20 | 05 | 2019

Tausende für den Sozialismus. Foto: AVNAm gestrigen Donnerstag jährte sich zum 25. Mal die blutige Niederschlagung des venezolanischen Volksaufstandes vom 27. Februar 1989, der als »Caracazo« in die Geschichte eingegangen ist. Damals hatte die arme Bevölkerung der venezolanischen Hauptstadt Caracas rebelliert, nachdem Regierungschef Carlos Andrés Pérez massive Preiserhöhungen verordnet hatte. Diese gefährdeten die Lebensgrundlage der Menschen, von denen viele ohnehin schon hungerten. Bei der Unterdrückung der Proteste durch die Staatsmacht wurden Hunderte getötet. Aus Anlass des Jahrestages demonstrierten Tausende Menschen am Donnerstag gegen eine Rückkehr zu den damaligen Verhältnissen. Der rechten Opposition, die seit Wochen mit gewaltsamen Protesten versucht, einen Sturz der demokratisch gewählten Regierung zu erreichen, werfen die Anhänger von Präsident Nicolás Maduro vor, genau das anzustreben.

 

Aus Anlass des Jahrestages hatte die Regierung den Donnerstag und Freitag für arbeitsfrei erklärt. So konnten seit den frühen Morgenstunden zahlreiche Einwohner der Barrios, wie die armen Viertel in Venezuela genannt werden, ins Zentrum kommen. Wie die staatliche Nachrichtenagentur AVN berichtete, machten sich Tausende Einwohner von Guarenas, Petare, Antímano, El Valle und Catia auf den Weg zum Parque Ezequiel Zamora, dem früheren Parque El Calvario, im Zentrum der Hauptstadt, symbolträchtig gelegen zwischen dem Präsidentenpalast Miraflores und der ehemaligen Bergkaserne, in der Hugo Chávez seine letzte Ruhestätte gefunden hat. An der Veranstaltung nahmen auch Angehörige der während des »Caracazo« getöteten Menschen teil, so Yublekis Mendoza, die damals ihre Mutter durch den Schuss eines Soldaten verloren hatte. »Es war am 1. März, als sie gezielte Morde durchführten. Sie war in ihrer Hütte, und ein Scharfschütze erschoss sie von einem gegenüberliegenden Gebäude aus«, berichtete sie dem Reporter der Nachrichtenagentur AVN.

Bei der Kundgebung erinnerte Venezuelas Vizepräsident Jorge Arreaza an die Ereignisse vor 25 Jahren. Carlos Andrés Pérez sei erst 25 Tage zuvor gewählt worden, doch schon sei das Volk gegen sein neoliberales Paket auf der Straße gewesen. 1989 sei Venezuela noch »eine Kolonie des Imperiums« und dem Internationalen Währungsfonds unterworfen gewesen. Dagegen habe sich das Volk von Caracas erhoben, gegen das die Staatsmacht Militär und Polizei geschickt habe. Arreaza erinnerte daran, dass erst die Regierung von Hugo Chávez die Verantwortung des Staates für das damalige Massaker anerkannt und 102 Opferfamilien entschädigt habe. »Ruhm und Ehre den Opfern. Das wird sich in Venezuela niemals wiederholen, denn die Bourgeoisie wird hier nie wieder regieren«, unterstrich der Vizepräsident.

Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro unterstrich, dass das selbe Volk, das 1989 gegen die neoliberale Politik rebelliert habe, heute den Sozialismus des XXI. Jahrhunderts aufbaue. »Das vor 25 Jahre massakrierte Volk ist heute das revolutionäre Volk, das den bolivarischen Sozialismus aufbaut und in diesem Jahrhundert konsolidieren wird«, schrieb er in einer Nachricht im Internetdienst Twitter.

Zu Auseinandersetzungen kam es am Donnerstag im Mittelschichtsviertel Altamira. Einige hundert Regierungsgegner hätten dort versucht, Barrikaden zu errichten, berichteten westliche Medien. Daraufhin seien die Sicherheitskräfte mit Tränengas und Schlagstöcken gegen die Militanten vorgegangen. Der örtliche Bürgermeister Gerardo Blyde sprach von 20 Verletzten. Der deutschen Nachrichtenagentur dpa war dies eine längere Meldung wert – die Demonstration Tausender Sozialisten wurde darin in einem Satz abgehandelt.

Ähnlich verschweigen die westlichen Agenturen die Spaltung der Opposition. Während gemäßigte Oppositionspolitiker und Unternehmer sich an der von Staatschef Maduro einberufenen Nationalen Friedenskonferenz beteiligen, behaupten dpa und andere, die Opposition boykottiere. Doch selbst der regierungsfeindliche Fernsehsender Globovisión hat in einer am Donnerstag verbreiteten Erklärung die Einberufung der Konferenz durch Maduro begrüßt: »Wir sind bereit, dazu beizutragen, dass deren Ziel erfolgreich erreicht wird.«

Real time web analytics, Heat map tracking
Solidaritätsanzeige

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.