Seit Mitte Juli steht Luxemburg in Deutschland auf der Liste der Risikogebiete. Diese wird zwar vom Robert-Koch-Institut veröffentlicht, federführend bei der Feststellung sind allerdings Innenministerium und Auswärtiges Amt. Die Geschichte ist bekannt: Die Zahlen der täglichen Neuinfektionen hatten, inklusive Grenzgänger- und Large-Scale-Testing, seit Anfang letzten Monats in Luxemburg wieder stark angezogen, weswegen das Großherzogtum zunächst in Dänemark und den baltischen Ländern und anschließend auch in Deutschland in Ungnade fiel, obschon allenthalben verzweifelt von Asselborn und Lenert verkündet wurde, warum diese Zahlen zustande kämen.

Seit dem 25. Juli unterliegen Menschen mit Wohnsitz in Luxemburg de facto auch einem Einreiseverbot in die Schweiz, da sich kaum ein Lohnabhängiger 10 Tage Quarantäne erlauben kann und ein negativer Test nicht akzeptiert wird, um die Quarantäne zu umgehen, wie etwa in Deutschland.

Während die Eidgenossen Luxemburg auf ihre schwarze Liste setzten, sieht Österreich keinen Einschränkungsbedarf, ebenso wie Frankreich. Belgien mahnt zu erhöhter Vorsicht vor Reisen nach Luxemburg, setzte drei schweizerische Kantone auf seine Quarantäneliste und wurde am Donnerstag selbst von Britannien auf eine solche gesetzt, auf der sich auch noch das spanische Festland, nicht aber die Balearen befinden. Diese sind, ebenso die Kanaren, auch nicht auf der Schweizer Blacklist zu finden, obwohl der Rest des Landes drauf ist. Dasselbe gilt aus Deutschland und seit Mittwoch setzen unsere östlichen Nachbarn noch eins drauf: Die beliebten türkischen Urlaubsstrände sind plötzlich von der Reisewarnung ausgenommen. Ein Schelm, wer glaubt, dies alles habe mit Infektionsschutzmaßnahmen zu tun und nicht etwa mit wirtschaftlichen Interessen. Warum hat etwa die Schweiz Rußland, das am Mittwoch mehr als 850.000 Neuinfektionen vermeldete, von der Risikoliste genommen?

Luxemburg hingegen kann weder mit einem Adriastrand, noch mit anderen international wichtigen Urlaubshighlights aufwarten und hängt wie Libyen oder Südsudan bleischwer in der Liste der Risikoländer. Dies hat, zum zweiten Mal nach der Grenzposse vom Frühjahr, nicht nur Auswirkungen auf die Reisefreiheit der Luxemburger, sondern schürt weiter Ressentiments in der vor Corona als europäisches Musterbeispiel dargestellten Großregion.

Deutsche Kliniken verweigern Menschen aus Luxemburg den Zutritt, Einzelhändler aus der Grenzregion oder Hotels in deutschen Urlaubsgegenden verkünden offen, keine Luxemburger bei sich zu wollen, um ihre Kundschaft zu schützen.

Ein weiteres Mal müssen die Einwohner Luxemburgs über sich ergehen lassen, daß die Besucher aus den Nachbarregionen quasi Bewegungsfreiheit im »Risikoland« genießen, während sie selbst nicht nur vielfach ihre Urlaubspläne begraben mußten, sondern nicht einmal mehr zum Einkaufen oder zum Familienbesuch hinüber dürfen, ohne wie Aussätzige behandelt zu werden, denen täglich deutlich gemacht wird, ein weniger hygienisches Volk zu sein.

In einer Videonachricht beim Berliner Radiosender FluxFM forderte der deutsche Schauspieler Christian Stahl, der regelmäßig in Luxemburg zu Gast ist, Deutschlands Außenminister Heiko Maas auf, diesem Treiben endlich ein Ende zu setzen und Luxemburg von der Liste zu nehmen, bevor noch mehr Porzellan zerschlagen wird. Er spricht von Corona-Rassismus.

Luxemburg ist nun mal keine wichtige Urlaubsdestination für Eimersäufer und offensichtlich anders als Erdogans Türkei nicht mal ein Land, dem auf Augenhöhe begegnet wird. Bleibt zu hoffen, daß sich die Wogen zwischen den Menschen in der Region glätten, aber daß die luxemburgische Diplomatie dieses Jahr so schnell nicht vergessen wird.

Christoph Kühnemund

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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