Samstag, 17. November 2018
Solidaritätsanzeige

Die Armee des NATO-Landes Estland war auch am Donnerstag noch immer auf der Suche nach einer Luft-Luft-Rakete, die der Pilot eines spanischen NATO-Kampfjets vom Typ »Eurofighter« am Dienstagnachmittag »versehentlich« über estnischem Territorium abgeschossen hatte.

Der spanische »Eurofighter« hatte die Rakete aus bisher nicht bekannten Gründen im Luftübungsgebiet nahe der südestnischen Stadt Otepää abgefeuert. Laut einer Meldung der estnischen Armee ist sie »höchstwahrscheinlich« in einem unbewohnten Sumpfgebiet in einem Naturpark niedergegangen. Ob der Selbstzerstörungsmodus der Rakete funktioniert hat, ist unklar, schreibt die Agentur dpa.

Es ist bezeichnend, daß nicht nur die bürgerlichen Medien, sondern auch die zuständigen Stellen der NATO so tun als handele es sich lediglich um einen bedauerlichen Unfall. Vielen westlichen Medien war der Vorfall nicht einmal eine Meldung wert. Und die NATO hielt es auch nicht für nötig, die russische Seite darüber zu unterrichten. Moskau erfuhr darüber lediglich über die knappen Meldungen von Nachrichtenagenturen.

Das sogenannte Luftübungsgebiet ist weniger als 100 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Bis zur nächstgelegenen russischen Stadt sind es lediglich 94 Straßenkilometer. Die Entfernung bis zur Stadt Sankt Petersburg – den Lesern dieser Zeitung unter ihrem Namen Leningrad gut bekannt – wird von der südestnischen Stadt Otepää aus mit rund 350 Straßenkilometern angegeben. Zudem befindet sich das Gebiet in unmittelbarer Nähe zur Ostsee und dem darüber befindlichen internationalen Luftraum. Das sind zumindest drei Gründe, über das unkontrollierte Abfeuern einer scharf geladenen Rakete mit einer Länge von 3,7 Metern, einem Durchmesser von 18 Zentimetern und einer Ladung von bis zu zehn Kilo Sprengstoff beunruhigt zu sein. Zumal die NATO mit all ihrer Militärtechnik einschließlich Satellitenbeobachtung offenbar nicht einmal feststellen konnte, in welche Richtung das Geschoß geflogen ist.

Es sei daran erinnert, daß die NATO immer wieder mit Alarmstarts reagiert, wenn aus ihrer Sicht »verdächtige« russische Flugzeuge im internationalen Luftraum über der Ostsee unterwegs sind. Und nicht nur das, es wird stets als eine »russische Bedrohung« dargestellt und über die Medien in alle Welt hinausposaunt. Dabei wird allerdings jedes Mal vergessen zu erwähnen, daß Rußland ein Anrainerstaat der Ostsee ist und damit jedes Recht hat, auch diesen Luftraum zu nutzen. Es ist müßig, darauf hinzuweisen, daß Spanien und die übergroße Mehrheit der NATO-Länder NICHT zu den Ostsee-Anrainern gehören.

Die NATO betreibt im Baltikum – aber auch in Polen, der Ukraine, in Rumänien sowie im Gebiet des Schwarzen Meeres ein äußerst gefährliches Spiel mit unser aller Sicherheit. Man muß nicht auf den Globus schauen, um zu sehen, daß nicht Rußland seine Grenzen in Richtung NATO verändert hat. Wer in Estland, Lettland, Litauen und Polen auf Einsatz gedrillte NATO-Truppen stationiert, bewahrt nicht Frieden und Sicherheit, sondern riskiert tagtäglich einen Krieg, der auch durch einen »kleinen Zwischenfall« ausgelöst werden kann, sei es »unbeabsichtigt« oder nicht.

Die einzig richtige Konsequenz kann daher nur sein, unverzüglich alle NATO-Truppen von den Grenzen Rußlands abzuziehen und mit Moskau ein Regime des Friedens und der gemeinsamen Sicherheit anzustreben.

Uli Brockmeyer

Quelle:

Zeitung vum Lëtzebuerger Vollek

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