Warnstreik beim Logistiker TNT in Wiesbaden

Beim niederländischen Paketlogistiker TNT Express Im deutschlandweit wichtigsten und größten Straßenverteilzentrum Wiesbaden haben in der Spätschicht am Abend ab 20 Uhr gut 100 Beschäftigte gestreikt. Dieser erste Warnstreik im Unternehmen dauerte den gesamten Nachtdienst über.

Die Mitarbeiter*innen organisieren sich seit rund zwei Jahren in der Gewerkschaft ver.di, um ihren tariflosen Zustand zu beenden. Durch die zentrale und wichtige Lage des Verteilzentrums Wiesbaden in der Organisation der TNT Express waren damit über Nacht alle weiteren Arbeitsprozesse in Deutschland und dem angrenzenden Ausland betroffen. Viele LKW mussten zwangsweise auf der Autobahn umgeleitet werden und aufgrund der Lenk- und Ruhezeiten Übernachtungen an Raststätten einplanen. Dadurch kommt es zu bundesweiten Verzögerungen, betroffen sind vor allem Geschäftskunden im Inland und der Export.

Nicole Lämmerhirt, ver.di-Verantwortliche vor Ort: „Die Kolleginnen und Kollegen haben sich organisiert und wollen ihr Recht auf faire, tarifvertraglich geregelte Arbeits- und Einkommensbedingungen durchsetzen. Die Stimmung ist gut, Betriebsrat und Aktive unterstützen sowohl die Forderungen als auch die Maßnahmen.“

TNT mit seinen knapp 4.000 Beschäftigten in Deutschland wurde vor vier Jahren von FedEx übernommen. Die Unternehmen sind weiterhin getrennt. Während die großen Paketdienstleister wie Deutsche Post/DHL, Hermes, UPS und selbst FedEx bundes- oder zumindet hessenweit mit ver.di Tarifverträge abgeschlossen haben, ist TNT seit Markteintritt 1984 tariflos.

Andreas Jung, ver.di-Verhandlungsführer und Fachbereichsleiter Logistik und Paketdienste Hessen: „Wir fordern seit zwei Jahren die Aufnahme von Verhandlungen. Die Mitglieder im Betrieb haben eine Übergangszeit zur Integration in die tarifgebundene FedEx ertragen – diese vom Management zugesagte Integration ist bis heute nicht vollzogen oder auch nur ansatzweise auf den Weg gebracht. Selbst am heutigen Vormittag hat ein Telefonat mit der Geschäftsführung nur die Aussage gebracht: ‚Tarifverträge sind ein wichtiges Instrument, für alle anderen Unternehmen, aber ausgerechnet für die TNT Express sinnlos und nicht zielführend‘. Die Beschäftigten lassen sich das nach über 35 Jahren Tariflosigkeit nicht mehr bieten, sie fordern Verhandlungen zu Tarifverträgen, sie forden branchenangemessene Bedingungen, sie wollen nicht der Billigheimer der FedEx sein. Sie sind bereit, für ihre Rechte zu kämpfen.“

Das TNT Management sei nun gefragt, den Konflikt zu beenden und in echte, zielorientierte Verhandlungen mit ver.di einzusteigen. Ansonsten droht eine Ausdehnung des Konflikts, auch an anderen Standorten organisieren sich die Mitarbeiter mit den gleichen Zielen.

Quelle:

ver.di Landesbezirk Hessen