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Che Guevara | Drucken |  E-Mail
Montag, den 20. August 2007 um 11:29 Uhr

Che Guevara bei RedGlobeAudio und Video

Texte von Che Guevara

386 Produkte wirft das Online-Auktionshaus e-bay auf das Stichwort „Che Guevara“ aus. Die Angebote beginnen bei den unvermeidlichen T-Shirts, Aufklebern und Buttons und reichen über Fahnen und eine „Plasma Neon Wanduhr“ bis hin zu einem Türvorhang, den kubanischen Drei-Peso-Scheinen mit Ches Konterfei, eine „Spirituose mit Rum-Geschmack“ unter Ches Namen und schließlich zu einer Fußmatte, einem LCD-Leucht-Werbeschild mit Che-Bild, Feuerzeugen und Flip-Flops. Kein Zweifel: es ist dem Mainstream zumindest hierzulande gelungen, das berühmte stilisierte Foto des Comandante zu einem modischen Zubehör zu machen, das mit den Inhalten, für die Che Guevara stand, nichts mehr zu tun hat.

Zum 40. Jahrestag von Ches Ermordung in Bolivien 2007 und zu seinem 80. Geburtstag 2008 erlebten und erleben wir wieder eine Serie von Filmen, Büchern, Dokumentationen usw., die sich im kommenden Jahr – wenn Ches 80. Geburtstag ansteht – nahtlos fortsetzen dürfte. In einem neuen Kinofilm soll Oscar-Preisträger Benicio del Toro den Comandante spielen. Dabei bedienen die Massenmedien einen Massengeschmack, den sie selbst geschaffen haben: Che als „Traumtänzer“ und „Popstar“ (Stern), als „Modephänomen“ und als „Ikone“ (Kölner Stadt-Anzeiger).

Zugleich scheint der Revolutionär Che Guevara für alle Linken genügend Projektionsfläche zu bieten, um ihn für sich zu vereinnahmen. Junge Anarchisten halten sich für Nachfolger von Che, den Rebellen, und kritisieren deshalb den Che-Kopf auf der Münchner DKP-Fahne, Trotzkisten bauen ebenso auf Che wie die „Jungkommunisten der KPD“, die Che gleich als vierten Kopf neben Marx, Engels und Lenin stellen.

Wer aber war Che?

