Sonntag, 27. Mai 2018
Solidaritätsanzeige

Gisela García nimmt Carlos »Emilio« Serpa als Ehrenmitglied in den kubanischen Journalistenverband aufEs ist erst einige Tage her, daß in Havanna zwei Männer vor die Presse traten, die bis dahin als »Wortführer der Dissidenten« bekannt waren. Carlos Serpa war so etwas wie der Sprecher der »Damen in Weiß«, einer Gruppe, die im Westen hochgeschätzt wird und von der EU mit einem mysteriösen »Menschenrechtspreis« subventioniert wurde. Er war einer der »unabhängigen Journalisten«, nannte sich »Direktor der Union Freier Journalisten Kubas«. Nun entpuppte er sich als »Agent Emilio«, Mitarbeiter des kubanischen Innenministeriums. Mit ihm sprach Deisy Francis Mexidor für die kubanische Jugendzeitung »Juventud Rebelde«. Wir veröffentlichen das Interview in einer gekürzten Fassung.

Woher stammst du?


Ich komme aus der Provinz Matanzas, aus Cárdenas, woher auch der Studentenführer José Antonio Echeverría stammte. Ich habe auf der Isla de la Juventud gelebt, wo auch meine Tochter geboren wurde, die jetzt 18 Jahre alt ist.



Wie wurdest du »Emilio«?

Das ist mein Deckname bei der Staatssicherheit. Mein Onkel hieß Emilio, er hat mich aufgezogen, und ich denke, seinen Namen zu tragen ist eine besondere Art, sein Andenken zu ehren und das, was er immer verteidigt hat. Er war einer der Kämpfer der Playa Girón, gegen die Invasion in der Schweinebucht.

Wie hat alles begonnen?

Mit dem berüchtigten »Komitee für Menschenrechte«, dessen Vorsitzender Hubert Rodríguez Tudela war, der jetzt in den USA lebt, danach bin ich zur »Stiftung Isla de Pinos« gekommen, einer anderen konterrevolutionären Gruppierung, wo ich eine Art »Sprecher« wurde. Damals habe ich meine ersten Reportagen für den USA-Sender »Radio Martí« gemacht. Danach bekam ich Kontakt zur »Union unabhängiger kubanischer Journalisten und Schriftsteller«, eine angebliche Nachrichtenagentur, mit dem gleichen Charakter wie die anderen Gruppierungen. Sie wurde angeführt von der damaligen Kubanerin Fara Armenteros, die heute auch in den USA lebt.

Wie ging der Kontakt vonstatten?

Ich habe als staatlicher Inspektor gearbeitet. Einige Leute mit konterrevolutionärer Einstellung haben mich 2001 angesprochen, und ich habe die Sicherheitsorgane darüber informiert. Daraufhin erhielt ich den Auftrag, mit den Leuten zusammenzuarbeiten.

Welchen Wert hat nach deinen Erfahrungen diese »innere Opposition«?

Die Konterrevolution hat ihre Seele an den Teufel verscherbelt. Es sind Söldner, keine Patrioten, und sie haben keinerlei Überzeugungen. Sie arbeiten für Dollars, sie machen irgendwelche Aktionen und kassieren dafür Geld.

Ich gebe dir ein Beispiel: Jorge Luis García Pérez (Antúnez), der im Ausland ein großes Ansehen genießt. Er sagt, er werde einen Protestmarsch an irgendeinem Ort Kubas organisieren, und sie geben ihm Geld dafür. Dann wird berichtet, daß an der »Manifestation« 150 oder 200 Personen teilgenommen haben, was gelogen ist, denn in Wirklichkeit war er dort mit vielleicht zwei weiteren Provokateuren. Mit dem Geld finanziert er sich ein schönes Leben.

Ebenso verhalten sich Leute wie Martha Beatriz Roque Cabello, Elizardo Sánchez, Juan Carlos González Leyva, der sich Exekutivsekretär des Rates der Berichterstatter über Menschenrechte in Kuba nennt. González Leyva hat sich als Söldner einige Besitztümer angeeignet. Er hat zum Beispiel unter dem Vorwand, Telefonkarten an Gefangene zu verteilen, eine Menge Geld aus Miami bekommen und in seine Tasche gesteckt.

Keiner dieser sogenannten Dissidenten handelt aufgrund moralischer Überzeugungen, das einzige, was sie lenkt, ist das Geld.

Mir haben sie eines Tages vorgeschlagen, einen Blog einzurichten, der unter dem Namen »El Guayacán cubano« arbeiten sollte. Das sollte so ähnlich laufen wie mit der im Westen sehr bekannten Bloggerin Yoani Sánchez, um damit Geld zu verdienen.

Wie sollte das ablaufen?

