Montag, 27. Juni 2016
Solidaritätsanzeige

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. EssenFreundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. EssenDie Essener Regionalgruppe der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. hat sich in einem Glückwunschschreiben aus Anlass der Freilassung der »Cuban Five« und des heutigen Jahrestages des Sieges der Kubanischen Revolution 1959 an die kubanische Botschaft in Deutschland und an das Kubanische Institut für Völkerfreundschaft (ICAP) gerichtet. Wir dokumentieren nachstehend den Wortlaut dieses Schreibens.

»Ich habe gelebt: Der Pflicht habe ich meine Waffen verschrieben und nicht einmal verschwand die Sonne hinter den Bergen, ohne meinen Kampf und meinen Sieg zu sehen.«  
José Martí

Liebe Compañeras und Compañeros,

das Jahr 2014 endet für die cubanische Revolution mit einem Doppel-Sieg: Unsere drei Brüder Antonio, Gerardo und Ramón konnten am 17. Dezember endlich befreit werden, womit nun die Forderung »Freiheit die die MIAMI 5« komplett erfüllt wurde, und der US-Präsident musste eingestehen, dass über 50 Jahre völkerrechtswidriger Totalblockade gegen Euer Land nicht den erhofften Erfolg, nämlich den Sturz des Sozialismus, hatte und er sich daher mit einer Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen einverstanden erklären musste.  

In der Botschaft der Abteilung für Internationale Beziehungen des Zentralkomitees an die befreundeten Organisationen in der Welt vom 18.12.2014 wurde darauf hingewiesen, dass die Freude über die Rückkehr unserer fünf Brüder sowie »sowie die Entscheidung zwischen den Regierungen von Kuba und den Vereinigten Staaten, die diplomatischen Beziehungen wieder herzustellen und für ihre Normalisierung zu arbeiten (…) nur vergleichbar mit dem historischen Sieg der kubanischen Revolution am 1. Januar 1959« sei. Wir teilen diese große Freude  mit dem cubanischen Volk von ganzem Herzen und beglückwünschen Euch zu diesem grandiosen Sieg, der nur möglich wurde durch die Standhaftigkeit und persönliche Integrität der Fünf, den unbeugsamen Kampf des revolutionäre Cuba und die kontinuierliche Unterstützung durch die weltweite Solidaritätsbewegung.

Bezüglich der angekündigten zwischenstaatlichen Normalisierung, die ausdrücklich noch keine Aufhebung der Blockade beinhaltet, gibt es von linken Organisationen in diese Tagen vielfach Hinweise auf die damit zusammenhängenden Gefahren für die cubanische Revolution. Diese Hinweise sind sicherlich berechtigt. Weniger sinnvoll dagegen sind nun Ratschläge an die cubanischen Entscheidungsträger. Wir erinnern daran, dass die Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen zwischen Cuba und den USA, der EU und BRD zu den Kernforderungen des jahrzehntelangen Kampfes nicht nur Cubas, sondern auch der Solidaritätsbewegung gehörte und gehört. Mit der nun angekündigten Normalisierung würden wesentlich bessere Voraussetzungen geschaffen für die weitere, eigenständige Entwicklung des souveränen, revolutionären Cuba. Dass es seitens der cubanischen Regierung keinerlei Illusionen gibt, machte Präsident Raúl in seiner Rede am 20.12.2014 vor der Nationalversammlung deutlich, als er u.a. ausführte: » Wir werden uns weiterhin mit den Auswirkungen der globalen Wirtschaftskrise und der US-amerikanischen Blockade auseinandersetzen müssen, die weiterbestehen und unleugbare Hindernisse für die Entwicklung unserer Wirtschaft mit sich bringen«.

Es wäre wenig sinnvoll, wenn der nun erreichte historische Erfolg für die cubanische Revolution durch Skeptizismus seitens der Freundinnen und Freunde Cuba erstickt würde. Wir vergessen nicht, was der Grund dafür war, dass die cubanischen Kundschafter in den 90er Jahren nach Miami gesandt werden mussten: Cuba hatte bis dahin 3.478 Tote und 2.099 Invalide durch von US-Territorium ausgehende Terrorakte zu beklagen. Raúl bekräftigte in diesem Zusammenhang in seiner o.g. Rede, dass für die Verbesserung der Beziehungen Kuba nicht auf die Ideen verzichten werde, für die es über mehr als ein Jahrhundert hinweg gekämpft habe, »für die sein Volk viel Blut vergossen hat und die größten Gefahren eingegangen ist«.

Es dürfte auf Cuba keinen einzigen Revolutionär geben, der der Illusion verfallen wäre, dass mit der Normalisierung der zwischenstaatlichen Beziehungen zu den USA diese Gründe entfallen wären.

Auch wenn nicht zu übersehen ist, dass die Contras von Washington über Miami und Berlin bis Havanna aufheulen, weil sie momentan ihre Felle davonschwimmen sehen, werden die Versuche, die cubanische Revolution mit der Strategie des »Wandels durch Annäherung« zu erwürgen, selbstverständlich zunehmen.

Genau so wenig, wie man dem Regen befehlen kann, nur noch von unten nach oben zu fallen, kann man vom Imperialismus erwarten, sein Ziel aufzugeben, die cubanische Revolution eliminieren zu wollen. Für diese jedoch ist es von größter Bedeutung, in welchem internationalen Umfeld und unter welchen ökonomischen Bedingungen dieser Kampf stattfindet. Raúl meinte in seiner Rede hierzu, »die Herausforderungen an die Cubaner seien noch größer geworden und die Wirtschaft müsse auf die Höhe der politischen Anerkennung gehoben werden, die diese kleine Karibikinsel dank der Revolution errungen habe«.  

Der Kampf um die Umsetzung der Aktualisierungen des ökonomischen Systems, die hier angesprochen wurden, obliegt dem cubanischen Volk. Zugleich bleibt es die Aufgabe der internationalen Solidaritätsbewegung, Cuba im Kampf für Aufhebung der Blockade aktiv zu unterstützen und in ihren Ländern weiterhin die Wahrheit über Cuba zu verbreiten und die absehbar zunehmende ideologische Diversion zu attackieren.

Im bevorstehenden Jahr 2015 wird nicht nur das 56jährige Bestehen der cubanischen Revolution gefeiert werden können, es wird auch das Jahr der 25jährigen, ununterbrochenen Solidaritätsarbeit der Essener Regionalgruppe der Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V. sein. Wie könnten wir dieses Jubiläum besser begehen, als damit, auch in diesem Jahr mit unseren bescheidenen Mitteln das sozialistische Cuba in seinem Kampf weiterhin zu unterstützen.

José Martí hat gesagt: »Wer Cuba verteidigt, verteidigt Lateinamerika«. Wir fügen hinzu: Wer Cuba verteidigt, verteidigt die grundlegenden humanistischen Werte der Menschheit, verteidigt die eigene Zukunft.

Wir gratulieren dem cubanischen Volk, seinen Massenorganisationen und seiner Regierung sowie Fidel und Raúl persönlich zum bevorstehenden 56. Jahrestag Eurer siegreichen Revolution!

Wir senden Euch und Euren Familien herzliche, kämpferische und internationalistische Grüße zum bevorstehenden Jahreswechsel und dem Beginn des »Jahres 57 der Revolution«.

Freundschaftsgesellschaft BRD-Kuba e.V., Regionalgruppe Essen
i.A. Heinz-W. Hammer, Vorsitzender