| Deutsches Unternehmen KOSTAL feuert Betriebsrat in Brasilien | | Drucken | |
| Brasilien |
| Donnerstag, den 02. Februar 2006 um 12:40 Uhr |
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Das Lüdenscheider Unternehmen KOSTAL produziert erfolgreich technologisch anspruchsvolle Elektroprodukte. "Bedeutende Industrieunternehmen — insbesondere alle weltweit führenden Automobilhersteller und deren Zulieferer — gehören zu den Kunden", verkündet das Unternehmen stolz auf seiner Homepage und auch die Bilanzen sprechen für sich: gegenüber 473 Millionen Euro Umsatz im Jahr 1994 konnte KOSTAL diesen kontinuierlich steigern, bis er 2004 1,16 Milliarden Euro betrug. Erwirtschaftet KOSTAL diesen Erfolg auf dem Rücken seiner Beschäftigten in den weltweiten Niederlassungen? Ein an die RedGlobe-Redaktion gerichtetes Schreiben eines Betriebsrates und Gewerkschafters in der brasilianischen Niederlassung São Bernardo do Campo deutet darauf hin. Wie aus dem Schreiben hervorgeht, wurde der seit 20 Jahren in dem Betrieb beschäftigte Ricardo Pereira de Oliveira nach 10 Jahren Tätigkeit für den Betriebsrat von der Betriebsleitung entlassen. Dier Kollege und ihn unterstützende Gruppen bitten darum, sich mit dem betroffenen Kollegen zu solidarisieren und Protestschreiben an die Unternehmensleitung zu senden. Wir dokumentieren den Wortlaut des Schreibens und die Adressen, an die Protestschreiben gerichtet werden können.
Schreiben des entlassenen KollegenIch arbeite seit November 1985 bei KOSTAL Brasilien, meistens in der Abteilung für industrielles Ingenieurwesen. Seit 1987 bin ich ordentliches Mitglied unserer Metallarbeiter-Gewerkschaft von ABC in São Bernardo do Campo, Bundesland São Paulo – Brasilien (das wichtigste Industriegebiet unseres Landes) und nahm als ein Arbeitervertreter an den Kämpfen teil, die in unserer Fabrik stattfanden. Bei den Demonstrationen unseres Sektors und der Gewerkschaft war ich immer anwesend. Ich war Vize-Vorsitzender der Internen Kommission für Unfallvorbeugung (CIPA: Comissão Interna de Prevenção de Acidentes) und Mitglied des Rates zur Ausarbeitung der Ersten Satzung unseres Betriebsrates. 1996 wurde ich zum Mitglied des KOSTAL-Betriebsrates von Brasilien gewählt und bin dann zweimal zum Basisdirektor (Diretor de Base) der Metallarbeiter-Gewerkschaft von ABC in São Bernardo do Campo gewählt worden. Meine Mandate waren immer in ehrlicher und aufrichtiger Form der Verteidigung der Forderungen der Arbeiter/innen gewidmet. Am 5. Januar 2006, nach 20 Jahren Arbeitszeit und 10 Jahren als Vertreter der Arbeiterinnen und Arbeiter von KOSTAL Brasilien, hat mich die Konzernleitung willkürlich und widerrechtlich entlassen, in dem sie das Recht auf die Organisation und Vertretung der Arbeiter /innen und die Arbeitsplatzgarantie, die ich laut der Satzung der Internen Vertretung der Arbeiter von KOSTAL innehabe, verletzte. Diese Satzung schreibt vor: „Jedes Mitglied des Betriebsrats hat während der Gültigkeit seines Mandats den Verbleib an seinem Arbeitsplatz bis 12 Monate nach Beendung dieses Mandats gesichert.“ Daher besitze ich das Recht auf Verbleib an meinem Arbeitsplatz bei KOSTAL bis Mai 2006. Die Konzernleitung selbst hat anerkannt, dass meine Entlassung überhaupt nichts mit technischer Unfähigkeit meinerseits zu tun hat. Es handelt sich um eine politische Entlassung, die als Ziel hat, die Stimme der Opposition gegen die Angriffe zu schwächen, welche KOSTAL jetzt gegen die Arbeiter/innen durchführt, und die Verhinderung meiner erneuten Kandidatur zur nächsten Wahl der Internen Kommission für Unfallvorbeugung (CIPA), deren Einschreibungen im Februar stattfinden. Deswegen fand meine Entlassung Anfang Januar statt! Nach den 2005 schwierigen Wahlen zur CIPA und zum Direktor unserer Gewerkschaft warnte ich viele Kolleginnen und Kollegen davor, dass meine eventuelle Niederlage die Gelegenheit für meine Entlassung durch KOSTAL ermöglichen würde. Bedauerlicherweise war die Voraussage