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Kategorie: Hessen

Am Freitag wurde abends in der Robert-Koch-Str. 4 in Marburg das ehemalige und seit 2011 leerstehende Gebäude der Augenklinik in einen Freiraum verwandelt. Die BesetzerInnen kritisieren das Fehlen von bezahlbarem und selbstverwalteten Wohnraum in Marburg. Es fehlen außerdem selbstverwaltete und unkommerzielle Räume, in denen sich Menschen treffen und mit anderen austauschen können.

 

„Wenn so ein riesiges Gebäude mitten in der Stadt leer steht, finden wir es legitim, uns dieses anzueignen. Wir freuen uns es nun nach den Vorstellungen und Bedürfnissen aller, die Lust haben sich zu beteiligen, zu gestalten,“ sagt Kim, eine der BesetzerInnen. „Der Durchschnitt der Nettokaltmiete steigt stets und befindet sich mittlerweile zwischen dem Niveau von München und Stuttgart. Diese Entwicklung ist für viele Menschen weder finanzierbar noch akzeptabel.“

Bund, Länder und Kommunen beförderten diese Missstände, indem sie Bauprojekte an private Baugesellschaften und Investoren, wie zum Beispiel 'S+S', vergeben. „Das Ziel der Gestaltung von (Wohn-)Raum sind möglichst große Profite auf Kosten der Bedürfnisse und Wünsche der hier lebenden Menschen. Der neu geschaffene (Wohn-)Raum widerspricht unseren Vorstellungen von gemeinschaftlichen Wohnen, nach denen alle Menschen, welche den Raum mit nutzen, diesen auch nach ihren Vorstellungen gestalten können“, so Kim weiter.

Seit der Besetzung der alten Fronhofschule im Februar diesen Jahres hat sich die Situation in Marburg nicht verändert. Der mangelnde Wille der Stadt zeigte sich auch bei dem erst auf Druck einberufenen 'Runden Tisch', der nicht als Ort empfunden wurde, in dem konstruktiv und auf Augenhöhe über die Stadtgestaltung diskutiert werden konnte.  Deshalb nehmen sich die BesetzerInnen der Augenklinik jetzt erneut Raum, um die Notwendigkeit für ein soziales Zentrum, Raum für Austausch und der Auseinandersetzung mit den genannten Problemen real zu leben. Der geschaffene Raum soll dazu genutzt werden, sich gemeinsam über die Stadtentwicklung auszutauschen, Probleme aufzuzeigen, in die öffentliche Diskussion einzugreifen und die Stadt selbst zu gestalten.

Deshalb sollen die Räumlichkeiten der Augenklinik zunächst eine Woche lang mit vielen spannenden Workshops, Vorträgen und kulturellem Programm gefüllt werden. Die BesetzerInnen freuen sich, dass die 'Recht auf Stadt Gruppe Marburg' bereits zugesagt hat, ihre Veranstaltungsreihe rund um das Thema „Wem gehört die Stadt?“ in die Augenklinik zu verlegen. In täglichen öffentlichen Plena soll die weitere Verwendung des Hauses gemeinsam diskutiert werden. Dazu laden die BesetzerInnen alle Interessierten herzlich ein.

Die BesetzerInnen sehen sich selbst als Teil von und solidarisieren sich mit verschiedenen Bewegungen weltweit, welche sich Raum nehmen, um ihn nach ihren eigenen Bedürfnissen und Vorstellungen zu gestalten und gemeinsam zu nutzen. Dazu Kim: „Ob in Thessaloniki, Barcelona, Istanbul, Sao Paulo oder Köln: Überall haben die Menschen ähnliche Probleme und vollziehen in der Konsequenz die gleichen Schritte. Sie nehmen sich, was ihnen sowie so gehört!“

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