19 | 06 | 2019

„Das war ein Blutbad, verübt an wehrlosen Demonstranten“, kommentiert Christine Buchholz, die für die Fraktion DIE LINKE im Verteidigungsausschuss des Bundestages sitzt, das Vorgehen von sudanesischer Armee und Milizionären in Khartum am gestrigen Montag, bei dem laut Ärzten mindestens 35 Menschen getötet wurden.

Seit Dezember letzten Jahres protestieren Tausende im Sudan für soziale und politische Veränderung. Am 19. Dezember gingen erstmals Menschen auf die Straße um gegen die von der Regierung angekündigten Preiserhöhungen für Brot zu demonstrieren. Seitdem sind die Proteste nicht nur angewachsen, auch ihre Forderungen haben sich ausgeweitet. Die Menschen fordern neben einem Ende der Kürzungs- und Austeritätsmaßnahmen auch einen grundlegenden politischen Wandel in ihrem Land.

„Wir begrüßen, dass die monatelangen Proteste der Sudanesinnen und Sudanesen dazu geführt haben, dass Umar al-Bashir endlich abtreten musste“, kommentiert Stefan Liebich, außenpolitischer Sprecher der Fraktion DIE LINKE, den Sturz des sudanesischen Diktators durch das Militär am vergangenen Mittwoch.

Sudanese CP ArabicDie Sudanesische Kommunistische Partei hat den am heutigen Donnerstag durchgeführten Staatsstreich der Militärführung verurteilt. Die Partei, die eine der führenden Kräfte der seit Monaten anhaltenden Protestbewegung war, rief die Menschen auf, die Demonstrationen fortzusetzen, bis ihre Forderungen erfüllt sind. Sie stellte sich damit offen gegen Anordnungen der neuen Militärjunta, die den Ausnahmezustand und eine nächtliche Ausgangssperre verhängt hatte.

SudanesePAIm Sudan hat das Militär offenbar die Macht übernommen und den seit 30 Jahren regierenden Staatschef Omar Al-Baschir gestürzt. Die staatlichen Rundfunk- und Fernsehsender unterbrachen ihr reguläres Programm, senden Marschmusik und Ankündigungen, dass man ein Statement des Militärs erwarten solle. Die »Sudan Tribune« berichtete, dass Panzer in der Hauptstadt Khartum aufgefahren seien. Der Aufenthaltsort von Al-Baschir sei unbekannt, so das Internetportal weiter. »Glaubwürdige Quellen«, so die Sudan Tribune, hätten erklärt, dass das Militär mit seinem Eingreifen einem Putsch islamistischer Kräfte zuvorgekommen seien.

Sudanese CP ArabicHunderttausende Menschen haben gestern (Sa., 6. April 2019) in der Hauptstadt Khartoum und anderen großen Städten und Ortschaften in ganz Sudan demonstriert und das Ende des Regimes gefordert.

Der 6. April wird mit feurigen und blutigen Lettern in die Annalen der revolutionären Geschichte eingehen und zum zweiten Mal den Sieg unseres Volkes über die Diktatur markieren.

Wir dokumentueren eine Pressemitteilung der Sudanesischen Kommunistischen Partei (SCP).

Wo doch Sudans Militärdiktator Omar El Bashir in der Presse bemüht erscheint, die Wogen des seit 19. Dezember rumorenden Aufstands zu glätten mit politischen Erklärungen, Freilassungen von einigen Politikern.

Sudanesische Kommunistische ParteiDie Repressionsmaßnahmen des im Sudan herrschenden Regimes gegen die seit dem 19. Dezember andauernden Massenproteste fordern immer mehr Opfer. Laut den bisher vorliegenden Meldungen wurden mehr als 40 Menschen durch die sogenannten Sicherheitsorgane getötet, Hunderte wurden verletzt. Der staatliche Terror richtet sich zunehmend auch gegen die legale Sudanesische Kommunistische Partei (SCP). Bereits zu Beginn der Proteste, die sich zunächst gegen die Erhöhung der Brotpreise richteten, wurden Mitglieder und Funktionäre der Partei verhaftet. Mindestens sechs Mitglieder des Zentralkomitees wurden in Gefängnisse gesteckt.

Die Verdreifachung des Brotpreises am 17. Dezember war der Anlass, der das Fass zum Überlaufen brachte. Arbeiter, Studenten, Angestellte, Männer und Frauen gingen auf die Straße, demonstrierten gegen die Regierung, die während des Jahres vom Internationalen Währungsfonds auferlegten Wirtschaftsreformen auf die Bevölkerung abzuwälzen sucht. Die Lebenshaltungskosten waren bei einer Inflationsrate von fast 70 Prozent in den letzten Monaten explodiert, vor den Bäckereien bildeten sich lange Schlangen. Von Port Sudan am Roten Meer ging der Protest aus, und als der das ganze Land erfasste, verfügte die Regierung nächtliche Ausgangssperren und setzte die Armee ein.

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