Ernesto Guevara de la Serna wurde am 14. Juni 1928 in Rosario, als Kind von Celia de la Serna Llosa und Ernesto Guevara Lynch geboren. Als Kleinkind erkrankte Ernesto an einer schweren Lungenentzündung, die möglicherweise die Ursache für sein im Alter von zwei Jahren erstmals auftretendes und ihn sein Leben lang plagendes Asthma war. Da er dadurch viel Zeit im Bett verbringen musste, entwickelte er eine große Leidenschaft für das Lesen. Die Krankheit hinderte ihn aber auch nicht daran, mit den anderen Kindern zu spielen und Sport zu treiben.
1946 bestand Ernesto die Abiturprüfung und entschied sich – möglicherweise aufgrund seines eigenen Leidens - für das Studium der Medizin und schrieb sich 1947 an der Universidad Nacional de Córdoba ein. Obwohl er das Studium sehr ernst nahm und stundenlang in der Bibliothek saß, packte ihn in dieser Zeit die Reiselust. Anfang 1950 reiste er mit einem Fahrrad mit Hilfsmotor sechs Wochen durch den Norden Argentiniens. Wenige Monate, bevor er das Doktorexamen ablegen sollte, brach Ernesto dann im Dezember 1951 zusammen mit seinem Freund Alberto Granado auf, um mit einem alten Motorrad den lateinamerikanischen Kontinent zu erkunden. Am 1. März 1952 überquerten sie die Grenze nach Chile. Einen Tag später erreichten sie die Hauptstadt Santiago und schlugen sich nach Peru und Bolivien durch. Immer wieder erlebten sie den Kontrast zwischen der Schönheit der Landschaft und dem Elend der Bevölkerung. Nach rund acht Monaten erreichten sie Caracas, die Hauptstadt Venezuelas. Granado fand hier Arbeit in einem Lepra-Krankenhaus und entschied sich, dort zu bleiben. Ernesto flog mit Hilfe eines Onkels zurück nach Buenos Aires und beendete sein Studium. Am 11. April 1953 legte er sein letztes Examen ab.
Die Hoffnungen seiner Eltern, Ernesto würde nun ruhiger werden und das normale Leben eines Arztes führen, erfüllten sich nicht. Nur wenige Monate nach seinem Examen verabschiedete sich Ernesto am Bahnhof in Buenos Aires erneut von ihnen. Was damals noch niemand ahnte: Es war ein endgültiger Abschied von Argentinien, in das er nur noch ein einziges Mal für wenige Stunden zurückkehren sollte.
Zusammen mit seinem Freund Carlos Ferrer reiste Ernesto nach La Paz, der Hauptstadt Boliviens, und nach einem mehrwöchigen Aufenthalt weiter nach Peru, bevor sie schließlich Guayaquil in Ecuardor erreichten. Eigentlich sahen Ernestos Pläne vor, Alberto Granado in Venezuela zu besuchen, doch in Ecuador erreichten ihn dramatische Nachrichten aus Guatemala, wo unter dem Präsidenten Jacobo Arbenz soziale Reformen eingeleitet worden waren. Mit dem Schiff reiste er nach Panama und von dort aus weiter nach Costa Rica. Von hier aus schrieb er am 10. Dezember 1953 in einem Brief an seine Tante Beatriz: „Ich hatte Gelegenheit durch die Gebiete der United Fruit zu reisen, und mir wieder einmal das schreckliche Wesen dieses kapitalistischen Kraken bestätigen zu lassen.“
Am Neujahrsabend 1953 traf Ernesto in Guatemala ein. Hier wurde aus Ernesto der „Che“, ein Spitzname, der auf die in Argentinien häufig gebrauchte Anrede („He, du“) zurückgeht. Präsident Arbenz hatte Reformen eingeleitet, einen Mindestlohn eingeführt und brachliegende Ländereien, die im Besitz von US-Konzernen waren, verstaatlicht. Für die USA war das bereits „Kommunismus“. Am 18. Juni 1954 fielen von Washington gesteuerte und finanzierte Söldner in das Land ein. Che beteiligte sich an der Verteidigung der verfassungsmäßigen Regierung, als US-Flugzeuge die Hauptstadt bombardierten. Als Arbenz unter dem Druck der Putschisten zurücktrat, suchte Che Zuflucht in der argentinischen Botschaft. Nach zwei Monaten konnte er diese Zuflucht in Richtung Mexiko verlassen.
Hier lernte Che im Sommer 1955 Fidel Castro kennen, der 1953 den Angriff auf die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba geleitet hatte und nach Mexiko ins Exil gegangen war, nachdem eine breite Amnestiebewegung in Kuba ihn aus dem Gefängnis der Batista-Diktatur befreit hatte. Fidel Castro schmiedete Pläne, in Kuba zu landen und den bewaffneten Kampf gegen die Diktatur aufzunehmen. Che schloss sich der Gruppe als Arzt an. Am 23. November 1956 schifften sich 86 Rebellen  in Tuxpan auf der völlig überladenen Jacht „Granma“ ein und begannen die Überfahrt nach Kuba, das sie am 2. Dezember 1956 erreichten.

Im Verlaufe des Guerillakampfes änderte sich die Rolle von Che bald von der eines Arztes zu einem direkten Teilnehmer bei bewaffneten Aktionen. Sein entschlossener Einsatz und sein taktischer und strategischer Überblick ließen ihn schnell zu einem der wichtigsten militärischen Ratgeber Fidels werden. Als erster Guerrillero neben Fidel wurde Che am 21. Juli 1957 von diesem in den Rang eines Comandante der Bewegung des 26. Juli erhoben und mit der Führung der II. Kolonne betraut.
Als seine wichtigste militärische Leistung im kubanischen Revolutionskrieg gilt die Einnahme von Santa Clara am 29. Dezember 1958, wodurch der Weg in die Hauptstadt Havanna freigeklämpft wurde. Am 1. Januar 1959 flüchtete der Diktator Fulgencio Batista aus Kuba in die USA und wenige Tage später zogen Fidel, Che, Raúl Castro, Camilo Cienfuegos und die anderen Guerrilleros in der Hauptstadt ein, begeistert empfangen von der Bevölkerung, die in Massen auf die Straßen geströmt war und die Befreier feierte.

Che Guevara übernahm nach dem Sieg der Rebellen Schlüsselpositionen in der revolutionären Regierung. Einer Legende zufolge soll Fidel eines Tages in seinem Kabinett gefragt haben, wer von den Anwesenden Ökonom – Economista – sei. Che, so die Legende weiter, habe sich gemeldet und auf die erstaunte Nachfrage Fidels, seit wann er denn Ökonom sei, geantwortet: „Entschuldige, ich habe mich verhört. Ich hatte verstanden, du hättest gefragt, wer Kommunist – Comunista – sei.“ So soll Che Industrieminister und Chef der kubanischen Nationalbank geworden sein.

