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Kurden protestieren gegen Überfälle türkischer Faschisten in Deutschland
Kurdistan
Dienstag, den 30. Oktober 2007 um 13:23 Uhr
Die gespannte Lage an der Grenze zwischen der Türkei und dem Irak, durch die auch Kurdistan geteilt wird, sowie die aufgeheizte nationalistische Stimmung in der Türkei schwappt zunehmend auch nach Deutschland über. Rechtsextreme Organisationen wie die MHP (Graue Wölfe) greifen gewaltsam kurdische Einrichtungen in Deutschland an. Kurdischen Quellen zufolge werden diese Aktionen in einigen Städten über die türkischen Konsulate koordiniert, in türkischen Moscheen wird zur Teilnahme daran aufgerufen.

So ist es in Berlin am Sonntag zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen, als eine Gruppe aus einer türkischen Demonstration heraus in Kreuzberg eine kurdische Moschee angriff. Es kam zu mehreren Verletzten und Festnahmen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Die kurdischen Institutionen in Berlin wurden unter Polizeischutz gestellt.

In Köln versammelten sich türkische Faschisten auf dem Domplatz und riefen „Tod der PKK“ und „Nieder mit den Kurden“. Organisiert war die Aktion von der Yunus-Emre-Moschee und türkischen Organisationen. Später zog der Zug zum kurdischen Verein „Mala Kurd“, wo es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen kam. Dabei wurden nach ersten Angaben vier Faschisten und drei Kurden verletzt, eine Person wurde festgenommen. Wie Vorstandsmitglieder des kurdischen Vereins mitteilten, habe man die Polizei bereits im Vorfeld vor möglichen Angriffen gewarnt, diese habe allerdings keine Maßnahmen getroffen.

In Hannover wurde ebenfalls ein kurdischer Verein von türkischen Faschisten angegriffen. Eine fünfköpfige Gruppe warf am Sonntagabend Steine auf das Vereinsgebäude. Vier der Täter konnten flüchten, einer wurde von Personen aus dem Verein erwischt und der Polizei übergeben.

In Heilbronn fand eine kurdische Demonstration gegen die geplante Militäroperation der türkischen Armee in Südkurdistan statt. Dabei kam es zu Provokationen türkischer Faschisten und daraufhin zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter auch drei Polizisten. Es gab mehrere Festnahmen.

In Dortmund marschierte ein Demonstrationszug von ca. 2000 Personen zum kurdischen Verein und provozierte. In Arnhem wurde zum zweiten Mal ein Brandanschlag auf den kurdischen Verein ausgeübt. Es kam zu geringem Sachschaden. In einem Kaffeehaus kam es nach Beleidigungen türkischer Faschisten gegenüber Kurden zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, in die 50 Personen verwickelt waren.

Die Föderation der kurdischen Vereine in Deutschland e.V. (YEK-KOM) warnt ebenfalls vor einer Eskalation der Gewalt und ruft zu einer politischen Lösung der kurdischen Frage auf: "Seit Jahren versucht die kurdische Seite mit friedlichen und demokratischen Mitteln ihre legitimen Rechte einzufordern. Aber die Politik der Türkei beharrt weiterhin auf Unterdrückung, Verleugnung, Verfolgung und einer militärischen Lösung der kurdischen Frage. Die jüngsten Geschehnisse in der Türkei machen dies deutlich. (...) Auch in Europa und in Deutschland werden die Hetzkampagnen der Militärs und der politischen Verantwortlichen in den türkischen Medien vorangetrieben. Am 24. und 27. Oktober 2007 gab es in Holland und Belgien Angriffe auf kurdische, assyrische und armenische Einrichtungen. In Deutschland wurden angemeldete und unangemeldete türkische Demonstrationen durchgeführt, bei denen es am Ende zu Attacken auf kurdische Vereine z.B. in Köln und Dortmund gekommen ist. In Duisburg bedrohten Türken, die der neofaschistischen MHP (Graue Wölfe) nahe stehen, stundenlang den dortigen Verein, in dem sich zu diesem Zeitpunkt zahlreiche Frauen und Kinder aufhielten. Es gab zahlreiche Festnahmen unter den Teilnehmern der nicht angemeldeten Demonstration.

In Berlin versuchten nationalistisch aufgestachelte Personen, eine kurdische Moschee anzugreifen. Bis in die Morgenstunden haben sie sich mit der Polizei eine Straßenschlacht geliefert.

Die antikurdische Hetze setzt sich auch in den Schulen fort. So verteilten türkische Lehrer in Bielefeld Flugblätter mit kurdenfeindlichen Texten; kurdische Schüler/innen wurden angriffen. Besorgte Eltern haben in zahlreichen Städten ihre Kinder in die Schulen begleitet und Vorsorgemaßnahmen mit den Schulleitungen besprochen. Der türkische Staat versucht mit dieser geschürten nationalistischchauvinistischen Stimmung das türkische und kurdische Volk gegeneinander aufzuhetzen.

Die kurdische Bevölkerung möchte dies mit aller Kraft verhindern. Die Menschen wollen sich nicht instrumentalisieren lassen. Die Kurdinnen und Kurden werden weltweit gegen diese Entwicklung, die nach den Plänen der politisch Verantwortlichen in der Türkei eine bürgerkriegsähnliche Situation herbeiführen soll, mit allen demokratischen und friedlichen Mitteln ihren Protest deutlich machen.

Wir wollen klar machen, dass die militärische Aggression die Konflikte verstärken und die ganze Region in eine Katastrophe führen wird. Die politischen Hintergründe der Kurdenfrage können einzig auf dem Weg eines politischen, friedlichen und gerechten Dialoges gelöst werden."

Scharf protestiert auch das Duisburger Netzwerk gegen Rechts gegen das Verhalten der Polizei, die es ermöglichte, eine nicht angemeldete Demonstration türklischer Nationalisten durchzuführen. In der Pressemitteilung der Gruppe heisst es: "Etwa 300 militante Nationalisten durften am gestrigen Sonntag durch Marxloh marschieren, obwohl sie anfangs keine Genehmigung hatten. Nach ein paar Durchsagen der Polizei und einem etwa einstündigen Kessel durch zahlreiche Beamte durfte sich ein Demonstrationszug formieren und Parolen gegen 'Vaterlandsverräter', für die Todesstrafe für den PKK-Vorsitzenden Abdullah Öcalan, sowie allerlei wüste Beschimpfungen skandiert werden. Der 'spontane' Anmelder dieses rechten Spektakels, Mustafa Kücük, Ex-CDU-Ratsherr in Dinslaken und Mitglied der Marxloher DITIB Gemeinde, wurde mit einem Polizeifahrzeug inklusive des eingebauten Megaphons bedacht, worüber er seine Durchsagen tätigen konnte." Weiter heisst es in der bei Indymedia veröffentlichten Erklärung: "Das es nicht zu einer Eskalation gekommen ist, liegt in unseren Augen vor allem an dem besonnenen Verhalten der zahlreich anwesenden Antifaschisten verschiedener Nationalität, die auf einen eigenen Demonstrationszug verzichtet und sich größtenteils nur vor den progressiven türkischen und kurdischen Einrichtungen getroffen haben, um diese mit ihrer Präsenz vor Angriffen zu schützen."

Quellen: cl.regionen.kurdistan, Indymedia, Evrensel / RedGlobe
 

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