Aus der Zeit ab 2013 sind uns allen noch die Bilder präsent, als in einer absoluten Notlage Fabrikhallen und Möbelhäuser zur Unterbringung von Geflüchteten angemietet wurden. Überall in Bayern wurden in solchen Gebäuden mit Baustellengittern und daran befestigter Plastikplane Parzellen abgetrennt. Diese „Wohneinheiten“ waren nach oben offen und der Lärm in den Hallen unbeschreiblich. Menschenunwürdig war diese Notunterbringung, aber notwendig, weil die bayerische Staatsregierung trotz steigender Asylbewerber*innenzahlen viel zu spät die Kapazitäten in den Erstaufnahmeeinrichtungen ausgebaut hatte.

Nun sollte man meinen, dass es solche Sammellager nur in Notfällen braucht, um die Zeit zu überbrücken, bis neue Unterkünfte gefunden sind. Doch weit gefehlt: Die Regierung der Oberpfalz hält an dieser Unterbringungsform fest und scheint sie als Sanktion einzusetzen.

In einem Gewerbegebiet am Stadtrand von Schwandorf existiert noch immer ein solches Lager. In einer ehemaligen Fabrikhalle wurde eine Dependance des ANKER-Zentrums Regensburg eingerichtet. Die dort untergebrachten Geflüchteten hausen in Wohnparzellen, die durch Baustellengitter mit Plastikplanen abgetrennt wurden. Von den 81 Personen sind 38 minderjährig. Betreut werden sie ausschließlich von Verwaltungspersonal und einem Sicherheitsdienst – Asylsozialberatung ist nicht vor Ort. Die Möglichkeit, einen Sprachkurs zu besuchen, gibt es ebenfalls nicht.

Besonders irritierend ist die Tatsache, dass in diesem Sammellager ausschließlich Roma aus der Republik Moldau untergebracht sind. Roma sind die am meisten verfolgte Minderheit in Europa – dennoch wird ihnen von den Behörden pauschal unterstellt, keine Asylgründe zu haben.

„Es ist schockierend, dass noch immer Geflüchtete in solchen Massenlagern unter katastrophalen Bedingungen untergebracht sind. Dort leben zu müssen ist schon unter ‚normalen‘ Umständen kaum zu ertragen und eine menschliche Katastrophe. In Zeiten der Coronapandemie jedoch ist das Lager in Schwandorf lebensgefährlich. In Quadratmeterzahlen gemessen mag die ‚Unterkunft‘ groß genug zum Abstand halten sein. Von einer wirklichen Trennung der Wohneinheiten kann aber keine Rede sein. Die nötigen Hygienemaßnahmen können unter diesen Umständen gar nicht eingehalten werden“, kritisiert Franziska Sauer vom Bayerischen Flüchtlingsrat. „Wir fordern die sofortige und endgültige Schließung der sogenannten ANKER-Dependance Schwandorf! Diese Art der Unterbringung ist keines Menschen würdig – nicht unter normalen Umständen und schon gar nicht in Zeiten von Corona.“

Quelle:

Bayerischer Flüchtlingsrat