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Wikileaks-Gründer Julian Assange hat sich gegenüber dem US-Magazin »Forbes« als »Verteidiger der freien Märkte« geoutet. »Ich habe gemischte Gefühle gegenüber dem Kapitalismus, aber ich liebe Märkte«, sagte er. Er habe on verschiedenen philosophischen und ökonomischen Schulen gelernt, eine davon sei »der amerikanische Markt-Libertarismus«. »Ich bin libertär, aber ich habe genügend Wissen über Politik und Geschichte um zu verstehen, dass ein freier Markt als Monopol endet, wenn er nicht dazu gezwungen wird, frei zu sein«. Wikileaks dienen dazu »den Kapitalismus freier und ethischer zu machen«, so Assange. Er hoffe darauf, dass die Enthüllungen seines Dienstes dazu führen, dass es für Unternehmen einfacher und profitabler ist, sich korrekt und sauber zu verhalten, als zu versuchen mit schmutzigen Tricks Extraprofite zu scheffeln. Zu letzterer Kategorie gehörte demnach »eine grosse US-Bank«, aus deren Innenleben dem Internetdienst »Zehn- oder Hunderttausende Dokumente« vorlägen, die Wikileaks »Anfang kommenden Jahres« ins Netz stellen wolle. Diese könnten zum Zusammenbrach von »ein oder zwei Banken« führen.
Unterdessen bringen die Veröffentlichungen von Dokumenten der US-Diplomatie die Bundesregierung auch unabhängig von eher peinlichen als politischen Kommentaren über führende Politiker (»Teflon Merkel«) zunehmend in Schwierigkeiten. In der vergangenen Nacht stellte Wikileaks einen Bericht über Gespräche zwischen dem Ministerialdirektor im Bundeskanzleramt, Dr. Christoph Heusgen (CDU), US-Botschafter Philip D. Murphy und Philip H. Gordon, einem hohen Beamten des State Department in Washington, ins Netz. Demnach sprach sich Heusgen am 10. November 2009 gegen einen Abzug der noch in Deutschland stationierten Atomwaffen aus, solange Russland noch über »Tausende« Sprengköpfe verfüge. Ein entsprechender Passus im schwarz-gelben Koalitionsvertrag, der einen solchen Abzug fordert, sei nur auf Druck von Aussenminister Guido Westerwelle aufgenommen worden.
Am Dienstag nachmittag meldete Wikileaks ausserdem über Twitter, dass der Dienst erneut einem Angriff auf seine Server ausgesetzt sei, bei dem versucht werde, mehr als 10 Gigabyte pro Sekunde an Daten abzurufen. Ziel dieses »DDOS«-Angriffs dürfte sein, die Wikileaks-Seite zum Abstürzen zu bringen, um Interessierte an einem Abrufen der dort eingestellten Dokumente zu hindern.
Ein »sicherer Hafen« für Wikileaks könnte künftig Ecuador werden. Die Regierung in Quito lud Assange ein, damit dieser bei Veranstaltungen in dem südamerikanischen Land über die Enthüllungen berichten solle. Wenn er dies wünsche, könne er auch einen Antrag auf eine Aufenthaltsgenehmigung stellen, heisst es dazu in einer offiziellen Erklärung des ecuadorianischen Aussenministeriums - eine kaum verhüllte Einladung, in Ecuador Asyl zu suchen.
Homepage: cablegate.wikileaks.org
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