Dienstag, 7. Juli 2015

Nicolás Maduro. Foto: AVNNicolás Maduro. Foto: AVNCaracas wird am morgigen Sonnabend einmal mehr Schauplatz einer Großdemonstration der bolivarischen Bewegung. Zu der »roten Flut« gegen Faschismus und Gewalt hat Venezuelas Präsident Nicolás Maduro während einer über alle Rundfunk- und Fernsehsender des Landes übertragenen Ansprache am Donnerstagabend aufgerufen. Damit wollen die Chavistas auf die gewaltsamen Ausschreitungen am Rande einer Oppositionsdemonstration am Mittwoch in Caracas reagieren und gegen die Angriffe auf Regierungseinrichtungen, linke Medien und andere öffentliche Gebäude protestieren. »Das ganze Volk von Caracas wird an diesem Samstag gegen den Faschismus, die Gewalt und den Putschismus aufstehen, um auf der Straße zu demonstrieren, dass wir Frieden, Zusammenleben, Demokratie und Sozialismus wollen«, erklärte Maduro.

 

In seiner Ansprache räumte der Staatschef auch mit Falschmeldungen auf, die von den Fernsehsendern CNN und NTN24 sowie der Nachrichtenagentur AFP verbreitet worden waren. So hätten diese mit manipulierten Aufnahmen die Regierung für den Tod eines oppositionellen Studenten verantwortlich gemacht. Tatsächlich sei dieser jedoch aus der selben Waffe erschossen worden, die auch auf den zuvor ermordeten linken Aktivisten Juan Montoya abgefeuert worden war. Den Mörder habe also nicht interessiert, welchem politischen Lager seine Opfer angehörten, so Maduro. Das erinnere an den 11. April 2002, als Heckenschützen im Zentrum von Caracas auf oppositionelle Demonstranten und auf Regierungsanhänger geschossen hatten. Dieses Massaker hatte den reaktionären Militärs als willkommener Vorwand für ihren Putsch gegen den damaligen Präsidenten Hugo Chávez gedient.

Doch die Lage in Venezuela ist heute eine andere als 2002. Es gibt keine Anzeichen dafür, daß in der Armee zum Putsch bereite Kräfte in relevanter Stärke vorhanden wären. Zudem gelingt es den Führern der rechten Opposition immer weniger, ihre eigenen Anhänger zu mobilisieren. Leopoldo López, der inzwischen mit Haftbefehl gesucht wird, und María Corina Machado hatten die Oppositionellen vergeblichen aufgerufen, »die Straßen bis zum Sturz Maduros nicht mehr zu verlassen«. Auch ein Aufruf zum »Cacerolazo«, bei dem die Regierungsgegner durch lautes Trommeln auf Kochtöpfen ihren Protest kundtun, wurde am Donnerstag nur in wenigen Stadtvierteln befolgt. Aus viel mehr Wohnungen war die im Radio und Fernsehen übertragene Rede Maduros zu hören.

Zudem kann die venezolanische Regierung mit der Solidarität Lateinamerikas rechnen. Die Staatschefs von Argentinien, Ecuador, Bolivien und Nicaragua sowie aus anderen Ländern unterstrichen in offiziellen Erklärungen ihre Unterstützung für die verfassungsmäßige Regierung des südamerikanischen Landes. Auch das kubanische Außenministerium protestierte gegen den »von faschistischen Gruppen organisierten Putschversuch«.

Die Teilnehmer des zur Zeit in Havanna tagenden IX. Internationalen Hochschulkongresses »Universidad 2014«, darunter renommierte Bildungsexperten und Intellektuelle wie der brasilianische Theologe Frei Betto , der argentinische Politologe Atilio Borón, der kubanische Historiker Eduardo Torres Cuevas und Havannas Stadthistoriker Eusebio Leal Spengler, riefen von Kuba aus zur Wahrung des Friedens in Venezuela auf. Der stellvertretende venezolanische Erziehungsminister Rodulfo Pérez verurteilte auf dem Kongress die Gewalt in seinem Land und informierte darüber, dass die randalierenden Gruppen von der US-Regierung und deren Botschaft in Caracas unterstützt werden. »Wir werden unter keinen Umständen zulassen, dass unsere Universitäten zu Orten der Gewalt gemacht werden«, versicherte auch der Vorsitzende der venezolanischen Hochschullehrergewerkschaft, Telémaco Figuera.

Auch in verschiedenen kubanischen Blogs wurden die Vorgänge kommentiert. »Das gleiche Bild wie immer«, kommentierte der Leser Carlos bei Cubadebate. Wenn die Opposition bei Wahlen verliere, versuche sie ihre Ziele »mit Unterstützung von Außen und brutaler Gewalt durchzusetzen. So wie in Syrien, Ukraine, usw.« Ein anderer Leser, Gonzalo Vanega Martinez, ergänzte: »Der Imperialismus, geschwächt aber nicht besiegt, versucht alles, um seine Vormacht in der Welt aufrechtzuerhalten.« Deshalb forderte ein Teilnehmer mit dem Pseudonym »Caster« eine »harte Hand gegen die Faschisten«. Sie hätten am Mittwoch  bis in die Nacht die Berichte live in TeleSur verfolgt und kaum schlafen können teilten »Salgado« und andere mit. In der Hauptnachrichtensendung des kubanischen Fernsehens am Donnerstag um 20 Uhr, in den Zeitungen und Blogs des Landes war das Thema Schwerpunkt.

Während nahezu alle Stimmen in der kubanischen Hauptstadt die Vorgänge in Venezuela mit gespannter Sorge verfolgten, zur Besonnenheit und zum Frieden aufriefen versuchten die von Washington  ausgehaltenen Systemgegner ihr eigenes Süppchen zu kochen. »Die offizielle Presse schweigt zu den Studentendemonstrationen in Venezuela«, verbreitete die im Westen hofierte kubanische »Bloggerin« Yoani Sánchez am Mittwoch wahrheitswidrig über Twitter und stänkerte am Donnerstag weiter: »Ich wüsste gern, was tatsächlich in Venezuela geschieht, weil die offizielle kubanische Presse ein Mitteilungsblatt von Miraflores (Regierungssitz in Caracas) zu sein scheint.« Immerhin ist damit klar, auf welcher Seite die Ikone der westlichen Konzernmedien steht.

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