Der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar kritisiert den aggressiven medialen Umgang mit Virologe Prof. Dr. Christian Drosten und anderen Wissenschaftlern. In einem exklusiven Gespräch mit dem RTL-Podcast "FRAGEN WIR DOCH!" sagt Yogeshwar: "Die Art und Weise, wie BILD mit Christian Drosten umgeht, ist für mich eine Katastrophe." Yogeshwar: "Da sollten wir als journalistische Zunft aufstehen und 'Stopp, das geht so nicht!' sagen!"

Er stellt klar: "Ich finde es affig, dass man einen scheinbar inszenierten Expertenstreit aufbaut. Ich telefoniere regelmäßig mit Christian Drosten und anderen. Das sind hochanständige Wissenschaftler. Sich den prominentesten Vertreter zu nehmen und sich an ihm abzuarbeiten, finde ich unlauter." Yogeshwar: "Ich warne davor, in der Logik eines Fußballspiels den einen gegen den anderen aufzuschaukeln. Gerade in einer Zeit, in der wir als Land, Gesellschaft und Bürger auf Orientierungshilfen angewiesen sind, darf man nicht ein Geschäft machen mit Erregung und künstlichen Schlachten."

Yogeshwar war mehr als 25 Jahre Moderator des WDR-Wissensmagazins "Quarks" und hat für die ARD u.a. Features über KI und Fukushima sowie Sendungen wie "Wissen vor 8" oder "Die große Show der Naturwunder" präsentiert.

Er hat in den vergangenen Wochen erlebt: "Viele Wissenschaftler kennen den Umgang mit den Medien nicht. Mich haben welche angerufen, weil sie verzweifelt waren." Als Ursache für die Angriffe von BILD-Chef Julian Reichelt auf Drosten vermutet Yogeshwar u.a. sinkende Auflagenzahlen: "Das ist vielleicht das letzte Aufbäumen, bei dem man fühlt, dass die eigene Existenz auf dem Spiel steht."

Yogeshwar mahnt zur Verantwortung: "Wollen wir diesen Skandal-Journalismus, der sich schon in der Schlagzeile offenbart, dass es ihm nicht um die Sache, sondern eher um die Erregung geht?"

Ranga Yogeshwar in "FRAGEN WIR DOCH!": "Es wäre an der Zeit für uns Journalisten über eine andere Funktion für die Gesellschaft nachzudenken, bei der es nicht um die 'aktuellsten Nachrichten' geht, weil es sie schon im Deutschen nicht geben kann." Seine Empfehlung: "Weg von der Übertreibungskultur, hin zu mehr Tiefgang."

Der Wissenschaftsjournalist und Diplom-Physiker will sich deshalb künftig regelmäßig bei YouTube zu Wort melden: "Es fehlt etwas in den Medien, bei dem es nicht um Erregung geht und bei dem man auch den zweiten Gedanken mitdenkt. Durch die Technik, mit der man das alles selbst machen kann, bin ich stimuliert worden und kriege tollen Nachhilfeunterricht bei Rezo oder Mighty. Der alte Sack Yogeshwar nervt die Jungen und fragt: Wie macht man das?"

Yogeshwar weiß: "Da muss ich ein bisschen von meinem hohen Ross runter, aber Neues zu lernen hält jung." Zum Wechsel von Frank Elstner zu Netflix sagt Yogeshwar: "Auch Frank will immer wieder Neues, der hat noch Lust und ist kein Rückwärtszähler der Jahre bis zur Rente."

Ranga Yogeshwar äußert sich in "FRAGEN WIR DOCH!" auch zu der Gefahr einer zweiten Corona-Welle: "Wir denken, das Virus hat Sommerpause. Doch der Skandal in der Fleischindustrie zeigt: In dem Moment, in dem die Temperaturen kühl sind und Klimaanlagen im Spiel sind, kommt es zu einer massiven Ausbreitung." Yogeshwar: "Das könnte ein Vorgeschmack sein auf das, was uns in der kalten Jahreszeit erreicht."

Zu Bildern von überfüllten Stränden an Nord- und Ostsee sagt Yogeshwar: "Das Virus nervt. Mich auch. Deshalb gibt es menschliche Verdrängungsmechanismen. Ich kann verstehen, dass Menschen raus wollen." Yogeshwar: "Wir verbringen als Familie normalerweise auch unseren Sommerurlaub am Meer. Doch ich hatte dieses Jahr keine Lust. Urlaub mit Maske ist für mich ein Widerspruch."

Zum Fleischskandal bei Tönnies in Gütersloh sagt Ranga Yogeshwar im großen "FRAGEN WIR DOCH!"-Gespräch: "Wenn wir ehrlich sind, gibt es ganz viele Berufsfelder, bei denen wir wissen, da stimmt etwas nicht. Ob im Hotel, bei Security-Firmen, bei Paketzustellern. Wir ahnen, dass dort etwas nicht stimmt, aber wir gucken nicht genau hin." Das habe etwas mit mangelnder gesellschaftlicher Empathie zu tun. Yogeshwar: "Weil wir Menschen die Tendenz haben zu verdrängen, ist die Politik gefragt. Denn beim Autofahren klappt das mit der Vernunft auch nicht freiwillig und wir brauchen Verkehrsschilder."

Quelle:

ots / Presseportal.de

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