Montag, 19. November 2018
Solidaritätsanzeige

ArbeiterfotografieWir dokumentieren nachstehend einen offenen Brief der Berliner Fotografin Gabriele Senft an den Vorstand des Verbandes der Arbeiterfotografie e.V. Die Verfasserin reagiert damit auf eine im Onlineportal »Neue Rheinische Zeitung« erschienene Fotoreportage von Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann über die »Montagsmahnwachen«, die am 23. Juni erschien (http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20469).

Es ist an der Zeit, diesen Schritt zu tun!
An den Vorstand des Verbandes der Arbeiterfotografie e.V., hallo Anneliese, Andreas und Senne,

seit einiger Zeit habe ich meine Zusammenarbeit mit euch sozusagen »auf Eis« gelegt. Das ist mir schwer gefallen; ich brauchte diese Zeit, weil ich um die Form rang, durchaus vorhandene Argumente für meine Verhaltensweise einleuchtend zu äußern.  Auch hatte ich von euch viel freundschaftliches Entgegenkommen erfahren in den Jahren, seit wir uns durch das Engagement gegen die Kriegspolitik der BRD kennenlernten. Signale, wie das Weggehen des Antifaschisten Jochen Vogler, wie des Sohnes und Enkels von Walter Heilig, René und Dominique, auch die Querelen mit   xxx , das betrachtete ich darum etwas unkritisch aus eurer Sicht und ordnete es unter »persönliche Differenzen« ein, wo ich mich rauszuhalten suchte.

Leider hatte ich die Auseinandersetzung im Frankfurter Club Voltaire nicht genauer hinterfragt und ohne weitere Klärung der Ursachen solidarisch zu euch gehalten, obwohl es mich bedrückte, weil ich es nicht verstand. Und auch die konsequente Abkehr des xxx aus Kiel von euch nahm ich hilflos zur Kenntnis. Zu Untersuchungen wie u.a zum Fall Haider stand ich sehr kritisch und bat euch, so etwas nicht im Namen der Arbeiterfotografen zu tun.

In den letzten Wochen haben sich die Befürchtungen verstärkt.

Die Forderungen der sogenannten »neuen Friedensbewegung« um Jürgen Elsässer, Ken Jebsen und Lars Mährholz, sowie auch die (...) Bestrebungen, rechts und links zu verwischen und nun sogar die NPD zu neuen »Friedensengeln« umzudeuten, das hat mir gezeigt, dass es überfällig ist, ohne Rücksicht auf persönliche Gefühle, klare Position zu beziehen. Auch dort bei diesen Rechtspopulisten war »Die Bandbreite« mit ihren aufputschenden Texten gegen das »raffende Kapital« der USA, der »Zinsknechtschaft« der FED, die für alles verantwortlich gemacht wird, willkommen. Und darum will und muss ich es nun hiermit tun: Meine eindeutige politische Einstellung gegen Nationalisten und Rassisten, die unter der Flagge eines »nicht rechten und nicht linken« selbstbezeichneten »Antiimperialismus« segeln, formulieren.

Ihr habt es in der letzten Nummer der »Neuen Rheinischen Zeitung« wieder auf den Punkt gebracht. Die Auswahl der Fotos ist sehr parteiisch gegen die verbissen wirkenden, zwar nicht so benannten, aber als Spinner erscheinenden Vertreter der »alten« und für die menschenfreundlich scheinenden Kreativen, in der ach so sehr an einer friedlichen Zukunft interessierten »neuen« Friedensbewegung um den Demagogen »Ken FM«.

Da ihr euch immer die Zeit nehmt, genau zu recherchieren, ehe ihr Stellung bezieht, ist diese Darstellung sehr aufschlussreich für mich. Danach ist klar, dass ich nun auch öffentlich Stellung beziehen muss. In Berlin wurden Aufkleber mit der bekannten Friedenstaube auf himmelblauem Grund verteilt, mit dem Text »Nein zum Heim! Für eine friedliche Zukunft!« Es geht gegen das Asyl für Flüchtlinge. Zynischer als sie selbst kann man den Kern dieser »Friedensbewegung« wohl kaum ausdrücken.

Ihr meint, ich hätte da mit anderen schon verloren, wenn ich an den »Betreibern« dieser »Friedensmahnwachen« Kritik übe. Doch ich halte mich noch immer an den dialektischen Materialismus beim Analysieren, an die »Krücken«, wie Dieter Dehm es nennt, an meine linke Position. Ich hab auch keinerlei Bedarf mehr und sehe keinen Sinn darin, mit euch darüber zu diskutieren! Der Beitrag in der Fotogalerie »Teile und herrsche« mit Bildern und Texten in der »NRhZ« gibt eure Haltung wieder.