Ein notwendiges erstes Ziel der revolutionären kubanischen Regierung musste die Befreiung der kubanischen Wirtschaft von ihrer Bindung an die USA sein, die einen bis heute andauernden Wirtschaftskrieg gegen die Insel begonnen hatten. Dazu gehörte bald die Enteignung des fast ausschließlich US-Amerikanern gehörenden Großgrundbesitzes und der Unternehmen, durch die das US-Kapital das Leben auf der Insel kontrollierte. Bis zum Sieg der Revolution hatte Kuba als das „Bordell der USA“ gegolten, die führenden Köpfe der US-Mafia machten sich hier ein schönes Leben. Jetzt wandte sich Kuba der Sowjetunion, China und den anderen sozialistischen Staaten zu und beschritt immer offener einen antikapitalistischen Entwicklungsweg.

Che gehörte zu den Verfechtern eines radikalen Bruchs mit den kapitalistischen Strukturen. Er wollte nicht weniger als den „neuen Menschen“. In einem Brief an die in Montevideo erscheinende Wochenzeitschrift „Marcha“ erläutert Che im März 1965 sein Konzept: „Die neue Gesellschaft im Werden muß sehr hart mit der Vergangenheit abrechnen. Diese macht sich nicht nur im individuellen Bewusstsein bemerkbar, auf dem die Rückstände einer systematisch auf die Isolierung des Individuums ausgerichteten Erziehung lasten, sondern auch im Charakter dieser Übergangsperiode selbst, besonders in ihren Handelsbeziehungen. Die Ware ist die ökonomische Zelle der kapitalistischen Gesellschaft; solange sie besteht, werden sich ihre Auswirkungen in der Organisation der Produktion und demzufolge im Bewusstsein spüren lassen. (...)
Es gilt eine große Strecke zu überwinden bis zum Aufbau der wirtschaftlichen Basis, und die Versuchung, den ausgetretenen Pfaden des materiellen Interesses als antreibender Hebelkraft für eine raschere Entwicklung zu folgen, ist sehr groß. Doch läuft man dann Gefahr, vor lauter Bäumen den Wald nicht zu sehen. Dem Hirngespinst nachjagend, man könne den Sozialismus mit den morschen Waffen verwirklichen, welche der Kapitalismus uns vererbt (die Ware als ökonomische Zelle, die Rentabilität, das individuelle materielle Interesse als Hebelkraft usw.), kann man sich leicht in einer Sackgasse verfangen. Und man landet unweigerlich in ihr, nachdem man eine große Strecke zurückgelegt hat, auf der die Wege sich oftmals kreuzen und es schwer fällt, den Augenblick zu erkennen, da man sich in der Richtung irrte. In der Zwischenzeit hat die angepasste ökonomische Basis ihre Wühlarbeit in der Entwicklung des Bewusstseins vollbracht. Um den Kommunismus aufzubauen, müssen wir mit der materiellen Basis zugleich den neuen Menschen schaffen.“

Wegen solcher Positionen ist Che damals und bis heute oft als Spinner verlacht und angegriffen worden, nicht nur vom US-Imperialismus und seinen Medien sowie Reformisten aller Art, sondern oft genug auch von den eigenen Genossen in führenden Positionen des sozialistischen Lagers, die es sich in ihren Plänen und Bilanzen gemütlich gemacht hatten.

1987, als sich Kuba inmitten einer Kampagne zur Berichtigung der Fehler befand, führte Fidel Castro in seiner Ansprache zum damaligen 20. Todestag Ches viele Probleme darauf zurück, dass die Vorschläge und Ideen Guevaras nicht mehr berücksichtigt worden waren: „Ich bin der Überzeugung und sage es mit Zufriedenheit, dass, wenn Che heute hier neben uns sitzen würde, er wirklich froh und glücklich wäre, weil wir jetzt diese Zeiten durchleben, genauso wie er sehr unglücklich gewesen wäre in jener unsäglichen Zeit, in jener bedrückenden Periode, als hier eine Reihe von Erscheinungen und Lastern vorherrschten beim Aufbau des Sozialismus; das wäre für Che sehr bitter gewesen.
Wir sind einer aufgeblähten Bürokratie erlegen, anachronistischen Normen, wir sind in die Falle gegangen und haben uns selber belogen. Wir haben uns eine Menge Laster zugelegt, die Che wirklich entsetzt hätten. (...) Es wäre falsch zu meinen, dass Che ein Träumer gewesen sei, ein Idealist, der die Realitäten verkannte. Er kannte die Realitäten sehr gut und stellte sie in Rechnung. Aber er glaubte an den Menschen, und wenn man das nicht tut und den Menschen für ein nicht-entwicklungsfähiges Tier hält, das nur vorwärts geht, wenn man ihm Futter vor die Nase hält, wird man nie zum Revolutionär werden; wer das glaubt, wird nie ein Sozialist oder Kommunist sein.“

