Samstag, 25. Juni 2016
Solidaritätsanzeige

Protestkundgebung am Donnerstag vor der US-Botschaft in Berlin. Foto: Kurt Sonntag (CC BY-SA 3.0 DE)

Am Mittwoch um 19 Uhr abends (Ortszeit) wurde der Journalist und politische Gefangene Mumia Abu-Jamal zurück auf die Krankenstation des Gefängnisses SCI Mahanoy in Frackville, Nord-Pennsylvania, verlegt. Wieder erfuhren sowohl Angehörige als auch Verteidiger erst viele Stunden später davon, nämlich am Mittag des nächsten Tages. Zwei Tage zuvor war Mumia nach einer plötzlichen Bewusstlosigkeit in ein öffentliches Krankenhaus in der Nähe des Gefängnisses, das Schuylkill Medical Center in Pottsville, überstellt worden. Die Diagnose lautete auf einen Diabetesschock. Ein solcher ist unbehandelt lebensgefährlich.

Skandalös an dem gesamten Vorgang ist nach Ansicht des Bundesweiten Netzwerks gegen die Todesstrafe vor allem, dass, obwohl Mumia Abu-Jamal seit Anfang Januar bereits einmal ohnmächtig war und dann wochenlang an schweren Hautausschlägen litt, und obwohl drei Bluttests gemacht wurden, das Gefängniskrankenhaus nicht die schwere Diabetes erkannte, an der er offenbar erkrankt ist. Dabei ist die Suche danach Standard bei US-amerikanischen Bluttests.

Zudem wurde niemand, weder Angehörige noch Verteidiger, von der Verlegung in das öffentliche Krankenhaus informiert. Sie wurde zufällig bekannt, weil am Montagmittag zwei Mitglieder des Verteidigungsteams ihren Mandanten besuchen wollten, nachdem er am Telefon »sehr schlecht geklungen« hatte.

Johanna Fernandez, Mitglied der Verteidigung, dazu: »Diese Krise macht deutlich, dass die Gesundheitsversorgung in amerikanischen Gefängnissen eine Menschenrechtsverletzung ist. Wäre er rechtzeitig behandelt worden, wäre diese Lage gar nicht erst eingetreten. Damit steht er leider absolut nicht allein.«

Die von der Gefängnisleitung verordnete Abschottungspolitik hält an. Zwar durften ihn nach über 24stündigen internationalen Telefonprotesten Abu-Jamals Ehefrau Wadiya, seine beiden Brüder und sein Sohn schließlich für jeweils 30 Minuten sehen – danach verweigerte die Gefängnisleitung aber weitere Besuche für die kommenden sechs Tage.

Familienangehörige und Verteidigung von Abu-Jamal verlangen Zugang zu dem Gefangenen. Die Unterstützer fordern darüber hinaus, dem Drama der lebenslänglichen und Langzeitgefangenschaft endlich ein Ende zu machen und alle Gefangenen über 55 Jahren zu entlassen.
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Am Donnerstag demonstrierten in Berlin trotz eines Unwetters etwa 80 Menschen vor der US-Botschaft am Brandenburger Tor für die Freilassung von Mumia. Suzanne Ross von der New Yorker »Free Mumia Coalition« erklärte in einer Telefonschaltung, die aktuellen Vorgänge um Mumia kämen beinahe einer »Hinrichtung durch die Hintertür« gleich. Sie rief dazu auf, bei den zuständigen Behörden mit Anrufen, Faxen und E-Mails zu protestiere. Pennsylvanias Justiz scheue in letzter Konsequenz immer wieder die internationale Öffentlichkeit.

Wichtigster Adressat dabei ist der Leiter des SCI Mahanoy, John Kerestes: Telefon: 001-717-728-2573 / E-Mail: John Kerestes, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Am heutigen Freitag, der in Pennsylvania kein Feiertag ist, wird die Mumia-Solidaritätsbewegung der USA vor dem Büro von John Wetzel demonstrieren, der als ausführender Sekretär der Gefängnisbehörde von Pennsylvania vorsteht. Auch er freut sich über Protest-Mails: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!