Montag, 27. April 2015

Protest auf der KöhlbrandbrückeAm heutigen Tag der Vattenfall-Cyclassics, einem Radrennen in Hamburg, ist der Protest der Umweltschutzorganisation »Robin Wood« gegen den Konzern Vattenfall  nicht zu übersehen. An einer der für das Rennen symbolträchtigen Stelle, der Köhlbrandbrücke über den Hamburger Hafen, haben KletteraktivistInnen ein kunstvolles, 50 qm großes Transparent direkt über der Rennstrecke entrollt. Sie verstehen sich als Teil der vielfältigen Aktionen gegen Vattenfalls »Greenwashing«.

»Vattenfall will mit Sponsorveranstaltungen wie den Cyclassics sein Image aufpolieren, da wollen wir ein Zeichen entgegensetzen«, kommentiert Kletteraktivistin Cécile Lecomte die Aktion. Angesichts der zahlreichen Pannen in den AKWs Krümmel und Brunsbüttel sowie des Wirbels um den Bau des klimaschädlichen Kohlekraftwerks Moorburg verschlechtert sich das Ansehen des Konzerns in der Öffentlichkeit zunehmend. Aktuell ist für die KlimaaktivistInnen der Bau eines neuen Steinkohlekraftwerks in Hamburg Moorburg von besonderer Brisanz. Dieses würde den CO2 Ausstoß der Hansestadt mit einem Schlag um 40 Prozent erhöhen. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß des gesamten Straßenverkehrs der Stadt. Zudem sei der Bau von neuen zentralisierten Kraftwerken dieser Art ein Hemmnis für die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien. Es wird über die Köpfen der Menschen hinweg entschieden und lenkt die Energiepolitik in die falsche Richtung.

»Wir fordern ein Umdenken hin zu einem bewussteren sparsameren Umgang mit Ressourcen, anstatt Produktionskapazitäten zu erweitern. Auf die Vattenfall-Krückentechnologie muss verzichtet werden«, so Lecomte. Ihr Kletterpartner aus der französischen Stadt Chambéry, Damien Vidal, betont die Wichtigkeit der internationalen Vernetzung für einen Wandel in der Energiepolitik: »Klimaschutz selber machen ist eine globale Aufgabe«.

Bereits im letzten Winter wurde Vattenfall kräftig die Kohlesuppe versalzt. Im Gählerpark in Hamburg Altona wurden drei Monate lang von AktivistInnen mehrere Bäume besetzt, die Vattenfall für den Bau seiner Fernwärmetrasse zum Kohlekraftwerk fällen wollte. Der Widerstand konnte einen Etappensieg verbuchen, die Trasse wird vorerst nicht gebaut. »Dies zeigt die Notwendigkeit von Protest von unten. Leider werden nicht die Konzerne, die unsere Lebensgrundlage aufs Spiel setzen kriminalisiert, sondern diejenigen, die sich dagegen wehren«, so Robin Wood. »Die Umwelt-Aktivistin Franziska Wittig sitzt seit Freitag in der JVA Karlsruhe eine zweiwöchige Strafhaft ab, weil sie sich an einer Aktion gegen den Klimakiller in Hamburg-Moorburg beteiligt hat. Ihr gilt unsere Solidarität, sie freut sich über jede Fortsetzung des Protestes und ermutigende Briefe.«

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