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Griechenland entert das Schiff »Tahrir« der Gaza-Flottille | Drucken |  E-Mail
Palästina
Dienstag, den 05. Juli 2011 um 10:15 Uhr

Während der EnterungGestern abend hat die griechische Küstenwache das kanadische Schiff »Tahrir« wenige Meilen vor der Küste Griechenlands geentern und es zurück in den Hafen von Agios Nikolaos geschleppt. Die formale Eignerin des Schiffs, die jüdische Kanadierin Sandra Ruch, wurde festgenommen. Die »Tahrir« ist das Schiff, das sich mit Unterstützung des »Deutschen Koordinationskreises Palästina Israel« (KOPI) an der zweiten Freiheitsflottille nach Gaza beteiligen will. Auf dem Schiff befindet sich auch der deutsche Journalist Peter Wolter von der Tageszeitung junge Welt. Dieser berichtete telefonisch von Bord, bei der Enterung des Schiffes durch die griechischen Behörden habe es keine Verletzten gegeben. Die Küstenwache habe neben einer Wasserkanone allerdings auch bewaffnete Soldaten an Bord gehabt, teilte Wolter mit.

Die »Tahrir« hatte als drittes Schiff der Flottille versucht, ihren Hafen trotz Verbots durch die griechische Regierung zu verlassen. In den vergangen Tagen hatten bereits das US-Schiff »Audacity of Hope« und die spanische »Gernika« erfolglos versucht, von den Häfen bei Piräus und Chania auf Kreta in See zu stechen.

»Artikel 13 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stellt fest, dass jeder das Recht hat, jedes Land zu verlassen. Die Blockade der Freedom-Flottille durch die griechische Regierung ist ein klarer Verstoß gegen dieses Menschenrecht«, kritisierte ein KOPI-Sprecher. »Griechenland hat nicht das Recht, ausländisch geflaggte Schiffe in seinen Häfen festzuhalten außer zur Sicherstellung der Seetüchtigkeit mittels zeitgerechter Inspektion. Und es darf bei einer ‚friedlichen Durchfahrt’ durch seinen Hoheitsgewässer nicht eingreifen; und diese Durchfahrt ist definitiv eine friedliche Durchfahrt«, so Richard Falk, US-amerikanischer Professor des internationalen Rechts und zweifach Beauftragter der Vereinten Nationen zur Frage der palästinensischen Gebiete.

»Die Ausdehnung der Gaza-Blockade auf Griechenland durch Israel ist nur das jüngste Beispiel dafür, wie durch die Blockade von Gaza die Freiheit attackiert und die Sicherheit nicht erhöht wird,« so David Heap, Besatzungsmitglied der Tahrir. »Griechenlands Position ist störend, aber dies sollte nicht unsere Aufmerksamkeit von Israel und seiner illegalen und inhumanen Blockade von Gaza ablenken. Israel ist der Ursprung des Problems und es wird früher oder später durch die internationale Gemeinschaft zur Rechenschaft gezogen werden,« pflichtet ihm Sandra Ruch vom Steuerkreis der Tahrir bei.

Ebenfalls am gestrigen Abend demonstrierten rund 100 Menschen am Brandenburger Tor in Berlin zur Unterstützung der Flottille und gegen das Auslaufverbot in Griechenland. Die menschenrechtspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Die Linke, Annette Groth, forderte freie Fahrt für die Flottille und die Freilassung des Kapitäns der US-amerikanischen »Audacity of Hope«, John Klusmire .

Unterdessen lehnten die internationale Free-Gaza-Bewegung und die Organisatoren der Freiheitsflottille ein Angebot der griechischen Regierung ab, aus dem sie lediglich aus den Medien erfahren hatte. Athen hatte vorgeschlagen, die humanitäre Fracht nach Gaza zu liefern. »Obwohl Berichte darauf hinweisen, dass dieses Angebot an die Organisatoren der Flottille gerichtet wurde, wurden wir dazu nicht kontaktiert, weder direkt noch durch Dritte«, hiess es dazu von Seiten der Kampagne. »Das Angebot, so wie darüber berichtet wird, ist unzureichend, weil es sowohl das verdeckte Einverständnis mit der israelischen Blockade zeigt als auch die vollständige Nichtanerkennung der palästinensischen Menschenrechte, denn es reduziert die Problematik von Gaza und Palästina als Ganzes auf eine Sache der humanitären Hilfe. Dennoch sind wir bereit, einen Gegenvorschlag mit der griechischen Regierung zu diskutieren nach den Grundzügen früherer Vorschläge der griechischen und zypriotischen Regierung für einen direkten Seeweg nach Gaza von einem dieser Länder.«

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