In einer gemeinsamen Erklärung haben die Gewerkschaften OGBL, LCGB und NGL-Snep mitgeteilt, dass die Generaldirektion von Luxair, noch bevor die für Donnerstag dieser Woche angesetzte Sitzung der sektoriellen Tripartite im Luftfahrtbereich stattfand, praktisch die sozialen Errungenschaften aus 40 Jahren abgeschafft hat. Unter anderem wurden die Löhne und der 13. Monatslohn für drei Jahre eingefroren, die Urlaubstage wurden auf das gesetzliche Minimum reduziert, die Beförderungen nach der Länge der Betriebszugehörigkeit wurden außer Kraft gesetzt, ja sogar die bezahlte Pause von 15 Minuten wurde gestrichen.

Die Gewerkschaften nennen diese Provokation, die wenige Tage vor den bereits im Juli vereinbarten Diskussionen erfolgte, »ein Schlag ins Gesicht«. Anfang September hatten sie der Generaldirektion noch eine ganze Reihe Vorschläge unterbreitet, um die Beschäftigung und die kollektivvertraglich ausgehandelten sozialen Verbesserungen abzusichern.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Generaldirektion von Luxair, unabhängig von ihrer Zusammensetzung, sich wie der Elefant im Porzellanladen benimmt. Im Jahre 2014 hatte die Generaldirektion, nachdem sie die Gewerkschaften seit 2008 mit Nullrunden erpresst und ihnen 2013 sogar eine Senkung der Lohnmasse in Höhe von 1,3 Milliarden Euro abgetrotzt hatte, damit gedroht, die Löhne einzufrieren, den 13. Monatslohn zu senken, den Urlaub zu kürzen und die Flugzeiten zu verlängern.
Die Gewerkschaften hatten daraufhin ein Streikkomitee gebildet, das aber nicht in Aktion trat, da die meisten, aber nicht alle der angedrohten Verschlechterungen zurückgenommen wurden. Aus Mangel an Solidarität mussten dann vor allem die Beschäftigten, die neu eingestellt wurden, die Suppe auslöffeln.

Bereits damals konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Generaldirektion und die Regierung, deren Vertreter im Verwaltungsrat von Luxair sitzen, da der Staat direkt oder indirekt mehr als zwei Drittel der Luxair-Aktien hält, sich im Rollenspiel »Good cop, bad cop« (Guter Polizist, schlechter Polizist) fein säuberlich aufgeteilt hatten: Die Generaldirektion (»bad cop«) verkündete rabiate Abbaumaßnahmen, während die Regierung als »good cop« beschwichtigte, so dass einige, aber nicht alle der angedrohten Verschlechterungen zurückgenommen wurden. Fazit: Der Eindruck wurde vermittelt, dass dank der Sozialpartnerschaft ein Kompromiss gefunden werden konnte, bei dem allerdings die Beschäftigten dennoch Federn lassen mussten.

Nach dem rabiaten Vorgehen von Luxair vor wenigen Tagen könnte die Luftfahrttripartite am Donnerstag zu einem »Déjà-vu« werden, was heißt, dass die Regierung die Generaldirektion wohl zurückpfeifen wird, es aber dennoch zu Teilverschlechterungen für die Beschäftigten kommen wird, wie das im »Modell Luxemburg« in der Vergangenheit praktisch immer der Fall war.
Bleibt die Frage, was die Gewerkschaften diesmal tun, und wie die Beschäftigten reagieren werden?

Ausgangspunkt war, dass die Beschäftigten von Luxair »auf keinen Fall Verluste oder Verschlechterungen ihrer sozialen Errungenschaften hinnehmen können« (Gewerkschaftserklärung vom 22. Mai 2020). Zu bewerkstelligen sein wird das womöglich nur, wenn sämtliche gewerkschaftlichen Aktionsmöglichkeiten ausgereizt werden, vorausgesetzt, die Solidarität wird groß genug sein. Was geschehen wird, wenn das nicht der Fall ist, brauchen wir angesichts der Erfahrungen aus der Vergangenheit wohl nicht besonders zu erläutern.

Ali Ruckert

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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