Am Montag, den 18. Mai demonstrierten Bewohner*innen des unterfränkischen ANKER-Lagers Geldersheim bei Schweinfurt gegen die seit Ende März andauernde Quarantäne. Diese wird immer wieder wegen neuer Infektionsfälle verlängert. Ein Ende der Quarantäne zeichnet sich bislang nicht ab. Die Regierung von Unterfranken kann oder will die immer neuen Infektionen von Bewohner*innen offenkundig nicht unterbinden, und nimmt eine „Durchseuchung“ der knapp 600 Bewohner*innen der Unterkunft in Kauf. Gesundheitliche Risiken wie auch die psychosoziale Ausnahmesituation für die Bewohner*innen werden dabei ignoriert.

Laut Bayerischen Rundfunk nahmen an der Demonstration ca. 60 Personen teil. Die Polizei rückte mit einem Großaufgebot, behelmt, mit Schutzanzügen, Schlagstöcken, Pfefferspray, Hunden und zwei Helikoptern an.

Der Bayerische Flüchtlingsrat kritisiert seit Beginn der Corona-Pandemie den Umgang mit Geflüchtetenunterkünften. Hygienemaßnahmen wie Masken, ausreichende Desinfektion, Sicherheitsabstände und social distancing sind in Massenunterkünften nicht gewährleistet und hier drohen Corona-Hotspots. Es treten immer mehr Coronafälle in Flüchtlingsunterkünften auf, in Bayern starben bereits drei Geflüchtete.

„Es kann nicht sein, dass Geflüchtete faktisch in Endlosquarantäne gezwungen und Protestierende dann mit einem Großaufgebot der Polizei eingeschüchtert werden. Das trägt nicht zur Entspannung der Lage bei“, sagt Franziska Sauer vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Es ist höchste Zeit, die Situation zu entspannen: durch Aufklärung, Entzerrung, dezentrale Unterbringung, Nutzung von Hotels und Jugendherbergen. Personen, die einer Risikogruppe angehören, müssen umgehend aus den betroffenen Unterkünften genommen werden. Dass die Regierung von Unterfranken weiterhin an ihrem Kurs festhalten will, obwohl sie die Infektionszahlen durch die getroffenen Maßnahmen offensichtlich nicht in den Griff bekommt, ist absurd und birgt folgenschwere gesundheitliche Risiken“.

Quelle:

Bayerischer Flüchtlingsrat