Sie sagten, daß ich mich über den Blog an Mitläufer wenden und sie um Geld bitten sollte, um leben zu können. Den Blog hat in Wirklichkeit Enrique Blanco geleitet, ein Kontra aus Puerto Rico, von der »Operación Liborio«, die dazu dient, die angebliche Opposition aus dem Ausland zu finanzieren. Er hat Informationen in den Blog gestellt, so, als wenn sie von mir kämen, als ob ich an bestimmten Aktionen teilgenommen hätte, fast immer in Verbindung mit den »Damen in Weiß«, mit denen er in direktem Kontakt steht und deren Berichte er formuliert.

Ist es schwer, eine Medienkampagne gegen Kuba zu organisieren?

Überhaupt nicht. Ich mußte nur mit »Radio Martí« Verbindung aufnehmen, die haben dann sofort den entsprechenden Aufruf gesendet, ohne jegliche Bestätigung oder Überprüfung. Erst vor Kurzem habe ich noch so ein Gerücht fabriziert. Ich habe behauptet, daß ich eine große Ansammlung von Agenten der Staatssicherheit beobachtet hätte, als ich aus meinem Haus zum Provinzgericht in Havanna gegangen sei, und daß ich dort auch die Anwesenheit ausländischer Journalisten bemerkt hätte, obwohl die mich nicht gesehen hätten. Das habe ich dann etwas aufgepeppt mit der Behauptung, daß die Agenten mich erkannt und in ein Auto gezerrt hätten. Dann hätten sie mich unter Androhung von Gewalt zu einer Polizeistation gefahren.

Als ich dann meinen Kontaktmann bei »Radio Martí« anrief, sagte der mir nur, ich müsse bei der Androhung der Gewalt etwas genauer werden. Das habe ich getan. »Radio Martí« hat nichts überprüft.

Es geht lediglich darum, Kuba öffentlich zu diskreditieren, auf jede nur mögliche Weise. Nach meinem Anruf haben sie gesagt, daß sie meinen Bericht in den Nachrichten senden wollten. Die lenkende Hand ist dabei immer im Ausland. Sie geben sich viel Mühe beim Fabrizieren von Falschmeldungen, über angebliche Verhaftungen oder über Zwischenfälle, die nie stattgefunden haben.

Welche Organisationen im Ausland sind daran beteiligt? Auf jeden Fall die Interamerikanische Presse-Gesellschaft (SIP) und »Reporter ohne Grenzen«. Sie stehen rund um die Uhr bereit, jede nur denkbare Kampagne gegen unser Land loszutreten. Sie arbeiten eng mit der Interessenvertretung der USA in Havanna zusammen Bei einer der Aktionen der »Damen in Weiß« hat mich im März 2010 eine Frau angesprochen und gesagt: »Serpa, es ist wichtig, daß du mir hilfst und einige Augenzeugenberichte beschaffst, weil ich nächste Woche ein Interview gebe.« Sie brauchte eine Art politische Bürgschaft. Sie legen großen Wert darauf, daß ihre wöchentlichen Märsche durch Havanna fotografiert werden, damit sie im Internet auftauchen.

Wie verhalten sich andere Botschaften?

Hier in Havanna gibt es einige Botschaften von EU-Ländern, die ganz offen die subversiven Gruppen unterstützen. Zum Beispiel hat in der polnischen Vertretung der Diplomat Jacek Padee gearbeitet, der für politische Angelegenheiten zuständig war und sehr oft an diesen Aktionen teilnahm. Bevor er Kuba verließ, hat Herr Padee mich um einige Videos gebeten, die ich aufgenommen hatte, um eine Dokumentation über den »Dissidenten« Orlando Zapata Tamayo zu produzieren. Diese Aufnahmen habe ich von seinem Computer aus an Pedro Corso geschickt, den Chef des Instituts der Geschichte des Kampfes gegen den Totalitarismus in Miami.

Die Botschaft der Niederlande liefert gewöhnlich Material an die »Dissidenten«, vor allem Büromaterial, und hilft ihnen beim Zugang zum Internet. Von der Botschaft Tschechiens erhalten sie Medikamente und sie organisiert Treffen mit »Dissidenten«, um »Verletzungen der Menschenrechte« zu »dokumentieren«. Dabei hat sich ein Herr Pete Brandel von der tschechischen Botschaft besonders engagiert. Auch die Botschaft Schwedens ist in diese Sachen verwickelt.

Der Botschaftsrat der BRD-Botschaft, Volker Pellet, war völlig offen an solchen Aktionen beteiligt, er ging mit auf die Straße, um den »Damen in Weiß« bei ihren Provokationen behilflich zu sein.

Um die Arbeit der Interessenvertretung der USA zu illustrieren, kann ich zum Beispiel die Namen von Kathleen Duffy und Lowell Dale Lawton nennen. Bei einer der »Literarischen Teenachmittage«, die von den »Damen in Weiß« veranstaltet werden, bat mich deren Chefin Laura Pollán, ein Video aufzunehmen, während sie der Nationalen Kubanisch-Amerikanischen Stiftung (FNCA) für ihre Unterstützung dankte. Ich habe die Aufnahme gemacht und mit Frau Duffy gesprochen, die mir sagte: »Ich habe schon die Autorisation von meinen Chefs«. Mit ihrem PC machte sie eine Kopie meines Videos. Letztes Jahr im März beauftragte mich Laura Pollán, mit dieser Frau Kontakt aufzunehmen, denn sie sei diejenige, die sich mit Verletzungen der Menschenrechte beschäftige.

