| 27. Februar 1989: Das Massaker der »Demokratie« | | Drucken | |
| Venezuela |
| Freitag, den 27. Februar 2009 um 02:00 Uhr |
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Die Medien überschlagen sich in diesem Jahr mit Erinnerungsartikeln über Ereignisse vor zwanzig Jahren. »1989« wird zum »Schicksalsjahr« erklärt, in dem das Volk der DDR »die Freiheit eroberte«. Gerne wird dann auch davon abgelenkt, dass die regierenden Kommunisten der DDR keine Truppen gegen die oppositionellen Demonstrationen in Marsch setzten, sondern fast kampflos abtraten. Dazu wird dann anklagend auf China gezeigt, wo am 4. Juni 1989 Proteste gewaltsam niedergeschlagen wurden. Merkwürdig ruhig ist es heute aber über einen anderen 20. Jahrestag: am 27. Februar 1989 erhob sich die Bevölkerung Venezuelas gegen den neoliberalen Kahlschlag des »Sozialdemokraten« Carlos Andrés Pérez.
Im Jahre 1985 lebten offiziellen Angaben zufolge fünf Prozent der venezolanischen Bevölkerung in absoluter Armut, das bedeutet, sie hatten weniger als einen US-Dollar am Tag zur Verfügung. Knapp über dieser Grenze, in kritischer Armut, lebten 27 Prozent. In den folgenden Jahren sorgte die neoliberale Politik der Regierenden und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für eine immer dramatischere Verarmung der Bevölkerung. Bis 1993 stieg die Zahl der in absoluter Armut lebenden Menschen auf 33 Prozent an, zwei Drittel der Bevölkerung lebten nun in kritischer Armut. Bis 1998 sollte diese Zahl weiter bis auf 80 Prozent der Bevölkerung anwachsen. Inmitten dieser immer weiteren Verelendung ordnete der damalige Präsident Carlos Andrés Pérez, heute oft einfach »CAP« genannt, die Durchführung neuer Wirtschaftsmaßnahmen an, die den Vorgaben des IWF entsprachen. Unmittelbar erste Folge dieses Kahlschlags waren das Verschwinden von Brot und anderen Lebensmitteln aus den Geschäften sowie massive Preissteigerungen beim öffentlichen Busverkehr. Unzählige Menschen aus den armen Schichten der Bevölkerung waren damit vom Weg in das Zentrum der Hauptstadt Caracas ausgeschlossen, da sie die Preise nicht mehr bezahlen konnten. Am 27. Februar 1989 gingen Zehntausende auf die Straße, Autobahnen wurden blockiert, Geschäfte geplündert. Der Präsident befahl den Einsatz des Militärs gegen die protestierende Bevölkerung. Offiziell mehrere Hundert, Menschenrechtsgruppen zufolge aber bis zu 4000 Menschen fielen dem Massaker zum Opfer. Für den bedeutenden venezolanischen Essayisten Luis Britto García war der damalige Gewaltausbruch vorhersehbar und eine direkte Folge der neoliberalen Politik des Sozialabbaus von Carlos Andrés Pérez. »Es gab viele Vorläufer, die sich vor dem 27. Februar 1989 ereigneten. Ich kann zum Beispiel an die Ereignisse in Mérida 1987 erinnern, später Meridazo genannt. Dieser dauerte eine ganze Woche und führte in der Folge zu einer Zunahme der sozialen Proteste, die mit der Zeit immer gewalttätiger wurden«. Die soziale Explosion vom 27. Februar 1989 erfolgte, als einige Menschen in Guarenas sich auf den Weg zu ihren Arbeitsplätzen im Zentrum von Caracas machten und feststellen mussten, dass die Preise extrem in die Höhe geschnellt waren. Aus Protest sorgten sie dafür, dass der Busbahnhof schließen musste und bauten auf den wichtigsten Straßen Barrikaden aus brennenden Autoreifen. In den Mittagsstunden kam es dann in Caracas zu einer Reihe von Protesten, die nach einiger Zeit in Plünderungen umschlugen, als sich immer mehr Menschen in den Supermärkten mit Lebensmitteln und anderen Dingen versorgten, die ihnen von den Regierenden vorenthalten wurden. Britto García erinnert: »Am dritten Tag der Plünderungen wurde das 'Kriegsrecht' verhängt, was nichts anderes war als eine Ausrottungsmaßnahme gegen die Bevölkerung, ganz egal ob sie an den Plünderungen beteiligt war oder nicht. Zu diesem Zeitpunkt begann ein Massenmord an der Bevölkerung. Bis heute konnte die Zahl der Opfer, die diese Terrorpolitik gefordert hat, nicht genau beziffert werden«. Trotzdem sei es den Regierenden nicht gelungen, den Protest der Bevölkerung gegen die Herrschenden zu zerschlagen. Das werde durch die zahlreichen Arbeiter- und Studierendenproteste belegt, die sich in der Zeit nach dem »Caracazo« ereigneten. Für den bedeutenden Wissenschaftler symbolisiert der »Caracazo« einen Einschnitt in der venezolanischen »Vierten Republik«. Durch das Massaker hätten die Regierenden auch ihre letzte Legitimität eingebüßt. Dies führte seiner Ansicht nach direkt zu dem von Hugo Chávez geführten Aufstand vom 4. Februar 1992 und letztlich zur Bolivarischen Revolution, die vor wenigen Wochen ihren zehnten Jahrestag gefeiert hat. Videos (in spanischer Sprache) über die Ereignisse im Februar 1989 gibt es bei Venezuela aktuell: Bitte hier klicken Neuere Artikel:
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