Fidel hob in der selben Rede auch die Bedeutung der theoretischen Beiträge Ches hervor: „Che war ein Denker und besaß die außergewöhnliche Fähigkeit, in den ersten Jahren der Revolution wichtig Aspekte des Aufbaus des Sozialismus zu erkennen. Immer wenn irgendwo jemand für eine wichtige Aufgabe gebraucht wurde, war Che da. Er war wirklich vielseitig und hat jede ihm zugewiesene Aufgabe ernsthaft und verantwortungsvoll ausgeführt.
Er war im Nationalen Institut für Agrarreform zuständig für die wenigen dort zusammengefaßten Unternehmen, als die großen Unternehmen noch nicht verstaatlicht waren. Er war in der Nationalbank und im Industrieministerium von Anfang an tätig. Dann wurden nach und nach fast alle Fabriken verstaatlicht, man mußte sich um die Aufrechterhaltung der Produktion kümmern, und wie bei vielen anderen Problemen zuvor widmete Che sich ganz dieser Sache, er arbeitete Tag und Nacht, samstags und sonntags, und er hat wirklich große Aufgaben bewältigt. Damals begann er, die Prinzipien des Marxismus-Leninismus auf die Produktion zu übertragen, so wie er dies für richtig hielt. Damit hat er sich jahrelang beschäftigt; er hat viel darüber nachgedacht und geschrieben und wirklich eine ziemlich umfassende Theorie entwickelt, wie man seiner Meinung nach den Sozialismus aufbauen muß und zum Kommunismus gelangen kann.“

Che war sich durchaus der Grenzen bewusst, die einer kleinen Insel wie Kuba durch die Vorherrschaft des Kapitalismus auf den Weltmärkten gesetzt waren, obwohl zu seiner Zeit noch ein mächtiges Gegenlager existierte. Che setzte seine Hoffnung auf die Länder des Sozialismus, sparte aber auch nicht mit Kritik, wenn diese seiner Meinung nach Prinzipien des proletarischen Internationalismus vernachlässigten. So sagte er im Februar 1965 in Algier: „Jedesmal, wenn ein Land sich befreit, so haben wir gesagt, ist das eine Niederlage für das weltweite imperialistische System (...) Deshalb ist es für die sozialistischen Länder lebenswichtig, dass diese Loslösungen tatsächlich stattfinden, und deshalb ist es unsere internationale Pflicht - uns auferlegt durch die Ideologie, die uns leitet -, mit allen Kräften beizutragen, dass diese Befreiung so schnell und so tiefgreifend wie möglich erfolgt. (...) Wir glauben, dass in diesem Geist den abhängigen Ländern gegenüber verantwortliche Hilfe geleistet werden muss und dass nicht mehr soviel von einem für beide Seiten gleich vorteilhaften Handel geredet werden sollte, denn er beruht auf Preisen, die durch das Wertgesetz und die internationalen Beziehungen ungleichen Austauschs - verursacht durch eben dieses Wertgesetz - gegen die rückständigen Länder gerichtet sind.
Wie kann es auch 'gleich vorteilhaft' sein, zu Weltmarktpreisen Rohstoffe zu verkaufen, welche die unterentwickelten Länder unendliche Anstrengungen und Mühen kosten, und zu Weltmarktpreisen Maschinen anzukaufen, welche in automatisierten Großfabriken hergestellt werden, so wie es gegenwärtig geschieht? Wenn wir dieser Art Beziehung zwischen den beiden Gruppen von Nationen zustimmen, müssen wir uns darüber klar sein, dass die sozialistischen Länder sich in gewisser Weise zu Komplizen der imperialistischen Ausbeutung machen. (...) Die sozialistischen Länder haben die moralische Verpflichtung, ihre stillschweigende Komplizenschaft mit den Ausbeuterländern des Westens zu liquidieren. Die Tatsache dass der Handel heute nur gering sei, besagt gar nichts: 1959 verkaufte Kuba nur gelegentlich und nur über die Vermittlung englischer oder anderer Makler Zucker an irgendein Land des sozialistischen Blocks. Inzwischen führt es achtzig Prozent seines Handels in dieser Zone durch: alle lebenswichtigen Güter kommen aus dem sozialistischen Lager und Kuba ist selber ein Teil dieses Lagers geworden. (...) Die Wahrheiten des Sozialismus, zusammen mit den rauen Wahrheiten des Imperialismus haben unser Volk geschmiedet und ihm den Weg gewiesen, den wir inzwischen mit vollem Bewusstsein beschreiten. Die Völker Afrikas und Asiens, die ihrer Befreiung entgegengehen, sollten die gleiche Richtung einschlagen. Und sie werden sie früher oder später einschlagen, auch wenn ihr Sozialismus heute noch irgendwelche anderen bestimmenden Beiworte trägt. Es gibt für uns keine gültige Bestimmung des Sozialismus außer: Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Solange dies nicht erreicht ist, bleiben wir im Stadium des Aufbaus einer sozialistischen Gesellschaft; und wenn dieses Endziel nicht nur auf sich warten lässt, sondern der Einsatz für die Abschaffung der Ausbeutung stagniert, ja sogar zurückgeht, dann kann man nicht einmal mehr von Aufbau des Sozialismus sprechen.“

