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Mindestens ein Toter bei Protesten gegen Putsch - Militärrebellion gegen Putschisten?
Honduras
Dienstag, den 30. Juni 2009 um 12:47 Uhr
Die Putschisten haben gestern begonnen, brutal gegen die nach wie vor gegen den Staatsstreich vom vergangenen Sonntag protestierenden Menschen vorzugehen. Der Tod mindestens eines Menschen wurde bestätigt. Rosel Ulises Peña, ein Angestellter des Telekommunikationsunternehmens Hondutel, wurde einem Bericht von TeleSur zufolge von einem Militärfahrzeug überrollt und getötet, als er versuchte, das Eindringen der Soldaten in die Einrichtungen des Unternehmens zu verhindern. In der Umgebung des Präsidentenpalastes gingen die von den Putschisten dort zusammengezogenen Truppen auch mit Schüssen gegen die Demonstranten vor, deren Zahl von Augenzeugen auf mehr als 25.000 geschätzt wurde.

Unterdessen wird die Luft für die Putschisten zunehmend dünner. Unbestätigten Informationen zufolge sollen sich zwei Infanteriebataillone des honduranischen Heeres gegen die Putschisten erhoben haben. Angaben des Gewerkschafters Angel Alvarado zufolge soll es sich dabei um das Vierte Infanteriebataillon im  Bezirk Tela und um das Zehnte Infanteriebatallon im Bezirk La Ceiba, der zweitwichtigsten Stadt des Landes, handeln. Rafael Alegría von der Landarbeitervereinigung berichtete in einem Interview mit dem venezolanischen Portal Aporrea.org darüber, dass die Besetzer der Autobahn von Tela von Soldaten aufgefordert seien, ihre Aktionen fortzusetzen. Die Militärs hätten den Demonstranten zugesichert, keine Repression gegen sie anzuwenden, da sie selbst ebenfalls gegen den Staatsstreich seien.

Obwohl die Informationen über die offene Rebellion von Teilen des Militärs bislang nicht bestätigt werden konnte, verlas Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Rande des außerordentlichen Gipfeltreffens der ALBA-Staaten in Managua eine entsprechende Nachricht aus anderer Quelle und betonte, dass honduranische Volk habe das Recht, sich zur Verteidigung seiner Verfassung zu erheben, so wie dies das Volk Venezuelas am 13. April 2002 getan habe, als es den von den Putschisten eingesetzten Staatschef Pedro Carmona zum Teufel jagte. Er riet den honduranischen Putschisten, sich daran zu erinnern, wo Pedro Carmona heute sei. Dieser hatte sich aus dem Hausarrest in Caracas nach Kolumbien geflüchtet, wo er bis heute geduldet wird.

Wie Prensa Latina berichtet, kam es auch in der vergangenen Nacht zu schweren Zusammenstößen zwischen Tausenden von Demonstranten und den Truppen der Putschisten. In vielen Teilen der Hauptstadt Tegucigalpa wurden Barrikaden errichtet. Die Putschisten gingen mit vorgehaltener Waffe gegen die Demonstranten vor, die sich mit Steinen und Flaschen gegen die Unterdrückung zur Wehr setzten. Insgesamt sieben Journalisten des lateinamerikanischen Fernsehsenders TeleSur und der Presseagentur AP wurden von den Putschisten vorübergehend verhaftet und misshandelt.

Die drei Gewerkschaftsbünde von Honduras betonen, dass sie den gestern morgen begonnenen Generalstreik bis zur Wiederherstellung der Demokratie fortsetzen werden und lehnen jeden Dialog mit den Putschisten ab, die sie als "Faschisten" bezeichnen. Unterstützt werden sie vom Weltgewerkschaftsbund, der im Namen seiner weltweit 70 Millionen Mitglieder ein sofortiges Ende der weltweiten Einmischung des US-Geheimdienstes CIA in die inneren Angelegenheit anderer Staaten forderte. "Der Faschismus wird sich nicht durchsetzen, die Demokratie wird siegen - Internationale Arbeitersolidarität jetzt!" heißt es in der Erklärung des Gewerkschaftsbundes.

Auch in anderen Städten des Landes kam es weiter zu Protesten. Gewerkschaftsangaben zufolge wurden in Progreso, nahe der Stadt San Pedro Sula, sechs Busse des Unternehmens Transul in Brand gesteckt, das dem von den Putschisten ernannten "Übergangspräsidenten" Roberto Micheletti gehört.

Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya kündigte unterdessen an, dass er am Donnerstag in sein Land zurückkehren wolle. Begleiten wird ihn dabei der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza. Zugleich lud Zelaya alle Staatschefs der Region ein, ihn ebenfalls zu begleiten. „Der Präsident der Honduraner kehrt zurück, um seine Amtszeit als Präsident zu erfüllen. Ich kehre aus eigenem Entschluß unter dem Schutz Christi und des Volkes zurück. Ich kehre in mein Land zurück und werde die OAS bitten, mich zu begleiten, und ich akzeptiere das Angebot aller, die mich begleiten wollen, denn sie täten das auf Einladung des Staatschefs, es wäre also keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten“, erklärte Zelaya.

Guatemala, El Salvador und Nicaragua stellten sämtliche Handelsbeziehungen mit Honduras ein und schlossen die Grenzen zum Nachbarland. In einer von den Präsidenten Costa Ricas, El Salvadors, Guatemalas, Honduras', Panama, der Dominikanischen Republik, Belizes und Nicaraguas unterzeichneten Erklärung des Zentralamerikanischen Integrationssystems (SICA) wird u.a. festgelegt, dass alle Kredite und Auszahlungen der Zentralamerikanischen Bank an Honduras ausgesetzt und sämtliche Kontakte mit Honduras abgesagt werden. Kein honduranischer Vertreter, der nicht vom rechtmäßigen Präsidenten akkreditiert wurde, darf an Zusammenkünften der SICA teilnehmen. Wenn die verfassungsmäßige Ordnung nicht wieder hergestellt werde, sollen diese Maßnahme schrittweise weiter verschärft werden, bis Manuel Zelaya wieder in sein Amt eingeführt wurde. Es werde keine Regierung anerkannt, die aus diesem Bruch mit der verfassungsmäßige n Ordnung in Honduras hervorgehe, betonten die Präsidenten.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez kündigte an, eine Sondersitzung des energiepolitischen Zusammenschlusses Petrocaribe einzuberufen, um sämtliche Öllieferungen an Honduras einzustellen. Mit Blick auf die für November geplanten Präsidentschafts- und Parlamentswahlen in Honduras erklärte Chávez, diese könnten nicht anerkannt werden, wenn sie vor dem Hintergrund eines Staatsstreichs durchgeführt würden. Die Putschisten versuchten, Zeit zu gewinnen, aber eine Regierung, die aus von Putschisten kontrollierten Wahlen hervorgehe, könne nicht anerkannt werden.

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