Lowell Dale Lawton hat mich gebeten, die Aktivitäten der »Damen in Weiß« einzuschätzen, nachdem er öffentlich wegen seiner Teilnahme an deren Aktionen kritisiert worden war. Auf elektronischem Wege schickte ich ihm Fotos und Berichte, um die er mich gebeten hatte. Genau einen Tag nach der antikubanischen Demonstration, die Gloria Estefan in Miami organisiert hatte, war ich in der Interessenvertretung, und Lawton wollte mit mir unter vier Augen über die jüngsten Ereignisse reden. Ohne Zweifel haben sie in Bezug auf die »Damen« viel manipuliert, und die haben dort freien Zutritt.

Andererseits können die ihre regelmäßigen Provokationen durchführen, weil sie wissen, daß sie von unseren Behörden geschützt werden, denn Kuba hat natürlich kein Interesse daran, daß irgendwelche schweren Zwischenfälle passieren.

Nachdem Kuba nun die Gefangenen freigelassen hat, könnte ihnen allerdings die Basis für ihre Aktionen abhanden kommen. Ich habe bemerkt, daß sie sich geradezu darum bemüht haben, daß einige der »Damen« verhaftet werden, vor allem ihre Chefin Laura, denn sie wollen das Land nicht verlassen und versuchen nun, eine neue Medienkampagne gegen Kuba loszutreten, in der sie behaupten, daß man sie aus dem Land vertreiben wolle.

Wer ist eigentlich Laura Pollán?

Sie hat als Lehrerin gearbeitet. Nachdem sie sich den »Damen« angeschlossen hatte, wurde sie angesichts des Protagonismus und des Geldes ziemlich hochmütig; es gab sogar internen Streit deswegen. Sie ist eng mit Eulalia San Pedro befreundet, über die sie das Geld von der FNCA bekommen. Laura ist manipulativ und sehr geschäfts­tüchtig. Über welchen Kanal werden diese Leute alimentiert?

Der wichtigste Kanal ist die Interessenvertretung der USA, die damit permanent die Wiener Diplomaten-Konvention verletzt. Aus dieser Quelle kommen meiner Ansicht nach etwa 80 Prozent der Ressourcen. Ich betrachte das als eine Art Generalstab, von wo aus die Aktionen gelenkt werden. Von dort bekommen sie Zeitungen und Computer, dort werden Flugblätter gedruckt. Nachdem ich als »Journalist der Damen« anerkannt war, hatte ich dort Zutritt und konnte dort auch arbeiten.

Wie macht man einen »Dissidenten«?

An meinem Beispiel wird deutlich, wie man im Ausland den Anschein erweckt, es existiere eine große Opposition. Ich war Mitglied, Leiter, Sprecher … von Gruppen, die kaum existieren, und von denen man in Kuba nichts weiß, weil sie nicht im Volk verwurzelt sind.

Ich wurde Nationaler Koordinator eines Kulturprojekts, das nach dem Terroristen Julio Tang Texier benannt war, außerdem wurde ich Direktor der unabhängigen Bibliothek Ernest Hemingway, Direktor der Union unabhängiger Journalisten, in der noch fünf weitere Leute organisiert waren, ich war Vertreter der »Brigada 2506«, von der ich mein Mobiltelefon und Geld bekam, und ich bin Korrespondent einer in Schweden publizierten Zeitschrift »Misceláneas de Cuba«. Man hat mich zum Sprecher verschiedener Organisationen ernannt, wie der »Nationalen Front des Widerstandes und des Ungehorsams in Kuba«. Und als ob das nicht genug wäre, wurde ich auch noch zum Verbindungsmann der sogenannten Regierungen der Opposition gemacht, die von Puerto Rico aus von Enrique Blanco angeführt werden. So macht man einen »Dissidenten«, Oppositionellen, unabhängigen Bibliothekar, Journalisten und Verteidiger der »Menschenrechte«. Die Feinde unserer Revolution werden immer wieder ihre Lektionen zu lernen bekommen, denn es wird immer – auch wenn sie es nicht erwarten – einen »Emilio« geben.

Als ich diese Tätigkeit begann, habe ich viele meiner Freunde verloren. Als man mir mitteilte, daß meine Identität öffentlich gemacht werde, war ich vor allem sehr erleichtert, denn das ist mein Geschenk an meine Tochter Tita. Sie durfte endlich erfahren, daß ihr Vater kein Verräter ist.

Übersetzung: Uli Brockmeyer, Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

 

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