars und dessen Entführer aus. Präsident Uribe ordnete außerdem die militärische Befreiung aller »Geiseln« der FARC an. Damit rückt eine Freilassung des seit zwölf Jahren von der Guerrilla gefangenen Soldaten Pablo Emilio Moncayo erneut in weite Ferne, nachdem sich in den letzten Tagen die Anzeichen für ein bevorstehendes Ende seiner Gefangenschaft verdichtet hatten. Die FARC hatten bereits im April die Freilassung Moncayos angekündigt, aber Sicherheitsgarantien von der Regierung gefordert.

Nach der Ankündigung Uribes zeigte sich der Vater des Gefangenen, der Lehrer Gustavo Moncayo, entsetzt und forderte die Regierung auf, keine Operation zuzulassen, die das Leben seines Sohnes gefährde.

Wenn tatsächlich die Guerrilla hinter der Entführung Cuéllars steckt, ist dies die erste große Aktion der Aufständischen nach Bekanntwerden einer gemeinsamen Erklärung der beiden wichtigsten Guerrillaorganisationen des Landes, der FARC und der Nationalen Befreiungsarmee (ELN), in der diese ein Ende der Auseinandersetzungen zwischen beiden Organisationen ankündigen. Ihre Einheiten werden in der Erklärung aufgefordert, keinerlei Zusammenarbeit »mit dem Feind des Volkes« zuzulassen und die »nicht kämpfende Bevölkerung, ihr Eigentum und Interessen und ihre sozialen Organisationen« zu respektieren. »Unser einziger Feind sind der nordamerikanische Imperialismus und seine speichelleckerische Oligarchie. Gegen ihn werden wir unsere gesamte kämpferische und revolutionäre Energie einsetzen«, schreiben das Sekretariat der FARC und das Zentralkommando der ELN in der Erklärung, die in der vergangenen Woche auf einer Homepage der ELN veröffentlicht wurde.

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