| ImmigrantInnen machen mobil gegen religiösen Fundamentalismus |
| Linke |
| Freitag, den 02. März 2007 um 10:36 Uhr |
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Mehrere ursprünglich aus islamischen Ländern stammende ImmigrantInnen haben gestern in den Räumen der Bundespressekonferenz die Bildung eines "Zentralrates de Ex-Muslime" bekanntgegeben. Mina Ahadi, die erste Vorsitzende der neuen Organisation, und ihr Stellvertreter Azur Toker erklärten, ihr politischer Widerstand richte sich gegen den Anspruch der religiösen islamischen Verbände, für alle Migranten in Deutschland, die aus so genannten „islamischen Ländern" stammen, stellvertretend sprechen zu können, sowie der Bereitschaft der Bundesregierung, diesem Anspruch mit einer „Islamkonferenz entgegen zu kommen" und allein schon dadurch die religiösen Verbände zu legitimieren. Der Zentralrat will in Erinnerung zu rufen, dass die Integrationsproblematik nicht auf Religionsfragen und Bekenntnisgemeinschaften reduziert werden darf und dass der deutsche Staat in seinen Kooperationsbemühungen fehl geht, wenn er allein die jüngst gegründeten Islamverbände berücksichtigt und deren islamistische Interessen nicht durchschaut. Er lässt somit säkulare Muslime links liegen. Um nichtreligiöse Muslime in ihrem Bemühen um Aufklärung über menschenrechtsfeindliche und vor allem frauenfeindliche Züge in dieser Religion zu bestärken und deren Interessen ins öffentliche Bewusstsein zu heben, hat sich der „Zentralrat der Muslime“ deutlich zum Recht auf negative Religionsfreiheit bekannt - in Deutschland ein Grundrecht, auf dessen Einhaltung sich staatliches Wirken im Sinne des Grundgesetzes zu orientieren hat, das aber weltweit durchzusetzen ist. Der Humanistische Verband Deutschlands (HVD) hat die Gründung des Zentralrats der Ex-Muslime begrüßt. Auf Dauer trage dies dazu bei, eine starke säkulare Stimme neben den Kirchen und religiösen Verbänden zu etablieren. Im Hinblick auf das Nebeneinander von religiösen und religionsfreien Menschen fordert der HVD gegenseitige Toleranz. Der HVD verurteilt, dass der Staat den Anschein erweckt, eine Allianz der religiösen Organisationen zu favorisieren. "Wir unterstützen deshalb den in der Pressekonferenz von den Gründerinnen mehrfach betonten Satz, Religion sei Privatsache", teilte der HVD mit. Im Zusammenhang mit der Gründung des Zentralrates kritisiert der Humanistische Verband zudem, dass sich die Bundesregierung am Kabinettstisch am 14. Februar 2007 mit einer Religionsgemeinschaft, der Evangelischen Kirche, einseitig beraten hat, wie sie mit anderen Religionsgemeinschaften, den Islamorganisationen, umgehen soll. Das erinnere stark an das Kaiserreich, in dem die herrschende evangelische Staatskirche im Kultusministerium ihr Verhalten zu den Katholiken bestimmte. Für den Internationalen Bund der Konfessionslosen und Atheisten (IBKA) war die Gründung des Zentralrates der Ex-Muslime "überfällig". Man habe deshalb bereits im Vorfeld der Gründung und der gestrigen Pressekonferenz "intensiv" mit den GründerInnen zusammengearbeitet. Vom Deutschen Freidenker-Verband (DFV) war zunächst keine Stellungnahme zu bekommen. Eine häufig gestellte Frage der versammelten Journalisten betraf die Anzahl der Menschen, die der Zentralrat der Ex-Muslime in Deutschland vertritt. Diese Frage soll im Laufe der nächsten Monate von der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid), einer vom HVD und der Giordano-Bruno-Stiftung eingerichteten Institution, detaillierter untersucht und geklärt werden. Michael Schmidt-Salomon, der die Pressekonferenz moderierte, kündigte an, dass fowid ein entsprechendes Dossier im kommenden Herbst / Winter vorlegen wird. Dann soll auch eine „Kritische Islamkonferenz" stattfinden, die der Zentralrat der Ex-Muslime in Kooperation mit anderen islamkritischen Institutionen plant. Mina Ahadi, die erste Vorsitzende des Zentralrats der Ex-Muslime, wurde 1956 in Abhar (Iran) geboren, studierte Medizin an der Universität Tabriz und war aktiv in der linken Opposition gegen den Schah. Als nach dem Sturz des Schah die islamistischen Kräfte die Macht ergriffen und Khomeini den Kopftuchzwang anordnete, organisierte Mina Ahadi Protestaktionen und Demonstrationen. Als regimekritische politische Aktivistin durfte sie nicht mehr weiter studieren und arbeitete in einer Fabrik. Ende 1980 durchsuchte die Geheimpolizei ihre Wohnung, während sie auf der Arbeit war. Dabei wurden ihr damaliger Mann sowie fünf Gäste festgenommen und kurz darauf hingerichtet. Mina Ahadi entkam. Wegen ihrer politischen Aktivitäten steckbrieflich gesucht und später auch in Abwesenheit zum Tode verurteilt, lebte Mina Ahadi zunächst acht Monate im Untergrund (mitten in Teheran). 1981 flüchtete sie nach Iranisch-Kurdistan. Nach zehn Jahren Kampf in Kurdistan flüchtete sie 1990 nach Wien. Seit 1996 lebt Mina Ahadi in Köln. 2001 gründete Mina Ahadi das Internationale Komitee gegen Steinigung, ein Netzwerk mit 200 internationalen Organisationen, 2004 das Komitee gegen Todesstrafe. Als Koordinatorin und Sprecherin der beiden Komitees arbeitete sie weltweit mit Frauen- und Menschenrechtsorganisationen zusammen.Auf der Gründungsversammlung des Zentralrats der Ex-Muslime wurde Mina Ahadi im Januar 2007 zur 1. Vorsitzenden des Vereins gewählt. Sie gehört der iranischen Frauenbefreiungsorganisation und der Arbeiterkommunistischen Partei Irans an. Beifall aus einer ganz anderen politischen Ecke könnte Ahadi allerdings für ihre Äußerung während der Pressekonferenz bekommen, bei der sie nach Angaben der Tageszeitung "Neues Deutschland" geäußert hatte, jede hier gebaute Moschee "verhindert Integration, begünstigt Ehrenmorde." Und weiter: "Ich sage auch provokativ: Je mehr Moscheen, desto mehr Attentate." Quellen: Humanistischer Pressedienst, Zentralrat der Ex-Muslime, Wikipedia, Mina Ahadi, IBKA, Neues Deutschland - Zusammenfassung: RedGlobe Neuere Artikel:
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