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Trotz internationaler Proteste: Wieder Nazitreffen in Estland |
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Estland
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Freitag, den 30. Juli 2010 um 22:00 Uhr |
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Mit Empörung und Enttäuschung hat die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer (FIR) – Bund der Antifaschisten auf das Verhalten der estnischen Regierung reagiert, trotz internationaler Proteste auch in diesem Jahr das am Wochenende geplante Treffen von ehemaligen Angehörigen der 20. estnischen SS-Division in Sinimäe zu genehmigen. Die FIR und die Veteranenverbände, Europaabgeordnete sowie Demokraten aus vielen Ländern haben auf vielen Wegen der estnischen Regierung in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass die Genehmigung solcher Aufmärsche faktisch eine Rehabilitierung der SS-Verbrechen darstellt, die von der internationalen Völkergemeinschaft nicht hingenommen werden kann. Doch völlig unbeeindruckt von solchen Protesten hatte der estnische Präsident Toomas Hendrik Ilves Anfang Mai diesen Jahres selber die Veteranen der SS-Verbände als »Kämpfer für die Freiheit Estlands« gewürdigt.
Die FIR fordert die estnische Regierung auf, die historischen Tatsachen anzuerkennen, dass die SS-Verbände unmittelbar und direkt in zahlreiche Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingebunden waren und es im Interesse eines wahrheitsgemäßen Geschichtsbildes nicht hinnehmbar ist, sie als »Freiheitskämpfer« zu bezeichnen. »Das Vermächtnis des 65 Jahrestages der Befreiung vom 8. Mai 2010 heißt: Nie wieder darf es ein SS-Europa geben. Es darf keine Rehabilitierung der SS-Verbrecher und ihrer Taten zugelassen werden. Dies ist eine Verpflichtung auch der heutigen Generationen. Solche SS-Treffen darf es weder in Estland noch in anderen europäischen Ländern geben«, heisst es in der Erklärung der früheren Widerstandskämpfer.
Auch Russland hat seine Empörung darüber geäußert, dass die estnischen Behörden die Kundgebungen ehemaliger SS-Leute auf dem Territorium der baltischen Republik begünstigen. Bei diesen Kundgebungen würden Verbrechen der 20. estnischen Division der Waffen-SS verherrlicht, sagte der Sprecher des russischen Außenministeriums, Andrej Nesterenko. »Die Vorschubleistung der estnischen Behörden für die Organisatoren der Kundgebungen ruft Empörung hervor. Derartige Handlungen können nicht anders bezeichnet werden als Hohn über die Nazi-Opfer und all jene, die bei der Befreung Europas von der braunen Pest ihr Leben lassen mussten«, sagte er.
Veteranen der 20. Division sowie Mitglieder des »Bundes der Kämpfer für die Befreiung Estlands« und der »Gesellschaft der Freunde der Estnischen Legion« kommen jedes Jahr zusammen, um der Toten bei Sinimäe zu gedenken. Bei dieser estnischen Stadt kamen 1944 bei erbitterten Kämpfen zwischen der Wehrmacht, zu der auch estnische Truppen gehörten, und der Sowjetarmee auf beiden Seiten rund 200 000 Soldaten ums Leben. In diesem Jahr soll die Kundgebung der estnischen SS-Leute am 31. Juli stattfinden.
Letztes Jahr nahmen an dem Treffen ungefähr 450 bis 500 Personen teil. Zwei Drittel der Teilnehmenden waren jünger als 50 Jahre. Regelmäßig nehmen dort auch estnische Parlamentsabgeordnete teil, so Trivimi Velliste, der Landrat des Landkreises Vaivara. 2007 richtete der heutige Verteidigungsminister der Estnischen Republik, Jaak Aaviksoo, einen Gruss an die SS-Veteranen in Sinimäe. Die estnische Armee versorgt die Teilnehmer mit Erbsensuppe.
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