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Wirtschaft & Gewerkschaft

Angesichts der raschen Ausbreitung des Coronavirus (Covid-19) auch in Deutschland weist die Gewerkschaft ver.di auf die hohe Beanspruchung des Krankenhauspersonals hin und fordert strukturelle Verbesserungen. „Die Beschäftigten der Krankenhäuser sind Profis. In einer Krisensituation tun sie alles, um Menschenleben zu retten und die Verbreitung des Virus zu bremsen“, erklärte Sylvia Bühler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesundheitswesen zuständig ist. „Auch ohne die Extrembelastung der Epidemie gehen die Beschäftigten allzu oft über ihre eigenen Grenzen hinaus, weil ihnen das Wohl und die Sicherheit der Patientinnen und Patienten am Herzen liegen. Es muss damit Schluss sein, dass Klinikträger und politisch Verantwortliche dieses Engagement ausnutzen. Alle Verantwortlichen müssen jetzt das Signal setzen: Wir arbeiten mit Hochdruck an besseren Arbeitsbedingungen. In erster Linie bedeutet das mehr Personal.“

Das von ver.di, der Deutschen Krankenhausgesellschaft und dem Deutschen Pflegerat im Januar vorgelegte Instrument zur Personalbemessung im Krankenhaus, die PPR 2.0, müsse vom Gesetzgeber zügig umgesetzt werden, so Bühler. „Die Bundesregierung kann das Vertrauen der Beschäftigten im Gesundheitswesen zurückgewinnen, wenn sie in dieser Krisensituation die richtigen nachhaltigen strukturellen Maßnahmen auf den Weg bringt. Es braucht für das gesamte Krankenhaus verbindliche Vorschriften für eine bedarfsgerechte Personalausstattung.“

Genauso wie die Bundesregierung für die Wirtschaft Hilfspakete schnüre, müssten jetzt die Beschäftigten im Gesundheitswesen unterstützt werden, so Bühler. Statt dessen würden sogar Entscheidungen getroffen, die Pflegekräfte weiter belasten. Als „völlig falschen Weg“ bezeichnete Bühler die Ankündigung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), die Pflegepersonaluntergrenzen in Krankenhäusern pauschal auszusetzen. „Der Umgang mit dem Coronavirus verlangt mehr, nicht weniger Personal. Diese Maßnahme sorgt unter den Beschäftigten für große Empörung.“ Die Untergrenzen gelten zum Beispiel in der Geriatrie, wo besonders gefährdete Menschen liegen. „Hier das Personal noch weiter auszudünnen, wäre auch fachlich fatal.“

Um die notwendigen Kapazitäten für die Aufnahme und Versorgung von Covid-19-Patienten abzusichern, fordert ver.di, geplante und nicht unbedingt notwendige Eingriffe und Operationen zu verschieben. „Die Erlösausfälle durch die notwendige Pandemievorhaltung sind den Krankenhäusern auszugleichen“, forderte Bühler. Auch aktuell vorbereitete Krankenhausschließungen müssten auf den Prüfstand. „Es ist schwer zu erklären, wenn während einer Epidemie vor Ort ein Krankenhaus allein aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen wird.“ Die Krise zeige, wie wichtig eine funktionierende und wohnortnahe Gesundheitsversorgung sei. „Es geht um Daseinsvorsorge“, betonte Bühler. Das Gesundheitswesen sei in den vergangenen Jahren immer mehr dem Markt überlassen worden, das räche sich jetzt. „Die gute Versorgung muss wieder im Vordergrund stehen, nicht die Erzielung möglichst hoher Renditen. Die Krise muss Anlass ein, die Prioritäten wieder geradezurücken.“

Quelle:

ver.di

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