Che war also ganz bestimmt kein Gegner der sozialistischen Länder, wie uns dies eine bürgerliche Zeitschrift nach der anderen (und manche linke Zeitung auch) weismachen will. Möglich aber, dass er die im Laufe der Zeit notwendig gewordenen Kompromisse liebend gern gegen eine Rückkehr in den Guerillakampf eintauschte.

Nach einem misslungenen Abenteuer im Kongo ging Che gemeinsam mit Veteranen der Sierra Maestra und der Deutsch-Argentinierin Tamara Bunke 1966 nach Bolivien. Sie hofften, unter den streikerfahrenen Bergarbeitern Boliviens Verbündete zu finden und zusammen mit ihnen im Westen Boliviens ein Guerillagebiet etablieren zu können. Es gelang ihnen aber nicht, wie es in Kuba gelungen war, die verarmten Bauern im bolivianischen Hochland für die Sache der Revolution zu gewinnen. Zwar respektierte und unterstützte die vorwiegend indigene Landbevölkerung die Rebellen, blieb aber ansonsten auf Distanz zum bewaffneten Kampf. Auch die Kommunistische Partei Boliviens (PCB) hatte Che ihre Ablehnung eines von Außen nach Bolivien getragenen und von Ausländern angeführten Guerillakampfes deutlich gemacht und sich damit den Zorn Ches und Fidels zugezogen, die sie als „Verräter“ beschimpften.

Mitte des Jahres 1967 wurde das Rückzugsgebiet der Guerrilleros immer enger. Bereits im August 1967 wurden sie weitgehend aufgerieben. Der Chef der Zweiten Gruppe, Juan Vitalio Acuña Núñez, starb am 31. August 1967 zusammen mit Tamara Bunke (guerrillera Tania) in einem feindlichen Hinterhalt bei Vado de Puerto Mauricio. Am Ende bestand die Gruppe um Che nur noch aus 14 Mann.
Che selbst wurde Anfang Oktober 1967 nach einem Gefecht mit Regierungstruppen bei La Higuera verwundet und gefangen genommen. Er wurde in einem dörflichen Schulhaus in La Higuera inhaftiert und dort unter anderem durch den CIA-Agenten und Exil-Kubaner Felix Rodríguez verhört. Die bolivianischen Soldaten und ihre US-amerikanischen Anleiter warteten auf eine Entscheidung aus La Paz – oder besser: aus Washington -, was mit Che zu geschehen habe. Am 9. Oktober 1967 wurde der Gefangene Che Guevara um 13:10 Uhr von Mario Terán, einem Feldwebel der bolivianischen Armee, ohne Gerichtsverhandlung erschossen. Der Befehl zum Mord kam aus Washington, wo man fürchtete, dass Che eine Gerichtsverhandlung zum Tribunal gegen den Imperialismus umfunktionieren würde. Deshalb sollte die Leiche Ches auch spurlos beseitigt werden. Ihr wurden beide Hände entfernt, um eine Identifizierung auszuschließen, dann wurde sie auf dem Flugplatz im etwa 30 Kilometer entfernten Vallegrande heimlich verscharrt.

Erst 1997 wurden die Leichname Che Guevaras und seiner neben ihm ermordeten Gefährten entdeckt, exhumiert und nach Kuba überführt, wo sie in einem eigens geschaffenen Mausoleum in Santa Clara beigesetzt wurden.

 

 

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