richtig. Mit meiner Entlassung versucht KOSTAL in Brasilien, die Arbeiter/innen und die Gewerkschaftsvertretung innerhalb der Fabrik einzuschüchtern, in dem sie mich vom Zusammenleben mit den Kollegen/innen zu entfernen, unser Recht auf Organisation mit den Füssen zu treten und meine Standhaftigkeit mit Geld zu kaufen versucht. Die Ehre der Arbeiterinnen und Arbeiter steht nicht zum Verkauf! Die Vertreter der Konzernleitung boten mir sogar eine „informelle“ Verhandlung über die mögliche Bezahlung einer Entschädigung an. Dieser Vorschlag veranschaulicht den Versuch der verhängnisvollen und schmutzigen Praxis des Einkaufs eines Arbeitermandats und der Arbeitsplatzsicherheitsperiode, die mir durch die Belegschaft gewährleistet wurde, in dem man den Kampf der Arbeiter/innen demoralisiert. Gegen diese Praktiken habe ich immer gekämpft und sie immer abgelehnt. Die Einmischung von KOSTALS in das Recht auf die freie Organisation der Arbeiter/innen in Brasilien verlangt eine Antwort der Gesamtheit der Werktätigen und Gewerkschaftsaktivisten der Welt. Unsere Gewerkschaften dürfen nicht schweigen und die Entlassung irgendeines Gewerkschaftsaktivisten irgendwelchen Unternehmens in Brasilien, einschließlich KOSTAL, akzeptieren. Die Verteidigung der Arbeiterklasse ist unser Oberprinzip und steht wider den Angriff der Arbeitgeber gegen jeden Arbeiter. Die unmittelbare Entlassung eines Arbeiters während der Arbeitsplatzsicherheitsperiode verletzt die fundamentalen Grundsätze der Arbeitsgesetzgebung und der Freiheit, Autonomie und Unabhängigkeit der Gewerkschaftsorganisationen von Brasilien. Wir können nicht auf dieses Recht verzichten, ohne einen gravierenden Präzedenzfall für neue Entlassungen zu schaffen. Mit dem Ziel, das Recht einer unabhängigen und autonomen Gewerkschaftsorganisation für die Arbeiter/innen zu garantieren und die Erfüllung dessen zu fordern, was die Satzung und die Arbeitsgesetzgebung festlegen, rufe ich alle kämpferischen Genossinnen und Genossen, Betriebsräte, Gewerkschaften, Gewerkschaftsoppositionen und linken Zeitungen, Zeitschriften, Parlamentarier, Gruppen und Parteien von Deutschland und weltweit auf, ihre uneingeschränkte Solidarität mit dem Kampf gegen meine Entlassung zu erklären. Ich habe schon alle Arbeiterinnen und Arbeiter, alle hiesigen Betriebsräte, alle Leiter unserer Gewerkschaft vom Industriegebiet ABC, im Bundesland São Paulo, aufgerufen, die alten Traditionen der Arbeiterkämpfe unserer Region wiederzubeleben und die Solidaritätsaktionen gegen meine widerrechtliche Entlassung zu verbreitern. Der Kampf gegen meine Entlassung und für das Recht auf meine Kandidatur bei der nächsten CIPA-Wahl sind aus diesem Grund auch ein klarer Beweis dafür, dass nur durch Kampf und Mobilisierung der Arbeiterklasse die gravierende Situation, in der das brasilianische Volk lebt, verändern werden kann. Bitte schickt Eure Protestschreiben und Solidaritätserklärungen an folgende Adressen: KOSTAL ELECTROMECÂNICA LTDA Rua General Bertoldo Klinger, 277 09688-000 - Vila Paulicéia São Bernardo do Campo - São Paulo – SP Vila Paulicéia São Bernardo do Campo - São Paulo – SP Betriebsleiter Herr W. Schwarz : Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Chef der Personalabteilung : Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Tel +55 11 2139-6100 Fax +55 11 2139-6308 SINDICATO DOS METALÚRGICOS DO ABC – BRASILIEN Rua João Basso, Nr. 231 - Centro São Bernardo do Campo – SP – CEP: 09721-100 Tel.: (0055)(11) 4128-4200 FAX: (0055) 4127-3244 Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. CONLUTAS ABCD (NATIONALKOORDINIERUNG DER KÄMPFE ABCD) : Tel.: (0055)(11) 4127-3244 Email: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. ; Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. Immer mit der Hoffnung auf die Solidarität der Arbeiterinnen und Arbeiter von Deutschland, RICARDO PEREIRA DE OLIVEIRA Neuere Artikel:
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