Ich möchte nicht mit einem Herrn Jebsen oder Elsässer in Zusammenhang gebracht werden oder mit dem Gesangsduo »Bandbreite«, dessen Auftritte in Videos mit menschenverachtenden Karikaturen und in Gehirne einhämmernde Texte ich verabscheue, da sie von den wirklichen kapitalistischen Verhältnissen weltweit ablenken. Ich musste mit Bestürzung zur Kenntnis nehmen, dass namentlich diesen Leuten eine Bühne bei Veranstaltungen der »Arbeiterfotografie« geboten wird, wie auch 2013 in Werder.

Ich stehe zu meiner Hochachtung, was die geschichtlichen Zusammenhänge der Arbeiterfotografie betrifft und ich teile diese mit jetzigen Arbeiterfotografen u.a. in Kiel.

Als ich 2005 vom Verband für meine fotojournalistische Arbeit gegen den Krieg den Titel der Ehrenmitgliedschaft verliehen bekam, war ich stolz, nun z.B. neben Walter Ballhause zu stehen. Es freute mich auch, dass ich gemeinsam mit meinem früheren Arbeitskollegen und seiner Frau, Walter und Monika Heilig, geehrt wurde und es spornte mich an, noch aktiver an die Tradition der Arbeiterfotografen anzuknüpfen und mich in den Fußstapfen von solch klugen klassenbewussten Menschen wie Erich Rinka zu bewegen.

Zum 80. Jahrestag des Verbandes entstand in diesem Rahmen ein Vortrag über meine Entwicklung zur Fotojournalistin und über meine Ratgeber und Vorbilder, ihr habt ihn als sehr ehrlich empfunden. Ich habe von meinen Beweggründen zu fotografieren nie etwas zurückgehalten. Es war mir darum auch wichtig, den Fotojournalisten Horst Sturm, der in der Tradition der Arbeiterfotografen arbeitete, auch mit den jetzigen Arbeiterfotografen bekannt zu machen. Eine repräsentative Ausstellung in der Ladengalerie der Zeitung »junge Welt« und eine Ausgabe der Zeitschrift »Arbeiterfotografie« über den aufrechten Antifaschisten gab den würdevollen Rahmen für seine Ehrenmitgliedschaft. Das beschäftigt mich nun auch. Ich hoffe sehr, ihm ersparen zu können, dass er benutzt wird in diesem politisch gefährlichen Kontext.

Ich habe von der neuen Ausstellung anlässlich der Nelkenrevolution in Portugal mit Fotos des Kommunisten Klaus Steiniger erfahren und dass die von mir sehr geschätzte Gisela Blomberg die Eröffnungsrede hielt. Dadurch, dass ich mit meinen Reportagen und in eurem Verband als Ehrenmitglied genannt werde, habe ich dazu beigetragen, dass er es für einen guten Rahmen hielt, bei euch auszustellen.

Ich möchte auch darum dem »Verband der Arbeiterfotografie« in der von euch bestimmten politischen Ausrichtung nicht mehr mit meinem Namen und meinen Bildern Legitimation verschaffen. Es ist höchste Zeit zu erklären: Nehmt bitte zur Kenntnis, dass ihr mit der Zurverfügungstellung meiner Fotos zur Verwertung durch die von euch gegenwärtig repräsentierte »Arbeiterfotografie« nicht mehr rechnen könnt. Meine Ehrenmitgliedschaft nahm ich unter anderen Voraussetzungen entgegen, im Kontext der jetzigen Ausrichtung der »Arbeiterfotografie« gebe ich sie zurück.

Es war mir und ist mir wichtig, mit meinen Fotos politisch erkennbar zu wirken und mit meinem Namen für meine Arbeiten gerade zu stehen. Deswegen sehe ich mich momentan außerstande, euch mit Veröffentlichungsrechten zu dienen.
Ich widerrufe die erteilten Veröffentlichungsrechte zum Stichtag 27. Juni 2014. Bitte sorgt dafür, dass alle meine Fotos, Reportagen und Erwähnungen bis zu diesem Zeitpunkt von der Website des Verbandes entfernt werden.

Dass sich der »Verband der Arbeiterfotografie« wieder der progressiven Traditionen erinnert, die sich mit dem Namen »Arbeiterfotografie« verbinden und dahin zurück findet, das hoffen viele mit mir. Zu jenem Zeitpunkt kann der Verband mit meiner Unterstützung rechnen.

Berlin, den 21.06.2014
Gabriele Senft

Real time web analytics, Heat map tracking

Freie Radios auf Sendung

RedGlobe Links

Diese Webseite verwendet Cookies. Wenn Sie fortfahren, ohne die Einstellungen Ihres Browsers anzupassen, wird davon ausgegangen, dass Sie alle Cookies dieser Webseite empfangen möchten. Sofern Sie die Cookies dieser Webseite ablehnen oder löschen möchten, können Sie dies in den Einstellungen des Browsers tun. Beachten Sie aber, dass die Bedienbarkeit der Webseite damit eingeschränkt sein kann.